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05.09.09 / Kuhhandel möglich / Afghanistan: Noch streitet Abdullah ab

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-09 vom 05. September 2009

Kuhhandel möglich
Afghanistan: Noch streitet Abdullah ab

Noch immer wartet die Welt gespannt auf die Ergebnisse der Wahl vom 20. August in Afghanistan. Nach ersten Teilergebnissen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden prominentesten Kandidaten, dem ehemaligen Außenminister Abdullah Abdullah und Präsident Hamid Karsai, ab. Beide reklamierten kurz nach der Wahl den Sieg für sich. Offenbar haben aber beide nach ersten Auszählungen jeweils nur rund 40 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Das amtliche Endergebnis soll erst zwischen dem 17. und 21. September bekannt gegeben werden. Da vermutlich keiner der beiden Bewerber die absolute Mehrheit der Stimmen erreicht hat, ist eine Stichwahl Anfang Oktober wahrscheinlich.

Trotz Terror-Drohungen der Taliban hatten über 90 Prozent der Wahllokale öffnen und über 40 Prozent der Bevölkerung an der Wahl teilnehmen können. Dies wurde von westlichen Beobachtern, deren Länder die Wahl mit zehntausenden Soldaten gesichert hatten, als Erfolg gewertet. Da Afghanistan keine demokratische Tradition im westlichen Sinne kennt, lobten Politiker aus aller Welt den Wahlgang als mutigen Schritt der Bevölkerung. Auch die Wahlbeobachterkommission der EU wertete die Abstimmung als Sieg für Afghanistan und pries den Mut der Menschen trotz aller Drohungen.

Anders als im benachbarten Iran blieben Massenproteste und Terror nach dem Wahlausgang wegen etwaiger Stimmenfälschungen oder anderer Unregelmäßigkeiten aus. Der Beschwerdekommission ECC lagen in der letzten Woche 790 Einwände, davon 54 gravierende vor. Die Traditionen einer Stammesgesellschaft verbunden mit kriegerischen Auseinandersetzungen hätten erwartungsgemäß einen Wahlgang nach westlichem Muster verhindert, wo sich der Wählerwille tatsächlich freier entfalten könne, bemerkten politische Beobachter. Hinzu kamen Berichte, in denen es hieß, das Lager des Paschtunen Karsai und das des von Tadschiken unterstützten Abdullah würden bereits an einer Machtaufteilung arbeiten. Ein möglicher Kompromiss könnte darin bestehen, dass Präsident Karsai durch einen Premierminister Abdullah ergänzt würde. Dieser bestreitet allerdings die Bereitschaft zu solch einem Kuhhandel.   H.E. Bues


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