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21.03.09 / Preußische Bande / Familie in Berlin um 1800

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-09 vom 21. März 2009

Preußische Bande
Familie in Berlin um 1800

Die Geschichte beginnt in den Wirren der Revolution des Jahres 1848. Sophie Gräfin von Schwerin, die ewige, kinderlose Witwe der Familie, bietet ihrer Nichte Marianne Gräfin Stolberg Asyl an. Entweder in Berlin in der Wilhelmstraße 63, im schlesischen Gebirge oder auf den Familiengütern in Ostpreußen, die Familie hat viele Ausweichmöglichkeiten.

Kerrin Gräfin von Schwerin erzählt in „Wilhelmstraße 63 – Schicksalsjahre einer preußischen Familie“ die Schicksale der Sophie Gräfin von Schwerin und ihrer Geschwister. Die Autorin hat bereits mehrere wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, was man dem charmanten Stoff anmerkt, da die Sprache für diese interessanten Biographien sehr sachlich gehalten ist. Zwar gelingt es der Autorin, ein Bild des damaligen Alltagslebens in Adelskreisen zu Regierungszeiten von Friedrich Wilhelm II. und später seines Sohnes Friedrich Wilhelm III. und seines Enkels Friedrich Wilhelm IV. zu vermitteln, doch die dramatischen Schicksalsschläge, die die einzelnen Familienmitglieder erfahren, hätten gut und gerne ein wenig mehr Leidenschaft vertragen können. Schließlich wird Sophie bereits mit 29 Jahren Witwe, da ihr Mann bei der Schlacht von Belle Alliance gegen Napoleon fällt. Zusammen mit ihrer inzwischen ebenfalls verwitweten Mutter und ihren drei Schwestern lebt sie danach im Palais Dönhoff ganz unter sich. „Sie nennen diesen ,Familienstand‘ ironisch ihren ,Amazonen-Staat‘“, gibt die 1941 geborene Autorin die Lebensumstände der schreiblustigen Damen in deren eigenen Worten wieder.

Ein weiterer Schicksalsschlag beendet jedoch die aus der Not geborene Wohngemeinschaft, denn der im Alter von 20 Jahren bei einem Duell ums Leben gekommene, einzige Bruder hat den Schwestern einiges Vermögen und einige Güter hinterlassen, die unter diesen aufgeteilt werden. Aber auch ein anderes „Erbe“ schockt die protestantischen Damen, denn acht Monate nach dem Tod des Bruders steht ein Dienstmädchen vor der Tür, das behauptet, der Säugling in ihren Armen wäre die Tochter des Sohnes des Hauses.

Eben jenes Gemälde der unehelichen Caroline v. Wenden, das unbeachtet über dem Eßtisch der Autorin hing, hat diese dazu veranlaßt, sich der Geschichte der Porträtierten und ihrer Ziehmutter Sophie anzunehmen. Dabei hat sie viele spannende Geschichten aufgedeckt, die sich trotz einiger dramaturgischer Schwächen zu lesen lohnen.      Rebecca Bellano

Kerrin Gräfin von Schwerin: „Wilhelmstraße 63 – Schicksalsjahre einer preußischen Familie“, vbb, Berlin 2008, geb., 303 Seiten, 24,95 Euro


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