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04.07.09 / Mächtige »Krone« / Wien: Medienzar Dichand macht Politik

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-09 vom 04. Juli 2009

Mächtige »Krone«
Wien: Medienzar Dichand macht Politik

Die Europa-Wahlen zeigten wieder einmal, wie einflußreich der 88jährige Hans Dichand, Herausgeber und Hälfteeigentümer der „Kronen-Zeitung“, in Österreich ist: Gleich hinter ÖVP und SPÖ landete an dritter Stelle der EU-Parlamentarier Hans-Peter Martin, der als „Liste Hans-Peter Martin“ drei der 17 österreichischen Mandate bekam – ohne Parteiapparat, nur dank der „Krone“, die tagtäglich in Berichten, Kolumnen und Leserbriefen für ihn Stimmung machte und seitenweise seine Bücher abdruckte.

Die „Kronen-Zeitung“ wurde 1900 gegründet. Nach ihrer Einstellung im Jahre 1944 wurde sie 1959 von Dichand und einem Partner, dessen Hälfteanteil heute der WAZ-Gruppe gehört, neu belebt. Die Mischung aus Sensation und hochwertigen Kolumnen, Information und Polemik, Sex und Religion, Tierschutz und Sentimentalität machte das Kleinformat zur auflagenstärksten Tageszeitung des Landes. Die nationale Reichweite von über 40 Prozent ist weltweit einzigartig.

Die „Krone“ gab den Ausschlag bei der Volksstimmung 1978, die die Indienststellung eines betriebsfertigen AKW verhinderte. 1984 war sie an der Aktion „Rettet die Donau-Auen“ beteiligt, und das Kraftwerksprojekt östlich von Wien wurde aufgeben. Damit wurde Dichand auch zum Geburtshelfer der Grünen. Der rasante Aufstieg Jörg Haiders und der FPÖ ab 1986 hatte ebenfalls mit der „Krone“ zu tun. Doch als sich – entgegen Dichands Präferenz für Rot-Schwarz – Wolfgang Schüssel und Jörg Haider 2000 auf Schwarz-Blau einigten, fielen beide bei ihm in Ungnade.

Die „Krone“, die EU-Beitritt und Euro befürwortet hatte, ist neuerdings EU-kritisch. So kam es, daß vor den Wahlen 2008 SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer und sein designierter Nachfolger Werner Faymann in einem Leserbrief (!) an die „Krone“ ebenfalls EU-kritische Töne anschlugen – und Faymann wurde Bundeskanzler. Im Interview mit der eigenen Zeitung ließ Dichand nun aber verlauten, daß für die Bundespräsidentenwahl 2010 Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) ein guter Kandidat wäre. Und eine Pröll-Doppelspitze – mit dem Neffen und Vizekanzler Josef Pröll als neuem Bundeskanzler – wäre doch auch ganz nett.         RGK


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