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05.09.09 / Ein Zeichen der Hoffnung / Waffenruhe vor dem Angesicht der Madonna – Eine Kriegserinnerung

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-09 vom 05. September 2009

Ein Zeichen der Hoffnung
Waffenruhe vor dem Angesicht der Madonna – Eine Kriegserinnerung

Aus Anlass des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren wird allerorten an die Grausamkeiten erinnert, die zwischen den verfeindeten Parteien verübt wurden. Eine Begebenheit jedoch zeigt, dass es nicht nur Mord und Totschlag zwischen Deutschen und Polen gab. Friedrich Frank, der als junger Kavallerieoffizier 1939 die ersten Kriegstage erlebte, erinnert sich:

„Es war in den ersten Septembertagen 1939 in der Umgebung von Tschenstochau, wo eine der blutigsten Schlachten des ganzen Krieges geschlagen wurde. Während an der Front der Kampf tobte, sah man in unzähligen, in Bauernhäusern und Feldscheunen improvisierten Lazaretten, wie sich polnische Patres und deutsche Ärzte um geistliche und körperliche Linderung der Verwundeten bemühten – ohne Unterschied von Freund und Feind. Bei Kerzenschein und im Angesicht der Schwarzen Madonna, deren Bild in keiner Feldscheune fehlte, fanden die Sterbenden einen würdigen Tod. In jener mystischen Atmosphäre sah man Soldaten beider Fronten sich versöhnen.

Ich erinnere mich, dass ich in der Nacht vom 2. zum 3. September keinen Schlaf finden konnte; das Stöhnen der Verwundeten erfüllte die Luft. Um 5 Uhr morgens begann ich langsam mit 15 Mann die Besteigung des Hellen Berges (Jasna Góra). Um 11 Uhr standen wir schweigend vor der Kirche. Man hörte Kirchenmusik und Gesang, die Polen beteten. Es waren Frauen, Kinder und Alte, die sich in die Kirche geflüchtet hatten. Kurz darauf öffnete sich die Kirchenpforte, der Prior trat heraus, kam auf mich zu und reichte mir die Hand. Ich versicherte ihm, dass kein Kanonenschuss das Heiligtum beschädigen würde. Darauf lud er uns ein, in die Kirche zu treten. Er führte uns unter den unfassbaren Blicken der Gläubigen vor die Madonna. Zum ersten Male in der polnischen Geschichte ist dem ’Feind‘ diese Ehre erwiesen worden. Aufs Tiefste ergriffen, sanken wir in die Knie und beteten gemeinsam mit den Gläubigen. Ich erinnere mich, nie mehr mit solcher Inbrunst gebetet zu haben wie in jenem Augenblick. Um drei Uhr nachmittags wurde das Heiligtum unter deutschen Schutz gestellt.

Derselbe Prior, Herbert Motylewski, der vor einigen Jahren gestorben ist, stellte der deutschen Militärbehörde ein Dokument aus, das die vollkommene Unversehrtheit des Nationalheiligtums bekundet.“

In dem Dokument, das sich im Deutschen Militärarchiv befindet, liest man: „Jasna Góra, 4. September 1939. Hiermit erkläre ich auf Anfrage der deutschen militärischen Behörde, dass das wundertätige Bild von Tschenstochau der Schwarzen Mutter Gottes auf dem Hellen Berg (Jasna Góra) weder gestern beim Einzug der deutschen Truppen noch bis zur Stunde beschädigt wurde. Der Helle Berg hat auch keine Verluste erlitten. Herbert Motylewski, Prior“

Eine Kopie der Schwarzen Mutter Gottes fertigte die in Ortelsburg aufgewachsene Malerin Vera Macht an, übrigens eine Kusine von Friedrich Frank, die ihre Arbeit dem damaligen Papst Johannes Paul II. 1979 überreichte. In der Rückseite der wertvollen Kopie sind die Dokumente eingeschlossen. os

Foto: Glaube verbindet über Grenzen hinweg: die „Schwarze Madonna“           Bild: Archiv


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