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23.05.09 / Vom Vatikan gerügt / Italien: Kurz vor wichtigen Wahlen Rosenkrieg im Hause Berlusconi

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-09 vom 23. Mai 2009

Vom Vatikan gerügt
Italien: Kurz vor wichtigen Wahlen Rosenkrieg im Hause Berlusconi

Es ist Wahlkampfzeit in Italien. Am Superwahl-Wochenende vom 6./7. Juni bestimmen die Italiener sowohl die 72 Abgeordneten für das Europaparlament als auch ihre Vertreter in über 4000 Kommunen und 73 Provinzen. Doch der eigentliche Machtkampf wird derzeit nicht auf der politischen Bühne ausgetragen, sondern im Hause Berlusconi selbst. Veronica Lario, die seit fast 20 Jahren mit dem italienischen 72jährigen Regierungschef verheiratet ist, hat die Scheidung eingereicht.

Die First Lady war des Playboy-Gehabes und der Eskapaden ihres Mannes überdrüssig. Dem werden etliche Affären nachgesagt, angefangen von einer Ex-Pornodarstellerin über junge Schauspielerinnen, die der Cavaliere kurzerhand dem Direktor des Staatsfernsehens RAI vermittelte, bis hin zu einem früheren Nacktmodell, das heute als Ministerin für Gleichstellung in der Regierung sitzt.

Das Faß zum Überlaufen brachte Berlusconis Besuch der Geburtstagsfeier einer 18jährigen Blondine, die den Premier liebevoll „Papi“ nennt. „Zum 18. Geburtstag seiner Kinder ist er nicht gekommen“, ließ Lario wissen und sagte, sie könne und wolle nicht länger an der Seite eines Mannes stehen, der sogar mit Minderjährigen verkehre.

Doch die First Lady gab neben privaten vor allem politische Gründe für die Trennung an. Nur selten begleitete sie ihren Mann zu offiziellen Anlässen und machte keinen Hehl daraus, eher mit der politischen Linken als mit der rechten Bewegung Berlusconis zu sympathisieren. Zuletzt kritisierte die liberale Intellektuelle die Aufstellung ehemaliger Showgirls als Kandidatinnen für die Europawahl im „Volk der Freiheit“, der Partei ihres Mannes.

Aus dieser Absage an Berlusconi schöpft die schwächelnde Opposition nun neue Hoffnung auf einen politischen Umschwung im Land. Dario Franceschini, der seit dem Rücktritt des einstigen Hoffnungsträgers Walter Veltroni im Februar Vorsitzender der linksmoderaten „Demokratischen Partei“ (PD) ist, rechnet damit, daß die Imageschäden wegen dessen Ehekrachs den Premier einige Stimmen kosten könnten. Laut einer Meinungsumfrage heißen 67 Prozent der Italiener Larios Entscheidung, sich scheiden zu lassen, gut und stellen sich somit gegen Berlusconis Inszenierung als treusorgender Familienvater. In kaum einem anderen Land spielt die Familie eine so wichtige Rolle wie in Italien.

Sofort witterte Berlusconi eine Verschwörung der Linken, die seine Frau gegen ihn inszeniert habe. Er äußerte ferner den Verdacht, hinter dem Schachzug seiner Gattin könnten Profitjäger stecken, die auf sein Medienimperium aus sind. Berlusconis Familienholding Fininvest ist eine der größten Unternehmensgruppen Italiens und hält unter anderem die Aktienmehrheit in den drei führenden privaten Fernsehsendern und mehreren Verlagshäusern des Landes.

Doch Kritik kam noch von ganz anderer Seite. Die Tageszeitung der italienischen Bischofskonferenz

„L’Avve­nire“ verurteilte den Sitten- und Werteverfall des Regierungschefs und warf ihm vor, junge Frauen als „politische Köder“ zu benutzen sowie unlautere „Mittel zur Konsensbeschaffung“ einzusetzen. Jetzt bangt Berlusconi um die guten Beziehungen zu Vatikan und Kirche, denn dann könnten ihn die Peinlichkeiten um die Gunst seiner konservativ-katholischen Wählerschaft bringen.   Sophia E. Gerber


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