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17.10.09 / Fehlgeleiteter Idealismus / Am 22. Oktober 1959 wurde der Film »Die Brücke« uraufgeführt − Bis heute international gerühmt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-09 vom 17. Oktober 2009

Fehlgeleiteter Idealismus
Am 22. Oktober 1959 wurde der Film »Die Brücke« uraufgeführt − Bis heute international gerühmt

Dieser Film geht auch ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung jedem unter die Haut. April 1945: Deutschland in den letzten Kriegstagen. Eine Kleinstadt rüstet sich zum Endkampf. Sieben etwa 16 Jahre alte Schüler stehen kurz vor ihrer Einberufung zur Wehrmacht. Ganz im Geist der Zeit erzogen, können sie es kaum erwarten, ihren Beitrag zur Verteidigung des Vaterlandes zu leisten. Als die Einberufung schließlich kommt, sind die Jungen stolz, sich endlich wie ihre Väter, die an der Front oder bereits gefallen sind, „im Kampf bewähren“ zu können. Keiner der verzweifelten Erwachsenen traut sich, gegen den Einberufungsbefehl aufzubegehren. Nach einer nur eintägigen militärischen Ausbildung sollen die Freunde an die nahe Front geschickt werden.

Auf Bitten ihres Klassenlehrers kann der Kompaniechef den Bataillonskommandeur dazu bewegen, die Jungen aus dem Kampfgeschehen herauszuhalten. In der Annahme, dass es dort nie zu einem Gefecht kommen wird, gibt er ihnen den Befehl, unter der Führung eines väterlichen Unteroffiziers eine militärisch völlig unbedeutende und ohnehin zur Sprengung vorgesehene Brücke in ihrem Heimatort zur Verteidigung vorzubereiten.

Doch es kommt anders. Ihr Unteroffizier, der Verpflegung organisieren will, gerät mit der Feldgendarmerie aneinander und wird erschossen. Die Jungen sind auf sich allein gestellt. Vergeblich versuchen vorbeikommende Wehrmachtsoldaten, sie dazu zu bewegen, nach Hause zu gehen. Plötzlich tauchen feindliche Panzer an der Brücke auf. Obwohl sie keine Chance haben, nehmen die Jungen mit dem ihnen anerzogenen Fanatismus den Kampf gegen den in jeder Hinsicht überlegenen Gegner auf. Zunächst können sie sich behaupten, doch dann fällt einer nach dem anderen im feindlichen Feuer. Ein amerikanischer Soldat fordert sie auf, den Kampf einzustellen und „zurück in den Kindergarten“ zu gehen. Durch diese Formulierung provoziert, schießen sie ihn nieder, und er stirbt qualvoll vor ihren Augen. Schließlich ziehen sich die Amerikaner zurück, und die Brücke wird von einem deutschen Sprengkommando planmäßig zerstört. Nur einer der Jungen überlebt das sinnlose Gefecht, vom grauenvollen Erlebten schwer gezeichnet.

Der am 22. Oktober 1959 uraufgeführte Spielfilm „Die Brücke“ basiert auf dem im Vorjahr erschienen gleichnamigen Roman des 1929 geborenen Manfred Gregor, der darin seine eigenen Kriegserlebnisse verarbeitet hat. Dem Regisseur Bernhard Wicki ist es gelungen, das darin geschilderte Geschehen mit beklemmender Eindringlichkeit auf die Leinwand zu bringen. Die Filmkritik ist sich bis heute einig, dass er einen der kompromisslosesten, härtesten und bittersten Antikriegsfilme geschaffen hat. In 105 Minuten zeigt er mit einer beeindruckenden Dramaturgie sowie stark affektiven Bildern den Wahnsinn und die Realität des Krieges und die Folgen eines durch die nationalsozialistische Erziehung fehlgeleiteten jugendlichen Idealismus. Dabei verzichtet er auf jedes Moralisieren und jegliche Heldenverklärung.

Drehort war der oberpfälzische Ort Cham. Um dem Film einen dokumentarischen Charakter zu verleihen, scheute Wicki bei der Ausstattung weder Kosten noch Mühen. Seine jugendlichen Schauspieler brachte er während der sechsmonatigen Drehzeit gelegentlich bis an den Rand der physischen und psychischen Erschöpfung. Mit harter Hand trieb er sie zu darstellerischer Perfektion und trug so zur hohen Authentizität des Films bei. Beispielsweise verteilte er Ohrfeigen, damit ihre Tränen echt wirkten, um sie anschließend zu loben und zu trösten.

Bernhard Wicki verschaffte der Film mit einem Schlag internationale Anerkennung. Einige der Schauspieler wie Volker Lechtenbrink und Michael Hinz hatten in dem Film ihre erste Rolle überhaupt. Für dieses leidenschaftliche Manifest gegen den Krieg wurden der Film und die Mitwirkenden mit allen bedeutenden nationalen Filmpreisen, dem Golden Globe Award und einer Oscar-Nominierung ausgezeichnet. „Die Brücke“ ist einer der meistdekorierten deutschen Spielfilme überhaupt.

Kaum zu glauben, aber der umtriebige Vergangenheitsbewältiger Jan Philipp Reemtsma hat es in seiner polemischer Anti-Wehrmacht-Ausstellung fertiggebracht, diesen Klassiker des cineastischen Pazifismus der Heroisierung der Wehrmacht zu beschuldigen. Ob Reemtsma, der seine Millionen bekanntlich der wirtschaftlichen Komplizenschaft seines Vaters mit den Nationalsozialisten verdankt, eigentlich weiß, dass Wicki zeitweilig im KZ gesessen hat und ihm dieser Film ein ganz besonderes Anliegen war?        Jan Heitmann

Foto: Sinnlos: Die Jugendlichen kämpfen verlorene Schlacht.


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