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23.05.09 / Dauer-Baustelle Bundeswehr / Wehrbeauftragter des Bundestages deckt Mängel auf

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-09 vom 23. Mai 2009

Dauer-Baustelle Bundeswehr
Wehrbeauftragter des Bundestages deckt Mängel auf

Reinhold Robbe hat vom deutschen Parlament die Lizenz zum Fragen stellen. Der Wehrbeauftragte des Bundestages soll herausfinden, wo in der Bundeswehr Defizite zu finden sind. Auf der Grundlage seines jährlichen Berichtes beratschlagen die Abgeordneten im Reichstag über Verbesserungen, und auch die Bundeswehrführung soll sich den Bericht zu Herzen nehmen.

„Ist die Bundeswehr eine moderne Armee? Ist sie so aufgestellt, daß sie die Erwartungen junger Menschen erfüllt, die heute überlegen, den Soldatenberuf zu ergreifen?“ Das sind nur einige der Fragen, derer sich Robbe annimmt. Bei einem Truppenbesuch in einer der größten deutschen Kasernen in Köln-Wahn stieß er jedoch auf eine eher gedämpfte Stimmung. Schon die Gebäude des 300 Hektar großen Geländes, auf dem 4300 Soldaten und 1200 zivile Mitarbeiter arbeiten, strahlten wenig Dynamik aus. Rund 50 Prozent der Gebäude sind über 50 Jahre alt, die Hälfte hiervon ist sogar älter als 70 Jahre. Am meisten ernüchterte jedoch der Anblick einer Dauer-Baustelle. 2005 war der Grundstein für eine dringend benötigte Abfertigungshalle für die Flugbereitschaft gelegt worden. 2007 sollte sie fertig sein, im Spätsommer 2009 wird sie erst fertig, doch schon jetzt weiß man: Sie ist zu klein, ineffizient und zu teuer.

„Wir müssen gegen die Vorschriften arbeiten, um den Laden am Laufen zu halten“, war dann auch einer der ersten Sätze, mit denen Robbe konfrontiert wurde. „Seit Jahren machen wir Verbesserungsvorschläge, von denen man nie wieder etwas hört“, klagte ein anderer. Ein anderer merkte an, daß er sechs Wochen hatte warten müssen, bis er Ersatz für seine kaputten Stiefel erhielt. „Wir kontingentieren und regulieren uns noch zu Tode“, schimpfte ein weiterer. „Wir wollen internationale ,keyplayer‘ sein, aber es fehlt uns an den ,basics‘!“

Robbe, der sein Ohr an der Truppe hat, stellt immer wieder fest, daß es die Soldaten verletzt, daß in der Gesellschaft die Leistung der Bundeswehrsoldaten kaum gewürdigt würde. So setzten Bundeswehrsoldaten seit 1995 weltweit in Auslandseinsätzen ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel, doch gedankt würde es ihnen kaum. Insgesamt waren zum Jahresende rund 6600 deutsche Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan (Isaf), im Kosovo (Kfor), am Horn von Afrika (OEF und Atalanta), vor der Küste des Libanon (UNIFIL), in Bosnien-Herzegowina (Eufor), im Sudan (UNMIS) und in Georgien (UNOMIG) im Einsatz. Und es werden immer mehr. Erst am 14. März verkündete Verteidigungsminister Jung, weitere 600 Soldaten nach Afghanistan zu schicken.

Der 31,2 Milliarden Euro umfassende Verteidigungsetat würde nicht nach oberster Priorität verteilt. Zwar habe die Schnelle-Eingreiftruppe in Afghanistan inzwischen genügend gepanzerte Fahrzeuge, allerdings zu Lasten der deutschen Isaf-Einheiten. Zudem fehlten diese Spezialfahrzeuge für die Ausbildung in Deutschland, was dazu führe, daß die Soldaten erstmals im Krisengebiet damit arbeiten würden. Ähnlich sieht es bei dem Maschinengewehr MG4 und der Maschinenpistole MP7 aus, was bereits zu vermeidbaren Unfällen geführt haben soll.     Bel


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