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17.10.09 / Altersvorsorge in der Krise / Der gesetzliche Rentenanspruch sinkt weiter − Fast jeder Fünfte reduziert oder kündigt Riesterzahlungen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-09 vom 17. Oktober 2009

Altersvorsorge in der Krise
Der gesetzliche Rentenanspruch sinkt weiter − Fast jeder Fünfte reduziert oder kündigt Riesterzahlungen

Bank, Versicherung, Bausparkasse, Fonds − alle bieten verschiedene Produkte für die Altersvorsorge an, doch wo ist das Geld sicher?

„Rentenschock − So viel Geld kann die Krise kosten“ titelte die „Bild“-Zeitung und verwies auf eine Studie, nach der aufgrund der geringen Lohnsteigerungen der nächsten Jahre auch die Rente sinkt. Die durch die Wirtschaftskrise bedingten Einbußen der Arbeitnehmer drücken die auch an die Lohnentwicklung gekoppelte Rente. So muss ein Arbeitnehmer mit einem Durchschnittseinkommen, der nach 45 Berufsjahren 2015 in Rente geht, damit rechnen, statt 1355 Euro nur 1263 Euro monatlich vom Staat zu erhalten. Während es für die nahende Rentengeneration nur 92 Euro weniger sind, schlagen die jetzigen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt für den im Jahr 2040 in Rente gehenden Durchschnittsverdiener mit 194 Euro zu Buche. Und auch das dürfte noch optimistisch gerechnet sein, da bei der demographischen Entwicklung immer noch von mehr Geburten ausgegangen wird, als es in den letzten Jahren der Fall war.

Laut einer Untersuchung der Deutschen Bank rechnen die meisten Bundesbürger mit einem gesetzlichen Rentenanspruch von 55 Prozent ihres letzten Bruttogehalts, doch das sei eine gefährliche Fehleinschätzung. Jene, die 2040 in Rente gehen, können „nur noch maximal 40 Prozent ihres letzten Bruttogehaltes als Grundversorgung erwarten“, so Hans Kraus von der Deutschen Bank. Und auch die Deutsche Rentenversicherung hält düstere Zahlen parat: So muss ein Durchschnittsverdiener mit rund 30000 Jahresbrutto 27 Jahre lang Beiträge in die Rentenkasse gezahlt haben, um im Alter auch nur Sozialhilfe-Niveau zu erreichen. Da die betriebliche Altersvorsorge, die über Jahrzehnte in Deutschland eine feste Säule der Alterseinkünfte war, von immer mehr Betrieben eingespart wird, bleibt also nur die private Vorsorge. Doch statt diese auszubauen, verweist die Postbank darauf, dass laut einer aktuellen Allensbach-Studie 17 Prozent der befragten Berufstätigen in den letzten Monaten die Zahlungen für Anlageformen wie die Riester-Rente gekürzt oder Verträge sogar gekündigt hätten. Jeder dritte Befragte gab sogar an, überhaupt nicht privat vorzusorgen.

Ein Grund für die geringe Vorsorge sind wirtschaftliche Engpässe. Wer schon im Hier und Jetzt finanziell nicht klarkommt, denkt nicht ans Alter. „Es ergibt keinen Sinn, aus Schulden heraus eine Altersvorsorge zu betreiben“, betont die Verbraucherzentrale Hessen gegenüber der PAZ. Zudem sollte man, bevor man über Altersvorsorge nachdenkt, zumindest drei bis vier Nettoeinkommen als Notgroschen gespart haben.

Auch die Verbraucherzentrale Niedersachsen verweist darauf, dass Risikoschutz vor Alter geht. Auch wüssten junge Menschen nicht, was in fünf Jahren ist, daher sollten gerade sie genau überlegen, wie sie für das Alter vorsorgen, da die meisten Sparformen der privaten Altersvorsorge wenig flexibel seien.

Das sinkende Vertrauen in die private Altersvorsorge sei jedoch unbegründet. Man müsse sich nur zuvor über die persönliche Risiko-bereitschaft klar werden: Vom Aktienfonds bis zum Bankensparplan reicht die Angebotspalette.

Als sicherste Anlage wird aber gerade jetzt nach der Bankenkrise das Eigenheim eingeschätzt. Fast zwei Drittel der von Allensbach befragten Berufstätigen setzen darauf. Allerdings hat nur knapp die Hälfte von ihnen davon gehört, dass der Staat den Erwerb von Wohneigentum als Altersvorsorge durch Wohn-Riester fördert.

„Entscheidender Vorteil der Immobilie: Schon mit Einzug in die eigenen vier Wände profitieren Wohneigentümer von ihrer Altersvorsorge. Das ist Zukunftssicherung mit Sofortwirkung. Eine Geldrente gibt es dagegen grundsätzlich erst bei Eintritt in den Ruhestand − künftig mit 67 Jahren oder mit deutlichen Abschlägen“, wirbt Hartwig Hamm von der LBS für Wohneigentum. Allerdings ist Wohn-Riester, der nur für eigengenutzte Immobilien und auch nur für den Kauf beziehungsweise Bau und nicht für den Umbau verwendet werden darf, eher noch komplexer als ein normaler Riester-Vertrag bei einer Versicherung. Das führt dazu, dass 31 Prozent der von Allensbach Befragten „das Vertrauen in Informationen zur privaten Altersvorsorge“ verloren haben. Wer pro Jahr vier Prozent seines Bruttogehaltes, maximal 2100 Euro, in einen Riester-Vertrag spart, bekommt 154 Euro jährlich vom Staat dazu − jedenfalls wenn man den Vertrag bis zum Ende durchzieht. Pro Kind gibt es weitere 185 Euro, für jedes ab 2008 geborene Kind sogar 300 Euro. So gut, so schön, aber welches Unternehmen hat die beste Rendite bei angemessenem Risiko? Viele rechnen die zu erwartende Rente mit einer möglichst hohen Verzinsung schön, ohne dass diese Verzinsung auch wirklich eintrifft. Bei Lebensversicherungen ist die durchschnittliche Nettoverzinsung beispielsweise von 4,57 auf 3,51 Prozent von 2007 auf 2008 um über einen Prozentpunkt gesunken. Bei den Rentenverträgen dürfte das nicht viel besser aussehen. Und so rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen sogar dazu, einmal durchzurechnen, wie alt man eigentlich werden muss, um in den Genuss seines eingezahlten Kapitals zu kommen. Allerdings: Wer sein Geld derzeit kurzfristig bei der Bank anlegt, bekommt rund ein Prozent Zinsen für ein Jahr und wer sein Geld in Aktien, Fonds oder auch Zertifikaten angelegt hat, brauchte in den letzten Monaten starke Nerven und musste auch finanzielle Verluste verschmerzen können.

Die ideale Altersvorsorge gibt es also nicht. Sein Kapital breit auf verschiedene Anlagen zu streuen ist jedoch nur ein Rat für jene, die genug Geld zum Streuen haben. Daher gilt „Riester“ trotz bürokratischer Hürden grundsätzlich als erster Schritt. Dass dies trotz aller gesetzlichen Regelungen zur Sicherung der Ansprüche der Anleger auch für die Finanzbranche ein lohnendes Geschäft ist, zeigt die Forderung der Fondsbranche an die neue Regierung, auch ihre Altersvorsorgeprodukte staatlich besser zu fördern. Rebecca Bellano


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