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21.03.09 / Verdrängte Verbrechen / Titos Greueltaten spalten Slowenien bis heute

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-09 vom 21. März 2009

Verdrängte Verbrechen
Titos Greueltaten spalten Slowenien bis heute

Trotz der florierenden Wirtschaft geht ein tiefer Riß durch die slowenische Gesellschaft und Politik. Jahrelang galt der Titoismus allenfalls als harmlose Variante kommunistischer Regime. Die Massaker an den Domobranzen als Teil der Liquidierung der bürgerlichen Klasse waren ein Tabu und wurden − obwohl in der Bevölkerung bekannt − wie ein Partei- und Staatsgeheimnis behandelt. Das Trauma des Brudermords und die Mitverantwortlichkeit der slowenischen Kommunisten wurden in der Öffentlichkeit verschwiegen. Insbesondere an der Rolle der Befreiungsfront (OF) schieden sich die Geister zwischen den Nachfahren der Domobranzen, die im Tito-Jugoslawien als Verräter geächtet wurden, und ehemaligen Partisanen, die als gefeierte Helden Karriere machten. Während die einen die OF als Instrument der Kommunisten im Kampf gegen die bürgerliche Vorkriegselite brandmarkte, billigten die anderen der OF zu, legitimen Widerstand gegen die Besatzer geleistet zu haben.

Bis heute gab es keinen Prozeß gegen einen der Täter, von denen noch hunderte in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens leben. Auch von Seiten der Westalliierten erfolgte zu Zeiten des Kalten Krieges keine amtliche Untersuchung, weil Tito sich von Stalin abgewandt hatte. Nicht nur im eigenen Land genoß Tito den Status eines Volkshelden, der sein Land vom Joch der Nazis befreit hatte. Die Bundesrepublik Deutschland verlieh ihm im Juni 1974 (wohl noch auf Initiative der Regierung Brandt) die höchste Stufe des Bundesverdienstkreuzes, die Sonderstufe des Großkreuzes.

Doch die grausamen Funde von Massengräbern, die auf das Konto der Tito-Partisanen gehen, lassen spätestens seit dem Zerfall Jugoslawiens den Geschichtsmythos bröckeln. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Polizei haben offenbart, wie blutgetränkt der historische Boden Sloweniens ist. Joze Dezman, Leiter der 2002 eingerichteten Regierungskommission für versteckte Gräber, vergleicht die junge Republik gar mit den „Killing Fields“ in Kambodscha und bezeichnet sie als „Epizentrum eines Massenmordes“, das in Europa seinesgleichen suche. Der slowenische Präsident Danilo Türk hat bisher allerdings ein Treffen der Staatschefs Sloweniens, Kroatiens, Deutschlands und Italiens und damit eine Versöhnung für Vergehen der Vergangenheit abgelehnt.

Der FPÖ-Politiker und EU-Abgeordnete Andreas Mölzer kritisierte Sloweniens Festhalten an den „menschen- und völkerrechtswidrigen“ Beschlüssen des Antifaschistischen Volksbefreiungsrates Jugoslawiens (AVNOJ), auf deren Grundlage auch die deutsche Minderheit vertrieben und enteignet wurde. Zugleich sprach er sich für die Einführung eines europaweiten Gedenktags für die Opfer des Tito-Regimes aus.

Die postkommunistische Linke und der slowenische Partisanenverband haben zwar die Massentötungen nach dem Zweiten Weltkrieg verurteilt und ein Entschädigungsgesetz für die Opfer der kommunistischen Internierungslager auf den Weg gebracht, doch Vertreter der slowenischen Rechtsparteien werfen ihnen vor, den Genozid zu verharmlosen. SG


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