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21.03.09 / Pärchen-Suche mit Spaßfaktor / Auch unter Erwachsenen ist das Memory-Spiel beliebt – Kinder können es am besten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-09 vom 21. März 2009

Pärchen-Suche mit Spaßfaktor
Auch unter Erwachsenen ist das Memory-Spiel beliebt – Kinder können es am besten

An seinem 50. Geburtstag ist „Memory“ so bekannt wie nie: 91 Prozent aller Deutschen kennen laut einer Studie das erfolgreichste Spiel aus dem Hause Ravensburger.

Auch der Rest der Welt schätzt das Spiel, das sich bis heute in über 80 Ländern 75 Millionen Mal verkaufte. Das Erfolgsgeheimnis von „Memory“ liegt in seiner schlichten, aber reizvollen Idee: Wer aus einer beliebigen Zahl verdeckt liegender Bild-Paare je zwei Kärtchen umdreht und die meisten Paare findet, ist Sieger.

Der Siegeszug der Kärtchen begann 1958, als der Schweizer Diplomat William Hurter das Spiel dem Ravensburger Spieleverlag – damals noch Otto Maier Verlag – vorstellte. Sein Vater, Heinrich Hurter, hatte die Spielidee bei einem seiner Besuche in London als Geschenk für die Enkel mitgebracht: Auf quadratische Kartontäfelchen hatte Hurter senior Motive aufgeklebt, die er aus Illustrierten ausgeschnitten hatte. Die Kinder mochten das Spiel und die englischen Freunde tauften es rasch „memory-game“. In Ravensburg war man sofort begeistert von der simplen aber faszinierenden Pärchensuche, und beschloß, den Titel in das Verlagsprogramm aufzunehmen. Das erste offizielle „Memory“ präsentierte Ravensburger im Februar 1959 auf der Nürnberger Spielwarenmesse unter dem Namen „Bilder Memory“. Das Spiel mit der Artikelnummer 6202 wurde erstmals am 15. April 1959 an die Läden ausgeliefert und kostete dort 4,80 DM. Die Bildausschnitte für die 54 Bildpaare stammten seinerzeit ausschließlich aus Ravensburger Büchern, Katalogen und Spielen.

Die Erstauflage von 6000 Stück war schnell vergriffen; eine Sensation in der damaligen Zeit. Im darauffolgenden Jahr brachte Ravensburger eine neue Variante auf den Markt: „Junior Memory“. Mit knapp sechs Millionen Exemplaren, die bisher über die Ladentische gingen, ist das die meistverkaufte der mittlerweile mehr als 250 verschiedenen Memory-Versionen.

1961 wurde das Spiel auf 63 Bildpaare erweitert, kurze Zeit später wechselte der Name: Aus dem „Bilder Memory“ wurde das „Original Memory“. Etliche Umgestaltungen folgten, und immer neue Spielausgaben kamen ins Verlagsprogramm, beispielsweise das „Lese Memory“ und das „Rechen Memory“ sowie verschiedene Länderausgaben und Memory-Versionen mit Disney-Motiven wie Mickey Mouse.

Auch heute noch ist „Memory“ eines der beliebtesten Kinderspiele – und nicht nur das: Seit 2006 bringt der Verlag das bekannteste Gedächtnisspiel der Welt wieder für Erwachsene heraus. Mit ausgewählten Landschaftsaufnahmen, beispielsweise bei dem „Weltkulturerbe-Memory“ oder mit weltberühmten Gemälden im „Famous portraits“ oder „History of Art Memory“.

Allerdings haben Kinder beim „Memory“ einen ganz elementaren Vorteil, denn je jünger der Kopf, desto leichter fällt das Spiel. Woran es liegt, daß die fünfjährige  Tochter siegessicher die Pärchen einsammelt, während der Vater alles andere außer dem passenden Gegenstück erwischt, erklärt die Psychologin Gabriele Berg: „Die Nervenzellen der Kinder zeichnen sich durch eine deutlich höhere Synapsenverknüpfung aus als die Nervenzellen der Erwachsenen.“ So sind Kinder mit etwa 200 Billionen Nervenzellen ausgestattet, die sich jedoch mit Beginn der Pubertät auf die Hälfte verringern. „Das ist ein Zeichen für den Lernprozeß, den das Gehirn durchläuft: Das Gehirn erkennt nämlich mit zunehmendem Alter und der hiermit verbundenen Erfahrung, durch welche „Expreß-Verbindungen“ es am schnellsten und effektivsten ans Ziel gelangt. „Bei Erwachsenen liegen einfach mehr Nervenzellenverbindungen brach, was zu Lasten der Detailwahrnehmung geht“, meint Berg. Genau das ist beim „Memory“ aber wichtig. Hier sind die Kleinen ganz groß. Es gibt aber auch einen wesentlich pragmatischeren Grund: Kinder konzentrieren sich einfach mehr auf das Spiel, suchen und merken sich die Pärchen mit vollem Einsatz. Bei den Eltern hat das Bildermerken im Gehirn nicht die höchste Priorität, sie lassen sich durch Umwelteinflüsse leichter ablenken. „Oder sie haben“, wie die Psychologin schmunzelt, „längst akzeptiert, daß sie beim ,Memory‘ gegen ihre Kinder sowieso wenig Chancen haben“.

Am 5. September 2009 finden im Ravensburger Spieleland am Bodensee die Internationalen „Memory Meisterschaften“ statt, bewerben können sich hierfür alle jungen Gedächtnis-künstler bis 14 Jahre. Die Kandidaten qualifizieren sich direkt im Park oder online bei www.spieleland.de. Unter allen Teilnehmern werden Plätze für die Endrunde verlost. Corinna Weinert

Foto: Beim Gedächtnisspiel: Kinder sind nicht nur aus biologischen Gründen im Vorteil.


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