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07.03.09 / Moskauer Medienmanager bei der PAZ / Die Krise läßt das Anzeigengeschäft in Rußland einbrechen – Kollegialer Gedankenaustausch

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 10-09 vom 07. März 2009

Moskauer Medienmanager bei der PAZ
Die Krise läßt das Anzeigengeschäft in Rußland einbrechen – Kollegialer Gedankenaustausch

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat Rußland voll erwischt: Die Arbeitslosigkeit steigt, an etlichen Moskauer Vorzeigebauprojekten stehen die Kräne still, und ausländische Investoren ziehen Milliarden an Kapital ab.

Mit ganzer Wucht hat die Krise auch auf die Medienwirtschaft durchgeschlagen. Um Wege aus der Krise ihrer Branche zu erkunden, besuchte eine elfköpfige Delegation russischer Medienmanager die Medienmetropolen Amsterdam, Hamburg und Paris.

In Hamburg traf die Delegation zu einem Gedankenaustausch mit der Redaktion der Preußischen Allgemeinen Zeitung und dem Leiter der Vertriebs- und Anzeigenabteilung der PAZ, Knut Bantow, zusammen.

Wie der Werbedirektor der „Komsomolskaja Prawda“, Dmitrij Ogurzow, heraushob, trifft die derzeitige Krise die russische Zeitungswirtschaft aus landesspezifischen Gründen besonders hart. Die „Komsomolskaja Prawda“ erschien einst als Organ des kommunistischen Jugendverbandes Komsomol. Nach 1990 erfand sich das Blatt als Boulevardzeitung für alle Altersgruppen jedoch quasi neu und ist heute die auflagenstärkste Zeitung in Rußland. Die besonderen Probleme der russischen Zeitung gingen teils noch auf die Sowjet-Ära zurück, so Ogurzow. Damals hätten Zeitungen nur ein paar Kopeken gekostet. Daran seien die Russen gewöhnt, weshalb es praktisch unmöglich sei, eine Zeitung zu halbwegs kostendeckenden Preisen zu verkaufen. Infolgedessen seien die Blätter in seinem Land weit mehr als anderswo auf die Finanzierung durch Anzeigen angewiesen, rund 70 Prozent der Kosten würden dadurch gedeckt. Einen weit größeren Marktanteil als in EU-Staaten machten reine Anzeigenblätter aus. Doch breche der Werbemarkt krisenbedingt drastisch ein.

Was die Wirkung des Einbruchs noch verstärke sei, daß die russischen Zeitungen kaum über feste Abonnenten verfügen, denn, wie ein anderer Delegationsteilnehmer klagt: „Uns fehlt so etwas wie die Deutsche Post. Die Postzustellung in Rußland ist dermaßen unzuverlässig, daß eine regelmäßige Belieferung der Leser nur über den (strukturell teureren) Kioskhandel möglich ist.“

Diese schwierige Lage trieb die russische Delegation nun gen Westen, um hier neue Absatzstrategien zu erkunden. Die russischen Manager setzen dabei vor allem auf das Internet als eigenständige Einnahmequelle. Da konnte ihnen der PAZ-Vertriebs-chef indes wenig Hoffnung machen: „Mir ist in Deutschland kein großes Druckmedium bekannt, dem es gelungen wäre, seinen Internetauftritt für sich genommen profitabel zu machen.“ Vielmehr nutzten die Zeitungen und Zeitschriften ihre Netzportale vor allem dazu, ihr Blatt bekannter zu machen und so im Netz neue Leser für die gedruckte Ausgabe zu gewinnen, so Bantow. Ob dies in näherer Zukunft einmal anders werde, sei schwer zu prognostizieren.

Dmitrij Ogurzow kann der Krise für Rußland allerdings auch gute Seiten abgewinnen, wenn man vom rein wirtschaftlichen Aspekt einmal absehe: „Endlich sind die Russen nicht mehr wie wild den ganzen Tag mit dem Gedanken beschäftigt, wie sie noch mehr Geld verdienen könnten. Das hatte in den vergangenen Jahren alles überlagert. Nun, da es kaum noch etwas zu verdienen gibt, kümmern sich die Leute wieder mehr um ihre Familie, ihre Kinder, und haben endlich wieder mehr Freizeit.“

Das wirke sich auch auf die Medienwirtschaft aus. Das einzige Segment, in dem die Medienmanager derzeit gegen den Trend ein deutliches Wachstum verzeichnen, sei der Sport.

Der Umstand, daß die PAZ als (früheres) Ostpreußenblatt gegenüber Rußland offene Fragen aufwirft, trübte das gute Gesprächsklima in keiner Weise, eher im Gegenteil. Die russischen Kollegen ermutigten die PAZ-Redakteure sogar, eine russischsprachige Ausgabe der Preußischen Allgemeinen Zeitung zumindest im Internet herauszugeben, weil vor allem die Menschen im Königsberger Gebiet sicher viel Interesse an den Inhalten der Zeitung hätten. Auch Anzeigenkunden könne die PAZ unter den Firmen im „Oblast“ durchaus finden. Voraussetzung sei nur die Überwindung der Sprachbarriere.            Hans Heckel


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