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23.05.09 / Russki-Deutsch (18): Moskwi(t)ch

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-09 vom 23. Mai 2009

Russki-Deutsch (18):
Moskwi(t)ch
von Wolf Oschlies

Ein „Moskwi(t)ch“ ist erstens ein Moskauer, was nur die selber als Ehrentitel empfinden: „Tschastliv tot, kto moshet skasatj: ja Moskvitch“, ist ein Sprichwort bei ihnen: Glücklich der, der sagen kann: Ich bin Moskauer. Andere Russen sind da anderer Meinung, aber das lassen wir lieber.

Und wenden uns dem international bekannten „Moskwi(t)ch“ zu, dem Pkw aus dem „Moskauer Autowerk Lenin’scher Komsomol“. 1940 hatten die Moskauer ein erstes Automobil herausgebracht, das aber nichts taugte. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die hohe Zeit des russischen Autobaus, die auf demontierten Fertigungsstraßen deutscher Werke basierte. 1947 hatte der Kleinwagen „Moskwi(t)ch“ Premiere, der nur ein Nachbau des Opel Kadett war. Autos waren und sind in Rußland Statussymbole, ausgenommen der „Moskwi(t)ch“: Er war erschwinglich, aber die Nachfrage überstieg das Angebot bei weitem. Über seine Qualität urteilte der russische Volkswitz: „Was ist der Unterschied zwischen einem Moskwi(t)ch und einer Tochter mit unehelichem Kind? Keiner − beide sind die Schande der Familie.“

„Behüt’ uns Gott vor bösen Frau’n und Autos, die die Russen bau’n“, seufzten die DDR-Bürger, zu denen der „Moskwi(t)ch“ auch exportiert wurde. „Rostquietsch“ nannten sie ihn in klanglicher Annäherung an seinen Namen. Noch bissiger waren die Bulgaren, die AZLK, die Abkürzung des Moskauer Werks, mit „ach zaschto li te kupich“ dechiffrierten: Ach, warum habe ich dich nur gekauft!

Was alles eine Ungerechtigkeit war. Der Wagen war beliebt und robust, und weil Osteuropäer erfahrene Autobastler sind, gibt es in Rußland und anderswo noch viele „Moskwi(t)chs“. Das Moskauer Werk besteht ebenfalls, benennt seine Wagen, alle mit Renault-Motoren ausgestattet, aber nun nach Lichtgestalten der russischen Geschichte: „Fürst Wladimir“, der die Russen 980 christianisierte, oder „Jurij Dolgoruki“, der 1147 Moskau begründete.

Auch die ehemaligen DDR-Bürger haben ihren Frieden mit dem Auto gemacht, das sie mittlerweile liebevoll „Mossi“ nennen. Ob es richtig „Moskwitch“, „Moskwich“ oder „Moskwitsch“ heißt, ist ihnen egal, wenn sie im Korso der OMMMA fahren, der „Ost Mobile Meeting Magdeburg“.


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