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10.10.09 / Von kalten Füßen und heißen Sohlen / Eine Ausstellung im Bremer Übersee-Museum präsentiert Schuhe unter verschiedenen Blickwinkeln

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 41-09 vom 10. Oktober 2009

Von kalten Füßen und heißen Sohlen
Eine Ausstellung im Bremer Übersee-Museum präsentiert Schuhe unter verschiedenen Blickwinkeln

Die älteste Sandale Europas, Biedermeierstiefel, Schuhe von Marlene Dietrich, Marilyn Monroe oder Jürgen Klinsmann – 400 Exponate erzählen im Bremer Übersee-Museum auf 800 Quadratmetern die Geschichte und Geschichten von Schuhen. Von der Fußbekleidung der Neandertaler über römische Sandalen bis hin zu aktuellen Designerschuhen spannt die Ausstellung einen Bogen über Epochen und Kontinente.

Kaum ein anderes Kleidungsstück hat so zahlreiche Spuren hinterlassen wie der Schuh. Die Ausstellung „Schuhtick − Von kalten Füßen und heißen Sohlen“, die vom Landesverband Westfalen-Lippe, dem Übersee-Museum Bremen und den Reiss-Engelhorn Museen Mannheim konzipiert wurde, beleuchtet aus unterschiedlichen Perspektiven das Thema. „Unter thematischem, chronologischem, regionalem und funktionalem Blickwinkel präsentiert sich ein alltägliches Objekt auf immer neue und andere Art und Weise dem Besucher“, hebt Andrea Müller im Begleitbuch zur Ausstellung hervor. „Als zentrales Element gestalten vier überdimensionale Schuhkartons die Ausstellung. Sie sind begehbare Ausstellungsräume, in denen der Besucher erfährt, dass Schuhe nicht nur funktionales und schmückendes Kleidungsstück sind, sondern darüber hinaus Statussymbol, Kultobjekt, Glücksbringer, Fetisch, Designprodukt oder Kunstwerk.

Selbst im modernen Schlager haben Schuhe Einzug gefunden, ganz zu schweigen von der Literatur und Märchenwelt. Elvis Presley sang von blauen Wildlederschuhen („Blue suede shoes“), Nancy Sinatra ließ ihre Stiefel losmarschieren („These boots are made for walking“), Hans Christian Andersen schrieb ein Märchen über „Die roten Schuhe“, während Joachim Ringelnatz ein Loblied auf seinen Schuhputzer verfasste. Von Albrecht Dürer sind Entwürfe für Schuhe überliefert. Aus den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts stammt eine genaue Schuh-Konstruktionszeichnung mit detaillierten Anweisungen für den Schuhmacher. Nach diesem Entwurf ließ Dürer sich damals sehr modische Kuhmaulschuhe anfertigen. „Zeige mir deine Schuhe, und ich sage dir, wer du bist“, besagt ein Sprichwort. In der Tat: Es gab Zeiten, da galten Schuhe als Zeichen der Herkunft. Sklaven durften im alten Rom keine Schuhe tragen, um sie von freien Bürgern zu unterscheiden. Kostbare Verzierungen wie Schnallen oder Edelsteine zeigten eine privilegierte Herkunft an, andere konnten sich diesen Schmuck ohnehin nicht leisten. „Das Tragen von roten Schuhen war im antiken Rom den Patriziern vorbehalten“, erläutert Andrea Müller, „und im Mittelalter übernahm der Papst dieses Privileg. Im 17. / 18. Jahrhundert war es in Frankreich nur den Angehörigen des Hofes erlaubt, rote Absätze an ihren Schuhen zu tragen, heute hat sich der französische Designer Christian Louboutin dieses exklusive Merkmal als Markenzeichen auserkoren und seine Kollektionen mit roten Schuhsohlen verziert.“

Schuhe beherrschen unser Leben, zumindest das der Frauen, will man einem Vorurteil aus der Männerwelt Glauben schenken. Pumps, Peeptoes, Ballerinas,

Sneakers oder Boots – man muss sich schon auskennen mit diesen Fachbegriffen. Doch nicht immer passt jede Modeerscheinung für jeden Fuß. Manche Exemplare sehen zwar bezaubernd aus, doch verheißen sie bereits beim Anblick schmerzende Zehen.

Natürlich sind sie nicht mit den Schuhen für den Lotos-Fuß zu vergleichen. Entstanden durch eine (Un)sitte im alten China, als man adeligen Mädchen zwischen vier und acht Jahren die Füße einband und so verformte, dass sie in diese ausgesprochen zierlichen Schühchen passten. Erst seit der Gründung der chinesischen Republik stand diese Quälerei unter Strafe. „Wer schön sein will, muss leiden“, sagt ein anderes Sprichwort. Doch allzu viel Schönheit geht auf Kosten der Gesundheit. Zu einer Volkskrankheit hat sich der Hallux valgus (Schiefzehe) entwickelt, unter dem vor allem Frauen leiden. Ursache: jahreslanges Tragen von falschem, zu engem Schuhwerk. Silke Osman

Die Ausstellung „Schuhtick“ ist im Übersee-Museum Bremen, Bahnhofsplatz 13, bis zum 28. März 2010 dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Vom 16. Mai bis 12. September 2010 wird sie in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim gezeigt.

Foto: Die Leidenschaft (fast) jeder Frau: Elegante Schuhe


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