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23.05.09 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-09 vom 23. Mai 2009

Du sollst heucheln / Warum uns die Uiguren keinen Spaß mehr machen, wie die Wahrheit rausgeworfen wurde, und wann die Briten in Brüssel das Raffen lernen
Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Uiguren heißen sie. Klingt  wie „huibuh“ und wird auch immer unheimlicher. Vergangenen Dezember war das anders: Als es hieß, Obama lasse die Guantánamo-Häftlinge frei, schob sich Berlin eilig drängelnd nach vorn, als liefe Deutschland Gefahr, keinen der dort noch einsitzenden rund 250 Männer mehr abzubekommen.

Frank-Walter Steinmeier (SPD) sonnte sich im Gefühl der Menschlichkeit und freute sich schon auf eine publikumswirksame Geste der Dankbarkeit, mit der ihn der frische Präsident Oba­ma ins Licht seines damals noch gottgleichen Medienruhms tauchen würde, wenige Monate vor der Bundestagswahl. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke von der CDU, hatte sich daraufhin in die Uiguren verguckt: „Deutschland sollte bereit sein, einige der Uiguren aufzunehmen, die nicht in ihre Heimat China zurückkehren können.“

Es handelt sich angeblich um 17 muslimische Männer aus dem Westen Chinas, die von dort erst nach Pakistan und dann nach Afghanistan geflohen sein sollen. Die Reiseroute mag dem einen oder anderen vertraut vorkommen, das wird uns aber nicht zu Vorverurteilungen verleiten. Die Chinesen schon: Die hätten ihre Uiguren gern wieder, weil sie sie für Terroristen halten.

Warum riskiert der Außenminister Streit mit China um der 17 Leute willen. Steinmeier hat noch einen Makel abzuarbeiten: Angeblich hat er den in Bremen gemeldeten Türken Murat Kurnaz bei den Amis schmoren lassen. Kurnaz hatte sich ebenfalls durch eine Verkettung unglücklicher Reiserouten unversehens in Pakistan wiedergefunden, nachdem er vorher in Deutschland einer Islamistengruppe beigetreten war. In Pakistan sackten Kurnaz die US-Soldaten ein.

Daß Steinmeier ihn dem Vernehmen nach nicht von den Amerikanern zurückwollte, lasten ihm viele in seiner Partei an. Da kamen die Uiguren recht, um alles wiedergutzumachen. Nun aber drohen diplomatische Prügel aus Peking, was den SPD-Chef als Außenminister schlecht aussehen ließe. Eine Zwickmühle. In Berlin wünscht man sich heimlich, man hätte es den Schweden oder Holländern gleichgetan. Die hatten sich sofort weggeduckt bei der Frage: Wohin mit den Guantana­meros, wenn die USA sie anderweitig nicht loskriegen?

Wer aber konnte vorhersehen, daß uns unsere moralische Heuchelei mit den Guantánamo-Insassen so rasch auf die Füße fallen würde? Seitdem Obamas Di­stanzierungen von den Praktiken der Bush-Regierung täglich verhaltener ausfallen, weiß man ohnehin nicht mehr, wo Gut und wo Böse ist.

Der einzige Ausweg ist jetzt, daß wir die Sache im „Dialog“ lösen. Mit den Chinesen, den Uiguren, den Amis und mit Günter Nooke. Die deutsche Dialog-Kultur ist etwas Wunderbares. Sie kommt allerdings nicht ohne feste Voraussetzungen aus. Die erste lautet, daß alle Beteiligten schon vorher einer Meinung sein müssen. Sind sie es nicht, muß eben so getan werden.

Gegen diese Regel hat dieser Tage ausgerechnet ein Moslem verstoßen. Navid Kermani, Sohn iranischer Eltern, ist Literat und sollte zusammen mit dem ehemaligen Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker, dem Kardinal Karl Lehmann und dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, den diesjährigen Hessischen Kulturpreis erhalten.

Dann aber schrieb Kermani einen Beitrag, in dem er seine Wandlung von einem harschen Kreuzverächter zu jemandem beschreibt, der durchaus an ein Kreuz glauben könnte.

Steinacker und Lehmann waren darob so erbost, daß sie sagten, zusammen mit Kermani würden sie den Preis nicht annehmen. Sollte man also den Moslem ausladen? Oder alles platzen lassen? Dabei war Kermani selbst schon zweite Wahl, der ersterwählte Moslem hatte zuvor schon wegen Salomon Korn abgesagt. Nun schmissen sie ihre zweite Wahl Kermani raus, der das von einer Zeitung erfuhr.

