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23.05.09 / Am Anfang stand das Ende / Ayaan Hirsi Ali über die kurze Freundschaft einer Jüdin mit einem Moslem

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-09 vom 23. Mai 2009

Am Anfang stand das Ende
Ayaan Hirsi Ali über die kurze Freundschaft einer Jüdin mit einem Moslem

Ayaan Hirsi Ali ist ohne Zweifel eine mutige Frau. Die 1968 in Somalia geborene Frauenrechtlerin und Islamkritikerin besitzt die niederländische Staatsbürgerschaft, saß drei Jahre im niederländischen Parlament und sorgte weltweit für Aufsehen, weil sie zusammen mit dem 2004 ermordeten Filmregisseur Theo van Gogh das Drehbuch für den islamkritischen Film „Submission (Part1)“ geschrieben hatte. Allerdings ist Ayaan Hirsi Ali nicht die Heilige, zu der sie viele machen wollen. Ihr Haß gegen den Islam mag zwar begründet sein und aufgrund eigener, traumatischer Erlebnisse auch authentisch, doch manchmal schießt sie über das Ziel hinaus. Auch ihre Falschaussagen zur Erlangung der niederländischen Staatsbürgerschaft diskreditierten die Abgeordnete im Amsterdamer Parlament. Zwar konnte sie belegen, hieraus seit langem kein Geheimnis gemacht zu haben, trotzdem wurde ihr die Staatsbürgerschaft 2006 aberkannt, um ihr später auf Druck der Öffentlichkeit wieder anerkannt zu werden.

Das neue Buch der inzwischen in New York lebenden und bei der konservativen Forschungsorganisation „American Enterprise Institute“ arbeitenden Politikerin ist zudem kaum geeignet, ihre angeschlagene Seriosität wieder herzustellen.

„Adan und Eva – Eine Begegnung mit dem Islam“ kommt als Kinderbuch daher. Die etwas dickliche Eva, die zu allem Übel auch noch von ihrer überspannten Stiefmutter in Rüschenkleider gesteckt wird, ist an ihrem Gymnasium eine Einzelgängerin, genau wie Adan, Sohn marokkanischer Einwanderer. Nur dank eines Förderprogrammes für Ausländerkinder hat der aus einem nur von Muslimen bewohnten Außenbezirk Amsterdams stammende Junge überhaupt die Chance, diese Schule zu besuchen. Die gerade zwölfjährigen Einzelgänger freunden sich an und besuchen einander, um im Zuhause des jeweils anderen die dortigen Probleme zu erleben. So ist Eva schockiert, wie in Adans Familie mit den Frauen umgegangen wird. Seine beiden 13 und 17 Jahre alten Schwestern sollen gegen ihren Willen in einer kostensparenden Doppelhochzeit mit ihnen unbekannten Marokkanern verheiratet werden. Adan wiederum, der erst bei einem Abendessen bei Evas Vater und Stiefmutter erfährt, daß die Familie jüdisch ist, ist von der Intoleranz der reichen Niederländer abgestoßen. Am Ende zerstören die Erwachsenen von beiden Seiten die Freundschaft.

Eigentlich kommt die Geschichte über Freundschaft und die Konfrontation zweier völlig unterschiedlicher Welten ganz unschuldig daher, allerdings merkt man schnell die dahinterstehenden Motive der Autorin. Hirsi Ali und ihre Co-Autorin, eine Jüdin aus Paris, spielen mit den Klischees vor allem über Muslime. Ja, ohne Zweifel, vieles von dem, was Eva in Adans Zuhause Negatives über muslimische Einwanderer und ihre Lebenswelt erfährt, mag wahr sein, allerdings ist diese Anhäufung schon ziemlich extrem.

Da die Geschichte um Adan und Eva relativ kurz ist, hat der Verlag sich offenbar dazu entschieden, drei bereits vor einigen Jahren veröffentlichte Texte der Autorin anzufügen. Neben einer längeren Kurzvita sind die autobiographische Erzählung „Schwester Aziza und die Juden“ und „Die Notwendigkeit der Selbstreflexion im Islam“ beigefügt.          Rebecca Bellano

Ayaan Hirsi Ali: „Adan und Eva – Eine Begegnung mit dem Islam“, Piper, München 2008, geb., 158 Seiten, 14,95 Euro


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