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31.01.09 / Russki-Deutsch (2): Nasdrowje

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-08 vom 31. Januar 2009

Russki-Deutsch (2):
Nasdrowje
von Wolf Oschlies

Im Jahr 2003 feierten die Russen das 500jährige Bestehen des „Zaren-Wässerchens“, des Wodka. Dazu schickte ARD-Korrespondentin Anja Bröker aus Moskau ein launiges Feuilleton, das so endete: „Nasdrowje – schmeißt die Gläser an die Wand!“ Allein dieser Rat hätte genügt, alle Deutschen zu Ort und Anlaß aufzuklären: „Nasdrowje“ ist das russische Pendant von „Prost“, weiß doch jeder!

Auch, daß Nasdrowje „zur Gesundheit“ heißt. Das stimmt – mit kleinen Korrekturen. Erstens hat die russische Sprache „polnoglasie“ oder „Voll-Lautierung“, die auf Vokal-Konsonant-Folge achtet. „Gesundheit“ heißt „sdorowje“, im „Russki-Deutsch“ fehlt also ein O. Zweitens wird beim Trinken „sa sdorowje“ (für die Gesundheit) gewünscht, während „na sdorowje“ beim Essen Verwendung findet: „kuschajte na sdorowje“ – essen Sie zur Gesundheit (möge es Ihnen bekommen). Und drittens ist das (um ein O verkürzte) „nasdrowje“, genauer „na zdrowie“, ein polnischer Trinkwunsch. Der kann, analog „zuprosten“, auch als Verb „zdrówkac“ angebracht werden, oft lässig „zdrów“ (gesprochen „sdruf“) verkürzt. 

So etwas fällt unter „historische Grammatik“, deren Kenntnis zum Erkennen der Verwandtschaft slawischer Sprachen verhilft. Ausgenommen die Serben, die sich „ziveli“ (wir sollen leben) zutrinken, kennen alle Slawen „nasdrowje“, allerdings den Sprachgesetzen ihres Idioms angepasst: „na zdraví“ (tschechisch), „na zdrave“ (bulgarisch) etc. Als Nichtslawe kann man da kaum einen Fehler machen, sofern man nicht zum deutschen „Prost“ greift. Denn „prost“ heißt „simpel“ oder „primitiv“ und auf Rumänisch sogar „dumm, albern, blöde“. Also, Vorsicht!

Oder einfach „nasdrowje“ sagen, egal wo man gerade ist. Dieser russische Wunsch ist sogar bei Deutschen aus der Schweiz im Umlauf: „Die USA ist auf dem besten Weg, den Markt auszuschalten und seinen Erzfeind Rußland links zu überholen“ (seufzte kürzlich ein Kommentator), Nasdrowje! Seit es in der Bundesrepublik rund drei Millionen russische Muttersprachler gibt, ist „Na dann, Nasdrowje“ selbst als Neujahrswunsch frequent. Vielleicht garniert mit dem neuen „Nasdrowje Wodka“, der (laut Hersteller) „das moderne Rußland und die russische Seele verkörpert“.


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