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23.05.09 / Gefährliches Spiel mit dem Feuer / Im Königsberger Gebiet werden noch immer abgeerntete Felder in Brand gesetzt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-09 vom 23. Mai 2009

Gefährliches Spiel mit dem Feuer
Im Königsberger Gebiet werden noch immer abgeerntete Felder in Brand gesetzt

Trotz Verboten gibt es im Königsberger Gebiet Menschen, die brachliegende Felder in Brand setzen und so nicht nur die Umwelt, sondern auch Tiere und selbst Menschen in Gefahr bringen.

Statt Gras und Stroh des Vorjahres unterzupflügen, legen einige in Königsberg und Umgebung Brände. Diese Methode vernichtet jedoch nicht nur Übriggebliebenes, sondern führt zur Vernichtung fruchtbarer Bodenschichten und Kleinlebewesen. Darüber hinaus ist diese Art der Unkrautbekämpfung nicht ganz ungefährlich, weil das Feuer sich unkontrolliert ausweiten kann. Das zuständige Ministerium des Königsberger Gebiets warnt ständig davor, daß das verbotene und unkontrollierte Abflämmen abgeernteter Felder zu Waldbränden führen kann. Außerdem könnten dadurch Tiere umkommen sowie Autofahrern die Sicht genommen und die Luft in Wohnvierteln vergiftet werden.

Jahr für Jahr werden in Königsberg abgeerntete Felder in Brand gesetzt. Eine derartige Umweltsünde wurde in anderen europäischen Ländern längst abgeschafft. Nicht nur Jungvögel, Nagetiere und Marienkäfer sterben, jede Menge toxischer Stoffe gelangen in die Atmosphäre, weil außer Stroh und Gras in der Regel auch noch Müll verbrannt wird. Unter den Bränden leiden auch die Bewohner angrenzender Siedlungen und Dörfer, weil die Feuer immer wieder Wohnhäuser und landwirtschaftliche Gebäude bedrohen.

Davon konnten die Gebietsbewohner sich in diesem Frühjahr schon überzeugen. Allein im März und April mußte die Feuerwehr 350 Großbrände auf Feldern löschen. Die schlimmste Nacht war die vom 3. auf den 4. April, als 59 Feuer registriert wurden. Am 5. April gab es fünf weitere Fälle. Dabei handelt es sich aber lediglich um die Feuer, die gemeldet wurden, weil sie unkontrolliert auf Siedlungen oder Straßen überzugreifen drohten, und zu denen die Feuerwehr ausrücken mußte. Die meisten dieser Brände gab es in der Küstenregion um Rauschen und Cranz, wo sich die Brände auf Föderationsstraßen und Hauptstraßen ausbreiteten.

Das Abbrennen von Stroh richtet aber auch ernsthaften Schaden für die Landwirtschaft selbst an, denn der Same nützlicher Kräuter verbrennt, während sich die Wurzelunkräuter vermehren, und die eignen sich nicht als Viehfutter.

Vom 8. auf den 9. April gab es wiederum großflächige Brände. Insgesamt waren 264 Hektar Ackerland betroffen. In Ludwigsort hätte das Feuer beinahe landwirtschaftlich genutzte Gebäude vernichtet, in Tilsit kämpfte die Feuerwehr um den Erhalt von Lagerräumen. Im Bezirk Friedland bedrohte das Feuer eine Tankstelle, in Insterburg private Datschen und in Heiligenbeil den Friedhof. Auf der Strecke Königsberg–Cranz war der Rauch so dicht, daß der Straßenverlauf teilweise nicht mehr zu erkennen war.

Der schlimmste Fall ereignete sich jedoch in Königsberg. Im Pillauer Rajon hätte glühendes Schilf beinahe ein Öllager in Brand gesetzt. Die Rauchsäule war in allen Stadtteilen zu sehen. Selbst im Zentrum Königsbergs fiel Asche vom Himmel, die durch den Wind kilometerweit transportiert worden war. Schwarze Rauchschwaden außerhalb der Stadt und ätzender Smog in den Straßen Königsbergs waren das Resultat dieser „Brandrodungen“. Der traurige Anblick fällt besonders ins Auge, wenn man aus dem unter polnischer Souveränität stehenden Teil Ostpreußens ins Königsberger Gebiet fährt. Im südlichen Ostpreußen sind die Äcker gepflügt und die Felder bestellt. Unmittelbar hinter der Grenze sieht man dann beiderseits des Weges die verbrannten Überreste des Strohs vom Vorjahr, und beißender Qualm brennt in den Augen. Mehrere Hektar verkohlten Brachlandes erstrecken sich entlang der Straße.

Im Kreis Samland gingen der Polizei zwei Brandstifter ins Netz. Mehrere Tage lang hatten die beiden Festgenommenen ganze Hektar Felder in Brandwüsten verwandelt. Die Polizei erwischte sie auf frischer Tat, als sie gerade das nächste Feuer legen wollten. Auf die Frage, warum sie das täten, antworteten sie: „Weil es Spaß macht.“ Nach einem Tag mußte die Polizei sie wieder auf freien Fuß setzen, weil Brandstiftung nur eine Ordnungswidrigkeit darstellt, die mit eher geringen Geldstrafen belegt wird.

Die meisten Brandstifter bleiben jedoch unentdeckt und unbestraft. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt nur sechs Feuerteufel bestraft, und zwar nur diejenigen, die an Ort und Stelle gefaßt werden konnten. Die Strafe für diese Ordnungswidrigkeit beträgt zur Zeit 5000 Rubel (rund 115 Euro).

Jurij Tschernyschew

Foto: Landwirtschaft mit dem Streichholz: Anderswo sind derartige Umweltsünden längst abgeschafft.


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