Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-09 vom 22. August 2009
Die Kirche als Band der Freundschaft In ziegelrot leuchtete die renovierte Kirche Wannaggen und ließ die Herzen der Besucher höher schlagen. Die Gesamtkosten für die Renovierung der Kirche betrugen 119602 Euro. Bei strahlender Sonne versammelten sich die Besucher schon früh vor Beginn des Gottesdienstes auf dem Kirchplatz. Sie fanden Bekannte und tauschten Neuigkeiten aus wie in alten Zeiten. Die Kirchengemeinde hatte schon im September 2008 die Memelländer zur Feier am 28. Juni 2009 nach Wannaggen eingeladen. Zur großen Freude der Kirchengemeinde kamen mehr als 50 Gäste aus Deutschland. 490 Plätze hat die Kirche, die alle besetzt waren. Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen-Kirche von Litauen, Mindaugas Sabutis, eröffnete den Gottesdienst, begrüßte die Gemeinde und die Gäste. Er dankte allen, die zur Renovierung der Kirche beigetragen haben und sagte, dass es ohne die Hilfe aus Deutschland sehr schwer gewesen wäre, die Kirche zu renovieren. Das Kirchenfest verlängere das Band der Freundschaft, meinte der Bischof. Besonders freute sich der dieser über das Zeltlager der Jugend mit 500 Teilnehmern, das bereits seit zwölf Jahren stattfindet. Auch Waisenkinder und bedürftige Jugendliche werden eingeladen. In seiner Predigt hob er die gemeinsame geistliche Wurzel hervor, obwohl alle Gäste aus verschiedenen Ländern kommen. Er ist überzeugt, dass die Kirche Wannaggens eine besondere Rolle im geistlichen Leben der Evangelischen in Litauen übernehmen kann: Sie soll zum evangelischen Zentrum in Litauen werden. Pfarrer Reinholdas Moras lobte die kleine Gemeinde und ihre Helfer für ihren großen Einsatz zum Erhalt der Kirche. Die hervorragende Renovierung der Kirche, des Gemeindehauses und der Beginn der Arbeiten am Pfarrhaus werden in der Bevölkerung mit Erstaunen und Anerkennung wahrgenommen. Die Kirche strahlt weit in Litauen aus und macht die Erneuerung des geistigen Lebens in Litauen sichtbar. Immer mehr kirchliche Aktivitäten mit ökumenischer Ausgestaltung finden in Wannaggen statt. Als Hochzeitskirche diente sie in diesem Jahr bereits achtmal, auch Taufen fanden statt. Pfarrer Liudas Milauskas brachte in seiner Predigt die Geschichte von der Beerdigung der Gemeinde durch den Pfarrer. Eine Gemeinde, die mehr tot als lebendig war und der Pfarrer am Verzweifeln. So verkündigte der Pfarrer, er werde am nächsten Sonntag in der Kirche die Gemeinde beerdigen. Alle wollten sehen, wie der Pfarrer es machen würde, und die Kirche war voll. Vor dem Altar war ein offener Sarg aufgestellt. Der Pfarrer hielt die Leichenpredigt; danach forderte er die Besucher auf, am Sarg Abschied von der Gemeinde zu nehmen. Natürlich trieb die Neugier die Leute zum Sarg, sie wollten doch sehen, was darin war. Sie schauten in den Sarg, da lag auf dem Boden ein Spiegel, und sie sahen ihr eigenes Gesicht. Der Kirchenbesuch soll danach reger gewesen sein. Pfarrer Remigijus Semeklis las den Psalm 100, 1-5. Seine Predigt war eine Offenbarung an die Liebe Gottes und Dank für all das Gute, was der Herr dieser Gemeinde getan hat. Oberkirchenrat Thiedemann von der Nordelbischen Kirche Hamburg würdigte die Aufbauleistungen dieser Gemeinde und versicherte, die Nordelbische Kirche werde weiterhin die Gotteshäuser im Baltikum unterstützen, soweit es ihre Mittel erlauben. Als Übersetzer war Arnold Piklaps, Direktor des Vereins der Deutschen in Klaipeda, tätig. Nach dem Gottesdienst wurde allen Besuchern Getränke und Speisen gereicht. In einem Zelt war die Tafel mit verschiedenen Leckerein bestückt, welche die Gemeinde bereit gestellt hatte. Es folgte eine Bilderschau zur Geschichte der Kirche. Bilder von der Bauzeit bis 1945 waren bereitgestellt, die durch die Gemeinde für die Zeit danach ergänzt wurden. Danach wurden Dankes-Urkunden an Personen verliehen, die sich um die Restaurierung der Kirche verdient gemacht haben. Dazu gehörten der Kirchenvorstand und aus Deutschland Oberkirchenrat Thiedemann, Johann und Martha Sköries und Hans Paul Karallus. Als Gastgeschenk überreichte H. P. Karallus einen Geldbetrag und ein Gedenkbuch mit den Namen der Opfer des Kirchspiels Wannaggen, die durch Krieg, Flucht oder Deportation den Tod fanden. Zum Abschluss wurden die Besucher aus Deutschland von der Gemeinde zum Abendessen ins Gemeindehaus eingeladen. Der Tisch war reichlich gedeckt. Um sich kennen zu lernen, stellten sich die Besucher vor. So erfuhr man, aus welchem Dorf sie kamen und wo sie jetzt wohnen. Es wurden neue Bekanntschaften geknüpft. In der litauischen Presse erschienen positive Berichte mit vielen Bildern vom Kirchenfest in Wannaggen. Hans Paul Karallus |
| Artikel ausdrucken | Probeabo bestellen | Registrieren |