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17.01.09 / Das Charakteristische herausdestilliert / Eine Ausstellung zeigt Porträt- und Theaterfotografien von Liselotte Strelow

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 03-09 vom 17. Januar 2009

Das Charakteristische herausdestilliert
Eine Ausstellung zeigt Porträt- und Theaterfotografien von Liselotte Strelow

Liselotte Strelow gehört zu den bedeutendsten Porträt- und Theaterfotografen des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Ihre Aufnahmen von einflußreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur haben die Sicht auf diese Menschen geprägt. Mit ihrer Kamera hielt sie ein Stück Zeitgeschichte fest. Die Bildergalerie istjetzt auf einer Wanderausstellung zu sehen.

Vom 22. Januar an wird die Ausstellung, die zum 100. Geburtstag der Fotografin von der Gesellschaft Photoarchiv e.V. mit dem Rheinischen Landesmuseum Bonn konzipiert wurde, im Historischen Museum Frankfurt gezeigt. Die Retrospektive würdigt die 1908 im pommerschen Redel geborene Liselotte Strelow als eine herausragende Repräsentantin der Fotografie in Deutschland. Die Ausstellung gliedert sich in einen Porträtteil sowie in einen Theaterteil und wird durch weitere Fotografien und Leihgaben aus dem Theatermuseum Düsseldorf wirkungsvoll ergänzt. Begleitet wird die Werkschau von einer repräsentativen Monographie aus dem Hatje Cantz Verlag (320 Seiten, 282 Abbildungen in Duplex, gebunden mit Schutzumschlag, 39,80 Euro). Porträt- und Theaterfotografien in 220 Originalabzügen lassen die deutsche Nachkriegszeit bis in die 1960er Jahre wieder lebendig werden. Schauspieler, Schriftsteller und bildende Künstler wie Gustaf Gründgens oder Marlene Dietrich, Thomas Mann oder Willi Baumeister sind ebenso in der Galerie der Prominenten vertreten wie Politiker, Wirtschaftsmanager oder internationale Künstler, so Jean Cocteau und Henry Moore. Dokumente, Bücher, Zeitschriften und Auftragsbücher, aber auch eine von Liselotte Strelow entwickelte Filmreihe ergänzen die Präsentation.

Beim Blättern durch den opulent daherkommenden Begleitband begegnet der Betrachter zahlreichen wichtigen Persönlichkeiten der damals noch jungen Bundesrepublik: Gottfried Benn, Jean Cocteau, Ernst von Salomon, Hermann Hesse, Oscar Fritz Schuh, Gustaf Gründgens, Oskar Kokoschka, Gerhard Marcks, Salvador Dali, Hans Scharoun, Hildegard Knef, Helene Weigel, Elisabeth Flickenschildt, Ingeborg Bachmann. Die junge Antje Weisgerber aus Königsberg ist als „Gretchen“ neben der schon damals legendären Maria Callas zu sehen. In einer Galerie der Prominenz findet sich der Pommer Heinrich George neben der Ostpreußin Agnes Miegel ebenso wie der aus dem ostpreußischen Hohenstein stammende Schauspieler Albert Lieven sowie der in Königsberg geborene und als Bilderfälscher bekannt gewordene Lothar Malskat. Der erste Bundeskanzler der neuen Republik, Konrad Adenauer, wurde ebenso von „der Strelow“ abgelichtet wie der erste Bundespräsident Theodor Heuss. Das Strelow-Porträt diente schließlich als Vorlage für die in Millionenauflage gedruckte Heuss-Briefmarke.

Doch nicht nur Prominente fotografierte Liselotte Strelow. Mitte der 30er Jahre reiste sie zum Beispiel auf die Kurische Nehrung und lichtete dort Land und Leute ab. In einem Artikel in der Zeitschrift „Photo-Graphik“ (Heft 10) schrieb sie 1936: „... aber nur derjenige kann unbefangen solch farbenprächtiges Bild für die Erinnerung festhalten, der über eine unauffällige, schnellarbeitende Kleinkamera verfügt, denn scheu sind die Memelländer vor der Kamera und wenden sich ab, wenn sie merken, daß sie photographiert werden.“

Der Betrachter sollte bei ihren Bildern Psyche, Cha-rakter und Anlagen der Dargestellten erkennen. „Nicht objektiv, subjektiv! Ich finde subjektive Porträts interessanter als objektive.“ „Ihre Stärke ist die intensive Beschäftigung mit dem Gegenüber, auf das sie sich konsequent einstellt, das sie gegebenenfalls zum Widerspruch herausfordert, um zu profilieren und es aus den störenden Sujets herauszulösen“, beschreibt Johanna Wolf-Breede im Begleitband die Arbeitsweise der Fotografin. „In den etwa zweistündigen Sitzungen destilliert sie das Charakteristische, die Physiognomie ihrer Modelle heraus.“

Silke Osman

Die Ausstellung „Liselotte Strelow – Retrospektive 1908– 1981“ ist im Historischen Museum Frankfurt am Main, Römerberg, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr zu sehen, 22. Januar bis 13. April.

Foto: Charakterköpfe: Ostpreußischer Fischer 1936 und Bundespräsident Theodor Heuss 1957


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