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17.10.09 / Verzweifeltes Aufbegehren / Friede von Schönbrunn: 1809 griff der Habsburger Franz I. Napoleon an, doch der Franzose obsiegte

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-09 vom 17. Oktober 2009

Verzweifeltes Aufbegehren
Friede von Schönbrunn: 1809 griff der Habsburger Franz I. Napoleon an, doch der Franzose obsiegte

Als die Habsburger 1809 gegen Napoleons Übermacht in Europa aufbegehrten hatten sie zwar noch die Niederlage Preußens vor Augen, allerdings schätzen sie ihre Chancen auf einen Sieg besser ein. Doch am Ende wurden sie ähnlich erniedrigt wie Friedrich Wilhelm III. von Preußen 1807 in Tilsit.

Als sich das Kaiserhaus auf Betreiben des Außenministers Graf Stadion im Februar 1809 zum Krieg gegen Frankreich entschloss, konnte man sich zwar auf eine beträchtlich verstärkte Armee stützen, aber auf keinen Verbündeten. Sogar Zar Alexander I. trat aus sehr eigennützigen Gründen auf die Seite Napoleons. Österreich zog somit unter ähnlich ungünstigen Voraussetzungen in den Krieg wie Preußen 1806, das damals ebenfalls allein hatte kämpfen müssen. Jetzt zog es der vorsichtige Minister Hardenberg in Berlin vor, neutral zu bleiben und zunächst die innere Schwäche Preußens zu beheben.

Als die österreichische Armee unter dem Oberbefehl von Erzherzog Karl am 10. April die Grenze zu Bayern überschritt, herrschte gedämpfte Zuversicht. Doch Napoleon reagierte sehr rasch, und die Hauptmacht der Österreicher musste nach der Schlacht bei Regensburg auf das nördliche Donauufer ausweichen, wo sie sich nach Osten zurück-zog. Napoleon aber zielte südlich der Donau geradewegs auf Wien, dessen Besatzung den Kampf vermied und sich mit der Hauptmacht vereinigte, die im Marchfeld nordöstlich von Wien günstige Positionen bezog. Hier wollte Erzherzog Karl den Gegner erwarten. Napoleon besetzte am 13. Mai Wien und forcierte den Übergang über die Donau und ihre Nebenarme, ohne von den Österreichern daran gehindert zu werden. Am 21. und 22. Mai stießen die beiden Heere bei Aspern und Essling aufeinander, wobei Napoleon seine erste Niederlage erlitt. Zu den Verlusten in der Höhe von 20000 Mann zählte auch Marschall Jean Lannes.

Erzherzog Karl nützte diesen Sieg nicht aus, da ihm einerseits der Wagemut fehlte und andrerseits sein Bruder, Erzherzog Johann, viel zu langsam mit seinem Korps durch Westungarn heranmarschierte. Inzwischen hatte Napoleon Verstärkungen herangezogen und überschritt die Donau ein zweites Mal. Den rund 110000 Österreichern standen 160000 Franzosen gegenüber, in deren Reihen auch Sachsen und Bayern kämpften. Die Schlacht bei Deutsch-Wagram am 5. und 6. Juli sah zunächst die tapfer kämpfenden Österreicher im Vorteil, doch Erzherzog Karl führte nicht konsequent genug, so dass Napoleon durch einen Flankenstoß den Tag entscheiden konnte. Allerdings hatte er wesentlich höhere Verluste zu tragen, die auf das Konto seiner rücksichtslosen Angriffstaktik gingen.

Erzherzog Karl führte die Armee nach Norden, wo sie sich bei Znaim am 11. Juli nochmals zur Wehr setzte, um den Rückzug zu decken. Er hatte inzwischen mit Billigung von Kaiser Franz, der nach Ungarn ausgewichen war, Waffenstillstandsverhandlungen aufgenommen, und um 17 Uhr verkündeten Parlamentäre die Waffenruhe. Der Kaiser akzeptierte nur widerwillig den Vertrag. Erzherzog Karl, gegen den schon seit längerer Zeit Intrigen am Hof im Gange waren, wurde unter Anspielung auf Führungsfehler vom Oberbefehl entbunden. Damit endete seine militärische Karriere.

Noch trug man sich am Kaiserhof mit dem Gedanken, den Krieg, gestützt auf die intakte Armee, zu erneuern, doch Kaiser Franz beugte sich schließlich den widrigen Umständen, da keine Bundesgenossen in Aussicht standen. Die wenigen spontanen Erhebungen in Norddeutschland, etwa die von Major Ferdinand v. Schill, scheiterten rasch, und Preußen besaß angesichts der französischen Besatzung wenig Handlungsfreiheit.

Aus den Bestimmungen des Friedens, der am 14. Oktober in Schloss Schönbrunn unterzeichnet wurde, sprachen Härte und Unbarmherzigkeit. Das Kaisertum Österreich musste das erst kürzlich erworbene Salzburg und große Teile Oberösterreichs an Bayern abtreten. Ganz Osttirol, Teile Kärntens, das Herzogtum Krain – das heutige Slowenien – und die kroatischen Gebiete südlich der Save gingen verloren; sie bildeten gemeinsam mit den 1805 abgetretenen Gebieten die „Illyrischen Provinzen“ Frankreichs. Damit verlor das Habsburgerreich den Zugang zum Meer. Das Heer musste auf 150000 Mann reduziert werden, und die sehr hohe Kontribution trug viel zum Staatsbankrott von 1811 und zur Verarmung breiter Schichten bei.

Der Friedensvertrag hatte noch ein tragisches Nachspiel. Franz I., der ursprünglich gewillt war, Tirol auf keinen Fall von Österreich trennen zu lassen, hatte sich verpflichten müssen, die bisher siegreichen Tiroler unter Andreas Hofer fallen zu lassen. Er handelte jedoch ohne jeden Nachdruck, um Andreas Hofer, der bereits als Landeskommandant in Innsbruck residierte, zu bewegen, die äußerst unbeliebte bayrische Herrschaft hinzunehmen. Denn nach dem Friedensschluss hatten die Franzosen genügend Truppen zur Verfügung, um in Tirol reinen Tisch zu machen. So verlor das geschwächte Bauernaufgebot die letzte Schlacht auf dem Bergisel. Nach der Gefangennahme von Andreas Hofer bestand Napoleon ausdrücklich auf dessen Hinrichtung.

Österreich befand sich nun in einer ähnlich prekären Lage wie Preußen zwei Jahre zuvor, allerdings mit dem Unterschied, dass man in Österreich die Gebietsverluste leichter verschmerzen konnte als in Preußen und prozentuell eine geringere Verminderung des Heeres hinnehmen musste. Während in Preußen die inneren Reformen zielstrebig vorangetrieben wurden, hinkte Österreich hinterher, erhielt aber in der Person des Grafen Metternich einen überragenden Politiker, der schließlich erheblich zum Sturz Napoleons beitragen sollte. Heinz Magenheimer

Foto: Napoleon diktiert den Frieden: Österreich konnte dem Franzosen in Schönbrunn nicht viel entgegensetzen. Doch immerhin wurden die Gebietsverluste nicht ganz so schmerzhaft wie für die Preußen zuvor.


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