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31.01.09 / Berlin 2039

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-08 vom 31. Januar 2009

Berlin 2039
von Harald Fourier

Als Willy Brandt Kanzler wurde, waren die Deutschen noch eine Nation. Auch wenn sie auf zwei Staaten verteilt lebten und unterschiedliche politische Systeme hatten. Im Westen gab es weniger als zwei Millionen Gastarbeiter, die vorzugsweise aus Ländern wie Spanien, Italien oder Griechenland kamen und mehr oder minder gut integriert werden konnten. Die kulturellen Gräben waren gering. Es gab nur eine Handvoll Moscheen im ganzen Land.

Rückblickend betrachtet erscheinen auch die Unterschiede zwischen Ost und West weitaus kleiner, als mancher damals annehmen konnte. Wenn wir die politischen Zwangsmaßnahmen der SED-Diktatur abziehen, dann bleibt wenig von echter Ost-Identität übrig. Deswegen ging die Vereinigung 1990 auch so schnell.

Heute ist das ganz anders. Die Nation driftet auseinander, obwohl sie die staatliche Einheit hat. Bedenken wir: Vor wenigen Wochen demonstrierten in Berlin Palästinenser gegen Israel und Israel-Freunde gegen die Hamas. „Der Nahe Osten in Berlin“ nannte der „Spiegel“ diesen „Import-Krieg“. Wenigstens blieb es friedlich.

Das war vor genau zehn Jahren anders, als Kurden das israelische Generalkonsulat stürmen wollten. Die Israelis erschossen drei von ihnen. Vor einem Jahr dann jagten Türken Kurden mit Macheten durch Kreuzberg.

Waren die Kurden bis dahin eher als Opfer wahrgenommen worden, so standen sie am vergangenen Wochenende übrigens als Täter am Pranger, als Tausende in Berlin gegen das niederträchtige Verhalten von Kurden in der Türkei demonstrierten, die mit aberwitzigen Begründungen versuchen, eines der ältesten christlichen Klöster Kleinasiens zu schließen.

Zuwanderung und Globalisierung bringen uns Probleme ins Land, von denen frühere Generationen noch nicht einmal ahnten, daß es sie gibt. Die Kritiker der multikulturellen Gesellschaft haben in diesem Punkt absolut recht behalten: Statt daß Zuwanderer und Alteingesessene zusammenwachsen, bringen die Neulinge nicht nur ihre Kultur, sondern auch ihre ganz eigenen politischen Sichtweisen und Konflikte mit, die sie dann hierzulande austragen. Auch in der zweiten und dritten Generation ist ihnen das Gemeinwohl ihrer „neuen Heimat“ Deutschland oft weit weniger wichtig als das Schicksal ihrer Herkunftsländer.

Es wäre die Aufgabe der Politiker, am zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls auch daran zu erinnern, daß es am 9. November 1989 nicht nur um Bananen und Begrüßungsgeld ging. Denn wenn wir nichts tun, um die Einheit der Nation zu erhalten, dann ist Deutschland im Jahr 2039 so etwas wie der Turmbau zu Babel, wo keiner mehr den anderen versteht.


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