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31.01.09 / Schielen nach dem Gold / Anleger und Politiker besinnen sich auf die »letzte Instanz« des Wirtschaftens

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-08 vom 31. Januar 2009

Schielen nach dem Gold
Anleger und Politiker besinnen sich auf die »letzte Instanz« des Wirtschaftens

Angesichts einer Kaskade schlechter Nachrichten reiben sich die Untergangspropheten die Hände. Sie erwarten eine „Flucht ins Gold“ als angeblich „letzter Instanz“ aller Anleger. Ein Krisensymptom ist jedenfalls die Eile, mit der die Bundesregierung ihr Konjunkturpaket vorantreibt.

„Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles“, mit diesem Reim brachte schon Goethe das Wirtschaftsgeschehen auf einen knappen Nenner. Vor allem in Krisenzeiten, wenn Banken reihenweise krachen, Staatsschulden explodieren und die Zahlungsfähigkeit ganzer Länder auf der Kippe steht, haben Untergangspropheten und das von ihnen gern als letzte Zuflucht gepriesene gelbe Metall gegen den Trend Konjunktur. Tatsächlich erweist sich der legendäre Stoff auch jetzt als ziemlich wertbeständig. Obwohl der Goldpreis bereits vor Ausbruch der Krise Rekordhöhen erreichte, ist er in Dollar gerechnet nur wenig abgebröckelt. In Euro gerechnet erreichte das Edelmetall sogar erst vor wenigen Tagen mit genau 700 Euro pro Feinunze einen neuen Rekord.

Dieses Bild akzentuiert sich noch, wenn man den Wert des Goldes beispielsweise in Aktien, Industriemetalle, Lebensmittel oder in Immobilien bestimmter Länder umrechnet. Beobachter weisen darauf hin, daß von einer eigentlichen „Flucht ins Gold“, wie sie beispielsweise nach dem Einmarsch der UdSSR in Afghanistan Ende 1979 zu beobachten war, keine Rede sein kann. Genau das sei aber wieder möglich, wenn die Politik der massiven Geldmengenausweitung, wie sie insbesondere die US-Notenbank betreibt, zu anziehenden Preisen führt. Der einzige Trost: Die Notenbanken sitzen selbst auf großen Goldbeständen, was die Währungen vor dem Schlimmsten bewahren könnte.

Wie ernst die Lage geworden ist, bestätigen nicht nur haarsträubende Meldungen vom US-Arbeitsmarkt oder die Hertie-Pleite. Daß die Bundesregierung laut darüber nachdenkt, die Aktionäre der maroden Großbank Hypo Real Estate zu enteignen, läßt tief blicken. Mit insgesamt bereits 92 Milliarden Euro stützt der Bund dieses Institut, nun wird über das Mittel der Enteignung nachgedacht, weil die angeblich „systemrelevante“ Bank anders nicht zu retten sei.

Auch die neue Hektik der Bundesregierung mit dem zweiten Konjunkturpaket dürfte die Deutschen kaum beruhigen. Die Kabinettssitzung dieser Woche wurde eigens um einen Tag auf Dienstag vorgezogen, um das Paket noch am Freitag in den Bundestag bringen zu können. Die Verabschiedung könnte dann – wer wollte abergläubisch sein? – am Freitag, den 13. Februar über die Bühne gehen. Übrigens schielt auch bereits die Politik nach dem Gold der Bundesbank. Der CDU-Finanzexperte Steffen Kampeter meinte ungeduldig: „Ich frage mich, wie groß muß eigentlich die Finanzkrise werden, damit die Goldreserven als Interventionskraft berücksichtigt werden?“ Konrad Badenheuer


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