Da rieben sich alle die Augen: Von den beiden großen Kirchen, vor allem der evangelischen, waren wir es eigentlich gewohnt, daß ihnen um der Fortsetzung des „Dialogs“ jede Kröte recht war. Und nun so heftig, weil ein Moslem nur auf Umwegen dazu kommt, das Kreuz zu würdigen?

Das kann nur einen Grund haben: Kermani bezeugt dem Kreuz zwar seinen Respekt, aber er zeigt in seinem Aufsatz gleichzeitig den Graben auf zwischen Christen und Mohammedanern. Damit hat er gegen das Heuchelgebot des „Dialogs“ verstoßen, nachdem der Graben zu leugnen ist, und ist nicht mehr tragbar für interreligiöse Kulturpreisverleihungen.

Dann eben ohne ihn. Die Veranstaltung wurde wegen des    Hickhacks vom 22. März auf den 5. Juli verschoben und kommt bestimmt bei Phoenix. Das sollten Sie auf keinen Fall verpassen, sonst entgeht Ihnen ein exquisiter Leckerbissen an linkischer Geschwätzigkeit. Lauter vom Bannstrahl der Politischen Korrektheit ausgebleichte Worte werden vom Podium pladdern.

Man muß aber höllisch aufpassen beim Schwätzen, selbst sowas kann in die Hose gehen. In Wendelin Wiedekings Beinkleidern juckt’s entsetzlich, es sind seine recht selbstbewußten Spöttereien über ach so marktwirtschaftliche Firmenchefs, die am Tage der Krise unter Germanias Rock robben und um Staatskredite betteln. Genüßlich breiten Medien die Nachricht aus, Porsche nestele „diskret“ an den Taschen der KfW herum, um einen Milliardenkredit herauszuluchsen. Das Wörtchen „diskret“ wird eingestreut, um die Häme zu steigern – es soll suggerieren, sie hätten es heimlich versucht, so peinlich ist es. Aber wir haben es gesehen!

Die Freude von Ferdinand Piëch über die Medienattacken auf Wiedeking ist nicht mal mehr klammheimlich zu nennen. Wie sehr der VW-Aufsichtsratschef den Mann, der Porsche 1992 vom Abgrund weggezogen hat, haßt, weiß nunmehr ganz Deutschland. Was keiner so recht ahnt, ist: Warum? Na ja, Wiedeking war zum Höhepunkt seiner Laufbahn gern ein wenig arrogant aufgetreten, was Leute, die gern ein wenig arrogant auftreten, um keinen Preis verzeihen. So mußte Piëch sein Feind werden.

Nun bestaunen wir den Familienkrieg der deutschen Kfz-Titanen. Der Rest der autofahrenden Welt hat indes eigene Sorgen. In Großbritannien ist gerade aufgeflogen, daß eine Unzahl von Parlamentsabgeordneten jahrelang ihr Privatleben sittenwidrig auf Steuerzahlerkosten gelebt hat, und vom Hundefutter über die Wohnungsrenovierung bis zum Gärtner alles als „Spesen“ abrechnete. Der Parlamentspräsident mußte schon zurücktreten.

Hier muß ein abgrundtief böser Geist mit einem rabenschwarzen Humor Regie geführt haben: Die Briten sind sowieso gerade reif für eine Therapie. Keine andere große Volkswirtschaft wird so rabiat durch den Krisenwolf gedreht wie die ihre.

Dann kommt es gerade recht zu erfahren, daß man von kleinen Ganoven regiert wird, die sich wie die Kleptomanen in kleinen Häppchen erkleckliche Summen zusammengeklaut haben. Und das unmittelbar vor den EU-Wahlen, die bei den Briten ohnehin besonders unpopulär sind.

Dabei könnten die Insulaner von der EU eine Menge lernen. Dort haben die Parlamentarier nämlich nicht einfach verstohlen in die Taschen der Steuerzahler gegriffen. Sie machten das ganz offen und getreu den Regeln (welche die EU selber aufgestellt hat). Auf diese Weise gönnten sie sich eine Sonderpension, die bis zu 5500 Euro betragen kann. Hübsches Sümmchen, was? Zwei Drittel davon tragen die Steuerzahler. Und es kommt noch besser: Weil die Fonds, in welche die Pensionen angelegt waren, in der Krise an Wert verloren haben, werden die Verluste mit Steuermitteln ausgeglichen. Hundefutterrechnungen. Schaut nach Brüssel! So sahnt man ab, Ihr britischen Amateure!


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