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23.05.09 / Thronverlust / USA: Bald einer unter vielen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-09 vom 23. Mai 2009

Thronverlust
USA: Bald einer unter vielen

Das Buch „Der Aufstieg der anderen – Das postamerikanische Zeitalter“ ist Journalismus, wie er sein soll: große Zusammenhänge übersichtlich und plausibel dargestellt, wobei man zugunsten des Lesevergnügens geistesgeschichtliche Vereinfachungen in Kauf nehmen kann, alles zugespitzt auf eine griffige These, deren Zeit gekommen ist, und die hier lautet: Wir sind im Begriff, in das „postamerikanische Zeitalter“ einzutreten. Dieses wird trotz Wirtschaftskrise und trotz der vorhergegangenen Überdehnung durch den Unilateralismus der Bush-Administration weiterhin die USA als stärksten einzelnen Akteur in der internationalen Szene sehen, aber vernetzt in wahrhaft globalisierter Weise.

Das Szenario ist überwiegend optimistisch. Die aktuelle Wirtschaftskrise trage weitaus weniger zur weltpolitischen Verschärfung der Gegensätze bei, als dies ihre Vorgängerin von 1929 getan habe. Seit dem Ende des Kalten Krieges sei die Welt sogar friedlicher geworden, daran habe der islamische Terrorismus nichts geändert. Nach dem 11. September 2001 sei Al Kaida schließlich kein vergleichbarer Coup mehr gelungen. 

Wird Europa in der multipolaren Welt, die sich erahnen läßt, gleichberechtigt mit von der Partie sein? Da ist der Autor, ein in den USA zu akademischen (Harvard) und journalistischen (Chefredakteur von „Foreign Affairs“) Ehren gelangter Inder aus Bombay, eher skeptisch: „Europa ist weder militärisch noch politisch zu geschlossenem Handeln in der Lage.“

Der Autor findet es zu Recht verblüffend, daß die alte konfuzianische und hinduistische Kultur, die einst in ihrer Verkrustung dazu beigetragen habe, China und Indien dem europäischen Imperialismus auszuliefern, heutzutage kein Hindernis mehr für diese beiden Milliardenvölker darstelle, mit dem Westen auf seinen ureigensten Feldern gleichzuziehen. Wobei auch die Frage nicht undiskutiert bleibt, ob Modernisierung identisch mit Verwestlichung sei. Als Inder gibt der Autor die plastische Antwort, die Welt von morgen werde „Bollywood“ gleichen, das heißt den Produkten der indischen Filmindustrie: Imitation des amerikanischen Hollywood plus Einsprengsel von subkontinentalem Aberglauben und folkloristischen Liebesliedchen.   Bernd Rill

Fareed Zakaria: „Der Aufstieg der Anderen“, Siedler-Verlag, München 2009, geb., 350 Seiten, 22,95 Euro


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