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31.01.09 / Was von Nokia blieb / Arbeitslosigkeit in Bochum, Geheimniskrämerei in Klausenburg

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-08 vom 31. Januar 2009

Was von Nokia blieb
Arbeitslosigkeit in Bochum, Geheimniskrämerei in Klausenburg

Vor gut einem Jahr wurde bekannt, daß Nokia sein Werk in Bochum schließen wolle. 2300 Arbeitsplätze sollten innerhalb weniger Monate verschwinden. Und alles, so schien es, zugunsten eines im Aufbau befindlichen Werkes in Rumänien. Viele bezweifelten die Beteuerungen des finnischen Unternehmens, daß die Menschen in dem Werk in Jucu bei Klausenburg den Bochumern keineswegs die Arbeit wegnehmen würden, da die einen für den westeuropäischen Markt und die anderen für den osteuropäischen Markt Handys produzierten.

Die große Aufregung legte sich allerdings genauso schnell, wie sie gekommen war. Heute, ein Jahr später, ist ein Großteil der deutschen Nokia-Arbeiter faktisch arbeitslos. Auf dem Papier gelten sie jedoch nur als „arbeitssuchend“, da sie bei der Peag Transfergesellschaft in Lohn stehen. Dieser wird aus Mitteln der Arbeitsagentur gezahlt. Nokia stockt dann auf 80 Prozent des ehemaligen Gehaltes auf. Diese Vereinbarung gilt jedoch nur für zwölf Monate, und da das Werk im Sommer 2008 selbst für den letzten Arbeiter die Tore schloß, verlassen die letzten auch im Sommer die Peag. Sie kommen also mitten in der Weltwirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt zurück, nachdem sie bereits ein Jahr begleitet von Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen vergeblich Arbeit gesucht haben. Jene, die bereits im ersten Halbjahr 2008 bei Nokia freigesetzt wurden, werden in den nächsten Wochen die Arbeitslosenstatistik in Bochum hochtreiben. Noch im Dezember freute sich die Stadt über eine Arbeitslosenquote von neun Prozent, die niedrigste seit 25 Jahren. Doch dieser Erfolg war unter anderem nur möglich, weil die noch verbliebenen 1450 Nokia-Mitarbeiter offiziell bei der Peag „beschäftigt“ waren. Einige andere hingegen fanden bereits wieder eine Tätigkeit. Manche Nokia-Ingenieure profitierten von der Neuansiedlung des kanadischen Black­berry-Herstellers RIM.

Andere fanden bei dem im Rahmen des Programms „Wachstum für Bochum“ auf dem alten Nokia-Gelände angeworbenen Hersteller von Computerscannern Scanbull Vertical Images eine neue Aufgabe. Doch das waren nur knapp 100. Zudem beschäftigte das Nokia-Werk zu über 50 Prozent Frauen, die von der Schichtarbeit profitierten, da sie aus familiären Gründen nur zu bestimmten Zeiten arbeiten können. Für sie eine vergleichbare Tätigkeit zu finden ist schwierig.

Da Nokia sich mit 20 Millionen Euro an dem Programm „Wachstum für Bochum“ der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und der Stadt Bochum beteiligte, hat das Land die angedrohte Rückforderung der gewährten Subventionen in Höhe von 60 Millionen Euro fallen lassen. Die Finnen sind also trotz Abfindungen und Beteiligung an Sozialprojekten relativ günstig davongekommen. Und auch in Rumänien wird massiv gespart. Zwar konnten in Jucu nicht die geplanten Zwölf-Stunden-Schichten durchgesetzt werden, doch die Löhne liegen selbst unter dem rumänische Durchschnitt. Aber da die Werkarbeiter, übrigens wieder zu über 50 Prozent Frauen, froh sind, in der strukturschwachen Gegend überhaupt Arbeit zu haben, hat Nokia Narrenfreiheit. Selbst die Tatsache, daß das Unternehmen im Rahmen der Weltwirtschaftskrise bereits 600 der 1800 Arbeiter wieder entlassen hat, wird im Kreis Klausenburg heruntergespielt. Da das Werk sich vollständig von der Öffentlichkeit abschottet – der Bürgermeister darf angeblich nicht einmal die Telefonnummer weitergeben – erfährt die Öffentlichkeit nicht viel darüber, was hinter den Mauern des einst als Hoffnungsträger gefeierten Werkes vorgeht.


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