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23.05.09 / Ein Fanal gegen die Kommerzialisierung / Ein Stück Berliner Geschichte: Mit dem FC Union schafft ein Kult-Klub der Hauptstadt den Wiederaufstieg

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-09 vom 23. Mai 2009

Ein Fanal gegen die Kommerzialisierung
Ein Stück Berliner Geschichte: Mit dem FC Union schafft ein Kult-Klub der Hauptstadt den Wiederaufstieg

Im Jahr 20 nach der Maueröffnung spielt der Fußball aus der ehemaligen DDR nur noch eine untergeordnete Rolle. Energie Cottbus als Absteiger aus der 1. Bundesliga und Hansa Rostock in der 2. Bundesliga stellen die gesamte Fußballbefindlichkeit der  neuen Bundesländer dar. Nun erhalten sie Verstärkung: Der 1. FC Union Berlin steht als Aufsteiger in die 2. Bundesliga fest. Das ist nicht nur als sportliches Ereignis von Bedeutung, sondern in mehrfacher Hinsicht auch ein Politikum.

Tradition besitzt dieser 1906 gegründete Klub wie kein zweiter aus der ehemaligen DDR. Union wurde 1920 erstmals Berliner Fußballmeister, erreichte 1923 das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft und scheiterte dort am Hamburger SV mit 3:0. In der Folge stand der Verein im Schatten der finanzstarken Berliner Klubs wie Hertha BSC und Tennis Borussia, aber 1940 konnten die Schlosserjungs aus Köpenick, wie der Verein wegen seines proletarischen Hintergrunds auch genannt wurde, als Berliner Meister erneut an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft teilnehmen. In einer Zwischenrunde scheiterten die Unioner an „Rapid Wien“.

Die Sowjets lösten alle Berliner Fußballklubs zunächst auf, um die gewachsenen Strukturen zu zerstören. Als „SG Oberschöneweide“ schaffte der alte FC Union 1947 wiederum das Erreichen der Berliner Meisterschaft und scheiterte im Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft am FC St. Pauli. Als politisch verdächtig wurde der Klub immer wieder diskriminiert, mit anderen Vereinen zwangsfusioniert und sogar zur Aufgabe der traditionellen Vereinsfarben gezwungen.

1966 wurde „Union Berlin“ als Gegenstück zu den Fußballvereinen BFC Dynamo und Vorwärts Berlin als „ziviler Klub“ unter dem alten Namen neugegründet. Den beiden Konkurrenten wurde eine allzu große Nähe zu den staatlichen Organen wie Stasi, Armee oder Polizei nachgesagt. So dauerte es auch nicht lange, bis Union die Aufmerksamkeit der staatlichen Organe erregte. Hippies, Punks und Skinheads bevölkerten neben normalen „Werktätigen“ das legendäre Stadion an der Alten Försterei.

Zum Jahresende mußte der Verein häufig seine besten Spieler – ohne finanzielle Entschädigung – abgeben, gelegentlich auch an den bei Unionern verhaßten BFC Dynamo. So hatte Union zwar viele Zuschauer, konnte aber immer nur mit Mühe den Abstieg aus der obersten DDR-Fußballliga verhindern.

Nach der Vereinigung fand Union keinen Weg in den Profi-Fußball. Erst im Januar 1998 nahte durch das wirtschaftliche Engagement von Michael Kölmel und seiner Firma Kinowelt die finanzielle Rettung. Außerdem durften die Union-Fans einen prominenten Neuzugang begrüßen: Die bekannte Musikerin Nina Hagen sang für den Verein eine neue Vereinshymne. Von 2001 bis 2004 spielte Union in der 2. Bundesliga und stieg dann ab.

Die jetzt aufgestiegene Mannschaft hebt sich vor allem dadurch ab, daß sie überwiegend aus Berlinern oder in der näheren Umgebung geborenen Fußballspielern besteht. Viele kommen auch aus der eigenen Jugend. Im Vereinskader gibt es nur drei Spieler, die keinen deutschen Paß besitzen. Berliner nichtdeutscher Herkunft freilich finden sich bei Union ganz selbstverständlich. Andere Spitzen-Klubs bestehen dagegen meist aus international zusammengekauften Kadern.

Darin, daß Union seine Mannschaft nicht zusammenkauft, sondern auf die eigene Jugendarbeit setzt oder Spieler aus der örtlichen Umgebung anlockt, sehen nicht nur Nostalgiker ein Vorbild für den deutschen Fußball. Nicht von ungefähr ist Union stolz auf seine Volksverbundenheit. Mehrfach waren es nicht große Sponsoren und Konzerne, die das Überleben des Klubs sicherstellten, sondern die Treue und Opferbereitschaft seiner Fans. Die eigentliche Nachricht besteht darin, daß man offenbar auch mit diesem scheinbar veralteten Konzept in die oberen Ränge des deutschen Fußballs aufsteigen kann. Daß dieser Klub aus den „neuen“ Bundesländern kommt, ist zudem Balsam auf die Seelen der dortigen Fans, ein Trost nach einigen herben Enttäuschungen der vergangenen Jahre.                     H.L.


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