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13.06.09 / Im Visier der Studentenrevolte / Der Soziologe Erwin K. Scheuch als Kritiker der »Frankfurter Schule«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-09 vom 13. Juni 2009

Im Visier der Studentenrevolte
Der Soziologe Erwin K. Scheuch als Kritiker der »Frankfurter Schule«

In den 1960er und 1970er Jahren gehörte Erwin K. Scheuch mit Helmut Schelsky, Ralf Dahrendorf, René König und anderen zu den bekanntesten deutschen Soziologen. Das Leben und wissenschaftliche Wirken des 2003 Verstorbenen hat nun seine Ehefrau, die Soziologin Ute Scheuch, in zwei gründlich recherchierten Bänden nachgezeichnet.

Scheuch, geboren 1928 in Köln, studierte dort Soziologie bei René König, bei dem er auch promovierte. Er wurde zu einem bekannten Vertreter der empirischen Soziologie und stieg rasch in die Weltklasse seiner Disziplin auf. Die sogenannte „Kritische Theorie“ der Frankfurter Schule von Adorno, Horkheimer und Habermas lehnte  Scheuch als „neue Säkularreligion“ einer „heilsgewissen Wissenschaft“ ab. Das brachte ihn ab 1968 auch in den Konflikt mit der Studentenbewegung, in deren „teach-ins“ und „sit-ins“ mit ihrer „Sportpalast-atmosphäre“ er totalitäre Züge erkannte. 1970 wurde er Mitbegründer und Sprecher des Bundes Freiheit der Wissenschaft, der sich als Koalition liberal-konservativer und sozialdemokratischer Professoren dem studentischen Angriff auf die freiheitliche Demokratie des Grundgesetzes entgegenstellte. Dadurch und durch den 1968 herausgegebenen Sammelband „Die Wiedertäufer der Wohlstandsgesellschaft – eine kritische Untersuchung der Neuen Linken und ihrer Dogmen“ wurde er zur Zielscheibe jahrelanger studentischer Angriffe.

Ute Scheuchs Biographie ist so eine Dokumentation der „Kulturrevolution“ der 60er und 70er Jahre und ihrer Auswirkungen an den Universitäten geworden. Sie gehört daher zu unserer zeitgeschichtlichen Erinnerung, die um so wichtiger ist, wenn man gewisse Fehlentwicklungen unserer Tage erkennen will. Klaus Hornung

Ute Scheuch: „Es mußte nicht Soziologie sein, aber es war besser so. Erwin K. Scheuch“, Gerhard Hess Verlag, Bad Schussenried 2008, 36 Euro; Ute Scheuch: „Erwin K. Scheuch im roten Jahrzehnt“, Edwin Ferger Verlag, Bergisch Gladbach 2008, 212 Seiten, 28 Euro


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