28.01.2022

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07.03.09 / ... die Kaffeekannen / Kleinigkeiten rufen oft Erinnerungen wach

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 10-09 vom 07. März 2009

... die Kaffeekannen
Kleinigkeiten rufen oft Erinnerungen wach

Der Besuch einer Ausstellung in der Fürstenberg-Manufaktur führte dazu, daß in meiner Erinnerung manches Zurückliegende geweckt wurde. Dafür war nicht vordergründig die enorme Vielfalt und die Exklusivität des dort Gebotenen ausschlaggebend, nein, es waren die Kaffeekannen!

Separat aufgereiht wiesen sie überschaubar die Zugehörigkeit zu den jeweiligen Stilepochen seit 1747 aus. Und die entsprechenden Erläuterungen ließen staunen und Bilder zurückliegender, allerdings nicht selbst erlebter Zeiten erstehen. Mir kam währenddessen aber auch in Erinnerung, welche dieser Formen ich schon auf Kaffeetischen gesehen hatte.

Kaffeekannen hatten schon immer meine besondere Aufmerksamkeit gefunden. Die erste Kaffeekanne, die ich in früher Kindheit bewunderte, stand mit den dazugehörigen Teilen des Service in Großmutters Glasschrank, schön in der Form und noch faszinierender in der Farbgebung, leicht glänzend changierend in Hellgrün und Orange.

Als wir auf den Fluchtwagen steigen mußten, blieb das Service jedoch zurück. Mitgenommen wurde eine weißemaillierte Blechkaffeekanne, die zweckmäßiger erschien und wohl auch war. Sie „begleitete“ uns bis kurz vor Danzig. Dort blieb sie dann mit allem andern unserer Habe zurück, als wir vor den Russen, die uns eingeholt hatten, wegliefen.

In die kriegsgeschundene Heimat zurückgekehrt, gab es für mich über Jahre keinen gedeck­ten Kaffeetisch und nicht das Geringste, was dazu gehört hätte. Vor einem solchen saß ich erst wieder nach unserer Ausweisung aus Ostpreußen und dem Eintreffen im Westen Deutschlands im Jahre 1949. Es war der Kaffeetisch zu meinem Geburtstag, der nach Jahren der kriegsbedingten Trennung nun wieder mit Großeltern, Tanten, Cousins und Kusinen gefeiert wurde.

Die Kaffeekanne aber, die auf dem Tisch stand, war von der Hauswirtin geliehen, und eben deshalb von Mutter gehütet, wie vielleicht Besitzerinnen von echtem Fürstenberg-Service es mit den entsprechenden Teilen tun. Und dieser Kaffeekanne entströmte der Duft, der damals noch selten war, der Duft von echtem Bohnenkaffee.

Die Kaffeekannen, die in der folgenden Zeit auf den Tischen verwandter und bekannter Flüchtlingsfamilien auftauchten, hatten auch nichts mit Gedecken zu tun, da es sich dabei fast immer um Sammeltassen handelte. Zweckmäßig, da sie sich beliebig und immer ergänzen ließen. Auf solchen Tischen hatten Kaffeekannen jeglicher Art ihre „Berechtigung“. Und des Erinnerns wert sind allemal auch die Kaffeewärmer, unter denen sie verschwanden. Ihre Eigenart stand ohnehin fern allen Anpassungserfordernissen. Und ich wage zu behaupten, daß ihr Anblick Behaglichkeit vermittelte. Vielleicht lag ihre Beliebtheit auf lange Sicht auch darin begründet, nicht nur in ihrer Zweckmäßigkeit.

Die Kaffeekannen und Kaffeewärmer, die ich im Gedächtnis behielt, bedürfen keiner Zuordnung nach Zeitabschnitten. Sie stehen für mich als jeweilige Kernpunkte für Kaffeerunden, die von Zusammengehörigkeit geprägt waren, von Wiedersehensfreude, ehrlicher gegenseitiger Anteilnahme und Herzlichkeit.Hannelore Patzelt-Hennig


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