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13.06.09 / Zwischen Not und Profitstreben / Deutschland ist für Roma vom Balkan wieder attraktiver geworden – Freier Zuzug ab 2011

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-09 vom 13. Juni 2009

Zwischen Not und Profitstreben
Deutschland ist für Roma vom Balkan wieder attraktiver geworden – Freier Zuzug ab 2011

Spanien bietet infolge der Krise kaum noch Chancen, Italien geht härter gegen illegale Einwanderer vor. Nun entdecken viele Roma Deutschland als Land ihrer Träume – manche aus echter Not, andere aus Profitgier.

Die Zigeunerin mit dem langen Rock bettelt oder tanzt vor den Augen ihrer potentiellen Kunden. Hauptsache, sie signalisieren ihr: Ja, bitte putze meine Windschutzsscheibe. So geht es den ganzen Tag. Die Romni – so die sprachlich und politisch korrekte Bezeichnung für eine Zigeunerin vom Volk der Roma – gehört zu einer Gruppe, die seit Wochen am Kottbusser Tor steht. An diesem Vormittag sind es zwei Frauen und drei Männer, die mit Wischer und Seifenwasser „bewaffnet“ auf Kundschaft warten.

Meistens bleiben sie freundlich, manchmal mag ihr Angebot auch hilfreich sein – aber fast immer sind sie aufdringlich. Nachdem es einige Zeit ruhig war, stehen jetzt wieder vermehrt jene lästigen Scheibenputzer an mehreren Stellen in der Stadt, in Kreuzberg genau so wie in Tiergarten. Zeitweise wurde diese Branche von Punkern beherrscht, aber jetzt haben die Zigeuner die Oberhand zurückerobert.

Jahrelang zog es rumänische Roma bevorzugt nach Spanien und Italien: Die Ähnlichkeit der Sprache und das vertraute warme Klima machten die Länder für sie attraktiv.

Doch nun wird Spanien stark von der Wirtschafts- und Immobilienkrise gebeutelt und hat damit an Attraktivität verloren. Noch schwieriger ist die Situation in Italien, wo die neue Mitte-Rechts-Regierung unter Silvio Berlusconi seit einem Jahr härter gegen illegale Einwanderer durchgreift. Aus diesen Gründen zieht es viele Roma von dort jetzt in nördlichere Gefilde.

20000 Sinti und Roma leben Schätzungen zufolge derzeit in Berlin. Die meisten von ihnen sind längst seßhaft, viele sind deutsche Staatbürger und fallen kaum auf. Anders indes verhält es sich bei zahlreichen Roma vom Balkan. Jeder, der einmal in Rumänien war, weiß, daß die meisten Roma dort anders leben als die, die derzeit das Bild ihres Volkes auf Berlins Straßen prägen. Weniger heruntergekommen, eben wie gewöhnliche Rumänen, wenngleich das Verhältnis zwischen Roma und Rumänen dennoch nicht ganz spannungsfrei ist.

Bei uns – so wie in ganz Westeuropa – sind hingegen oft gut organisierte Banden unterwegs, zunächst einmal um die nach wie vor meist illegale Zuwanderung überhauot zu organisieren. Die meisten sind allem Anschein nach aus schlimmen Verhältnissen geflohen  oder sie treten bewußt armselig auf, weil sie dann mehr erbetteln können. Die Grenzen zwischen echter Not und knallhartem Geschäft sind nach Beobachtungen der Polizei fließend. Oft wird die Not der einen von Bandenchefs skrupellos ausgenutzt.

Jedenfalls die Bettler in den Fußgängerzonen wie der Wilmersdorfer Straße geben stets ein Bild des Jammers ab. Oft sind Verkrüppelte dabei und junge Mädchen, die ein Kind auf den Armen tragen. Ist es ihres? Wer weiß.

Die Bande, die derzeit in Berlin Schlagzeilen macht, zählt bisher schätzungsweise nur 80 Personen. Zuerst übernachteten sie unter freiem Himmel im Görlitzer Park. Doch dann vertrieb sie die Polizei. Linksradikale Hausbesetzer nahmen sich ihrer an und boten ihnen einen Teil eines von ihnen besetzten Hauses an. Doch die deutschen und rumänischen Hausbesetzer bekamen sich schnell in die Haare, und so suchten die Rumänen mit ihren deutschen Freunden sehr bald nach einer neuen Unterkunft, die sie in einer katholischen Kirche fanden, die vorübergehend besetzt wurde.

Der Berliner Senat reagierte schließlich auf seine Weise: Er bot den Rumänen, die offiziell als Touristen eingereist sind, eine Unterkunft in Spandau an, wohin die meisten auch umgezogen sind. Von dort begeben sie sich jeden Morgen zum Kottbusser Tor oder zu anderen Stellen, wo sie auf Kundschaft warten.

Eigentlich hätte der Senat die Roma nach drei Monaten ausweisen können. Noch gilt die EU-Freizügigkeit nicht für  rumänische Staatsbürger. Stattdessen gab er ihnen ein komplett eingerichtetes Asylbewerberheim. Drei Mahlzeiten am Tag inklusive. Die rumänische Botschaft beteiligt sich nicht an den Kosten, hat lediglich vorgeschlagen, die Zigeuner als Erntehelfer einzusetzen.

Nach der Aufnahme in dem Heim räumte Anja Wollny, die Senatssprecherin für Integration ein, daß es den Roma um ein Bündel von Sozialleistungen geht: „Sie würden sich gerne hier niederlassen und Leistungen vom Staat erhalten, eine Wohnung etwa.“ Kritiker fürchten, daß diese Neu-Berliner nur die Vorhut einer neuen Einwanderungswelle bilden könnten, die ab 2011 nach Deutschland schwappt. Dann gilt das Niederlassungsrecht auch für Rumänen. Tilman Zülch, der Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker, prognostiziert, daß es nach 2011 „eine Masseneinwanderung nach Deutschland“ geben werde. Markus Schleusener

Foto: Eher harmlos erscheinen diese Fensterputzer am Kottbusser Tor. Allerdings stehen selbst hinter armseligen Bettlern oft gut organisierte Clanstrukturen und auch Banden, die das Bild der Roma in Berlin trüben.


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