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31.01.09 / Hilfe ist Politikum / Neutrale Helfer sind in Gaza nicht realistisch

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-08 vom 31. Januar 2009

Hilfe ist Politikum
Neutrale Helfer sind in Gaza nicht realistisch

Wer Wert auf Medienpräsenz legt, fliegt dieser Tage zur Trümmerbeschau nach Gaza, um „Bestürzung“ auszudrücken und Soforthilfe zu versprechen. Allerdings gibt es kleinere Probleme, denn der höhere Auftrag lautet, unbedingt zu vermeiden, was nach dem Libanon-Krieg 2006 passierte: Damals wurden auf Groß-Konferenzen Milliarden versprochen, doch nur teilweise oder spät bezahlt, und vieles versickerte – all das ist ja normal und nicht weiter schlimm. Dumm war nur, daß die Hisbollah gleich nach Ende der Kämpfe jeder geschädigten Familie ein ansehnliches Bündel Dollar-Scheine in die Hand drücken ließ und weiteren Prestige-Gewinn erzielte. Das ging deswegen so unbürokratisch, weil die Unterschlagung von Spenden ein schwerer Verstoß gegen einen der fünf Grundpfeiler des Islam wäre.

Israel hat bereits angedroht, jede Hilfe, die direkt an die Hamas zur Weiterverteilung gehen sollte, gewaltsam zu verhindern. Die Verwaltungseinrichtungen, die eine „neutrale“ Verteilung durchführen könnten, wurden aber von Israel systematisch zerstört. Und die EU-Politiker, die das Verteilen unbedingt der abgewirtschafteten Fatah überlassen wollen oder zumindest auf einer Mitregierung der Fatah in Gaza bestehen, machen wieder einmal die Rechnung ohne den Wirt. Denn wie ein Hamas-Sprecher erklärte, werde die Fatah, „die es nicht geschafft hat, auf israelischen Panzern zurückzukehren“, dies „auch nicht auf Betonmischern“ fertigbringen. Mit der Verteilung von Geld – es gibt Anzeichen, daß schon Spenden fließen, nicht nur aus dem Iran – hat die Hamas aber ebenfalls ein Problem. Denn anders als im Libanon gibt es in Gaza nichts zu kaufen, vor allem kein Baumaterial.

Die EU will sich auf „humanitäre Hilfe“ beschränken, sprich: die Menschen einfach durchfüttern. Aber nicht nur, daß von den benötigten 600 Lkw-Ladungen pro Tag derzeit nur 180 in das Freiluftgehege Gaza hineingelassen werden, man darf doch nicht die Grenzabfertigung auf palästinensischer Seite der Hamas-Polizei überlassen! Wie sich inzwischen herausstellt, ist auch ein großer Teil der Agrarflächen im Gaza-Streifen durch Blindgänger unbrauchbar geworden und fällt zumindest für die nächste Ernte aus.         RGK


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