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05.09.09 / Ruf nach polnischem Bundesstaat / Polens Autonomisten sind auf dem Vormarsch – Ausgesprochen deutschfreundlich

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-09 vom 05. September 2009

Ruf nach polnischem Bundesstaat
Polens Autonomisten sind auf dem Vormarsch – Ausgesprochen deutschfreundlich

Die „Bewegung Automie Schlesiens“ (RAS) hat in letzter Zeit enormen Zustrom erhalten. Darauf weist ihre letzte größere Demonstration am 23. Juli in Kattowitz hin. Ihre Wurzeln gehen zurück auf die „Korfantisten“, also die Anhänger des einstigen langjährigen preußischen Reichstagsabgeordneten des „Zentrums“, Albert Korfanty, der die Teilung Oberschlesiens 1921 vorantrieb, danach von den eigenen Polen in den Politknast und dann ins tschechische Exil geschickt wurde. Kurz vor Hitlers Machtübernahme war er Redner auf dem letzten Parteitag des Zentrums in Köln, wo er für ein vereinigtes Europa mit guten Beziehungen zu Deutschland plädierte.

Kernland der RAS war zuerst das 1921 polnisch gewordene Ost-Oberschlesien, jetzt ganz Oberschlesien. Hauptsitz mit dem Organ „Jaskolke“ (Die Schwalbe) ist Kattowitz. Gepflegt wird das „Wasserpolnisch“, der deutschpolnische Dialekt der Region. Vom polnischen Staat war schon Korfanty enttäuscht; nun sind es auch die Mitglieder von RAS. Sie fühlen sich stiefmütterlich behandelt und wirtschaftlich ausgebeutet.

Der Oberschlesier – egal ob deutsch, polnisch oder oberschlesisch – hat heute in seiner eigenen Heimat kaum etwas zu sagen. Mit den Deutschen hatten die „Autonomisten“ nie Berührungsängste. Sie pflegen preußische Tugenden wie Fleiß, Disziplin und Ordnung. Schon die eifrigsten „Korfantisten“ nahmen deutsche Mädchen gern zur Frau. Und als man ab 1956 im Rahmen der „Familienzusammenführung“ aus Polen nach Deutschland ausreisen durfte, waren nicht selten Sprösslinge der „Korfantisten“ unter den Aussiedlern.

Die Autonomisten setzten sich vehement gegen das Verschweigen der preußischen Vergangenheit in Oberschlesien ein. Gegen das Totschweigen der deutschen Kultur in dieser Region und überhaupt in den alten deutschen Ostprovinzen wie auch Ostpreußen und Pommern.

Gelegentlich stellen sie an die polnischen Behörden die Forderungen, die eigentlich mit Vehemenz die organisierte deutsche Minderheit in Polen stellen sollte. Man trifft ihre Vertreter sogar auf deutschen Vertriebenentreffen. Und während der chauvinistischen Kampagne gegen die Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach (CDU) stellte sich die RAS klar vor die Diffamierte. Unlängst waren ihre Vertreter bei einem Treffen von Überlebenden des polnischen KZ für deutsche Jugendliche in Schwientochlowitz (Oberschlesien) dabei. Jetzt macht sich die RAS für die Restaurierung deutscher Soldatenfriedhöfe des Ersten Weltkrieges in ganz Polen stark.

Gegenwärtig greift der Autonomie-Gedanke immer mehr auf die in Westpreußen lebenden Kaschuben über, die bereits einen eigenen Radiosender haben und bei denen Kaschubisch in den Schulen unterrichtet wird. Sie wollen bei Polen bleiben, denken aber auch positiv an die preußische Zeit zurück. Insofern ist die Forderung der „Autonomisten“ in Oberschlesien nach einem polnischen Bundesstaat nicht ganz illusorisch.  Joachim G. Görlich


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