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31.01.09 / Harmonischer Zusammenklang von Licht und Farbe / Die Bremer Liebermann-Sammlung ist jetzt in der Berliner Villa des Künstlers am Wannsee zu sehen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-08 vom 31. Januar 2009

Harmonischer Zusammenklang von Licht und Farbe
Die Bremer Liebermann-Sammlung ist jetzt in der Berliner Villa des Künstlers am Wannsee zu sehen

Der Bremer Kunsthistoriker und Museumsdirektor Gustav Pauli (1866–1938) war von Beginn an ein entschiedener Förderer des Malers Max Liebermann (1847–1935). Als Anhänger der impressionistischen Moderne und als Freund Liebermanns legte er den Grundstein für die einmalige Liebermann-Sammlung der Kunsthalle Bremen, um die sich auch die nachfolgenden Direktoren, Emil Waldmann und Günter Busch große Verdienste erworben haben.

In der aktuellen Ausstellung unter dem Titel „Die Papageienallee am Wannsee“, die in der Liebermann-Villa am Wannsee zu sehen ist, werden über 40 Gemälde, Zeichnungen und Graphiken gezeigt. Es sind Hauptwerke der Bremer Sammlung, die zum Teil noch nie außerhalb der Hansestadt zu sehen waren. Dazu gehören so berühmte Gemälde wie die „Papageienallee“, „Die Kuhhirtin“, das große „Selbstporträt“ von 1916 sowie seltene Drucke und Handzeichnungen.

Die Sammlung umfaßt die gesamte Breite von Liebermanns Schaffen: das holländische Frühwerk mit Darstellungen vom kargen Leben auf dem Land ebenso wie die ab 1900 entstandenen Bilder von sommerlichen Stränden, dazu Kaffeegärten sowie Ansichten des blühenden Gartens in Wannsee. Das Ausstellungsprojekt bietet für kurze Zeit die einmalige Chance, diese internationale Spitzensammlung in Berlin zu sehen.

Das offene und vertrauensvolle Verhältnis zwischen Max Liebermann und Gustav Pauli erfuhr nach Paulis Wechsel als Nachfolger Alfred Lichtwarks 1914 an die Hamburger Kunsthalle eine Intensivierung. Bei fast jeder Dienstreise besuchte er Liebermann und dessen Familie, sowohl im Haus des Künstlers am Pariser Platz als auch in der Villa am Wannsee.

Im Jahr 1909 hatte Liebermann ein großes Grundstück am Wannsee erworben. Dort ließ er sich von dem damals bekannten Architekten Paul Otto Baumgarten ein komfortables Landhaus errichten. Den 7000 Quadratmeter großen Garten entwarf Liebermann selbst, in enger Zusammenarbeit mit seinem Freund Alfred Lichtwark.

Der Garten ist eines der herausragenden Beispiele der Reformbewegung in der Gartenkunst nach 1900. In diesem Freiluftatelier entstanden über 230 Ölgemälde und zahlreiche Pastelle sowie Zeichnungen, von denen eine stattliche Anzahl 2004 in Hamburg und Berlin ausgestellt wurden.

Bald 100 Jahre nach dem Erwerb des Anwesens durch den Maler und nach einer durchaus wechselvollen Geschichte begann die Max-Liebermann-Gesellschaft mit der Wiederherstellung des Künstlerhauses und des ehemaligen Gartenparadieses. 2006 waren die Arbeiten abgeschlossen. Heute ist dort eine Möglichkeit, die Werke des Malers angemessen auszustellen.

Mit der Präsentation der Bremer Sammlung sind auch einige Bilder an der Ort ihrer Entstehung

zurückgekehrt, darunter die große „Blumenterrasse“, die vor allem durch die leuchtend bunten Geranien fasziniert und die 1924 im Atelier am Wannsee entstand. Freunde der Kunst Liebermanns aber wird auch die berühmte „Papageienallee“ erfreuen. Ein Motiv, das Liebermann mehrmals im Amsterdamer Zoo gemalt hat. „Das Bild ist ein harmonischer Zusammenklang aus Licht und Farbe, ein Paradestück des Impressionismus“, schwärmt Martin Faass, Leiter des Museums in der Liebermann-Villa. „Liebermann entwirft darin die Vision eines irdischen Paradieses, in dem die Begegnung des Menschen mit sich selbst und der Natur zusammenklingt mit der Heiterkeit eines sonnigen Sommertages.“ Silke Osman

Die Ausstellung in der Liebermann-Villa, Colomierstraße 3, ist von Oktober bis März mittwochs bis montags von 11 bis 17 Uhr, von April bis September mittwochs bis montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr, geöffnet, Eintritt 6 / 4 Euro; bis 4. Mai.

Foto: Max Liebermann: Papageienallee (Öl, 1902)


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