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13.06.09 / Präsidentensitz seit 50 Jahren / Prinz Ferdinand ließ 1785/86 Schloß Bellevue erbauen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-09 vom 13. Juni 2009

Präsidentensitz seit 50 Jahren
Prinz Ferdinand ließ 1785/86 Schloß Bellevue erbauen

Die Entstehungsgeschichte des heutigen Sitzes des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland reicht bis in das friderizianische Zeitalter zurück. Am 14. Oktober 1784 erwarb Prinz Ferdinand, ein jüngerer Bruder Friedrich des Großen, das heutige Grundstück des Schlosses Bellevue einschließlich eines an der Spree gelegenen Fabrikgebäudes. Hier baute sich der Sproß Friedrich Wilhelms I. ein Lustschloß. Um Geld zu sparen, riß er das Fabrikgebäude nicht ab, sondern integrierte es als Flügelbau in den Gesamtkomplex. Um die Symmetrie zu wahren, ließ er auf die andere Seite des im rechten Winkel angebauten Schloßhauptgebäudes einen im selben Stil wie den Spreeflügel gebauten zweiten Flügelbau errichten, den sogenannten Damenflügel. Daß der Schloßkomplex also nicht aus einem Guß ist, sondern historisch gewachsen, läßt manche Kritiker fehlende Harmonie an dem Schloß vermissen.

Mit dem Bau des Schlosses beauftragte der Preußenprinz den späteren Erbauer des Palais Lichtenau in Potsdam, Michael Philipp Daniel Boumann, ein Sohn des Baumeisters und Oberbaudirektors Friedrichs des Großen Johann Boumanns. Am 30. April 1785 legten die drei Söhne des Bauherren Heinrich, Louis Ferdinand und August den Grundstein. Noch im selben Jahr konnte Richtfest gefeiert werden. 1786 wurde das Schloß fertiggestellt.

Damit man von den Mittelräumen unmittelbar in den Park gelangen konnte, wurden noch zu Lebzeiten Ferdinands im Mittelteil Fenster zu Türen umgebaut, durch die man über eine Terrasse mit anschließender Rampe in den Garten treten konnte. Ähnlich verfuhr man später auf der Vorderseite, der vielleicht wichtigste Umbau des Schlosses. Auch hier gab es ursprünglich keinen Zugang vom Mittelbau nach draußen. Mittlerweile ist das mittlere Erdgeschoßfenster einer Tür gewichen, welche mit einer davor liegenden Freitreppe heute den Haupteingang des Schlosses bildet.

Nach Ferdinands Tod 1813 nutzte sein Sohn August das Schloß noch drei Jahrzehnte, bis es 1843 König Friedrich Wilhelm III. erwarb. Seitdem dient es in unterschiedlichen Funktionen Hof und Staat. In den nachfolgenden Jahrzehnten beherbergte das Gebäude die „Vaterländische Galerie“ mit zeitgenössischer Kunst ebenso wie das „Staatliche Museum für Volkskunde“, aber auch eine Volksküche. 1938 wurde es schließlich zum Gästehaus der Reichsregierung umgebaut, eine der heutigen ähnliche, repräsentative Verwendung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem es von Brandbomben getroffen wurde und ausbrannte, wurde es ab 1954 wieder aufgebaut und 1958 als provisorischer Amtssitz des Bundespräsidenten hergerichtet. Vor 50 Jahren, am 18. Juni 1959, weihte Theodor Heuss das Schloß als Sitz des Präsidenten in Berlin ein, der es heute noch ist. Manuel Ruoff

Foto: Schloß Bellevue: Einst Lustschloß Prinz Ferdinands, nun Amtssitz Horst Köhlers


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