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17.10.09 / Einer der letzten Wrangel-Kürassiere / Graf Hamilton: Wieso ein schwedischer Schotte im Ersten Weltkrieg für Ostpreußen kämpfte

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-09 vom 17. Oktober 2009

Einer der letzten Wrangel-Kürassiere
Graf Hamilton: Wieso ein schwedischer Schotte im Ersten Weltkrieg für Ostpreußen kämpfte

Es gab im Jahre 1914 nur wenige ausländische Offiziere, die ihre Heimat und ihre Armeen verließen, um aus reinem Idealismus in den deutschen Reihen mitzukämpfen. Wohl der profilierteste unter ihnen war der damalige Rittmeister in der Königlichen Schwedischen Leibgarde zu Pferde, Gilbert Graf Hamilton. Er wurde am 20. März 1869 geboren und war 1918 als Oberst der letzte Kommandeur der ostpreußischen Wrangel-Kürassiere.

Der Graf war der Spross eines ursprünglich altschottischen Geschlechts, das schon 1066 in der Schlacht bei Hastings erwähnt wurde. Nach ihrer Übersiedlung nach Schweden im 16. Jahrhundert bekleideten die Hamiltons wiederholt wesentliche Stellen in dem damals in hohem Ruhme stehenden schwedischen Heere. Gilbert Graf Hamiltons Mutter war eine Freifrau v. Barnekow, ein Name, der des Öfteren in der preußischen Heeresgeschichte vorkommt, und damit ergaben sich Beziehungen zu Deutschland. Verheiratet war er mit Marguerite v. Seume, der Tochter eines russischen Generals.

Im Jahre 1908 zum Rittmeister befördert, nahm er unmittelbar bei Beginn des Weltkrieges seinen Abschied aus der schwedischen Armee und wurde zunächst den Breslauer Leibkürassieren zugeteilt. Sehr rasch, während der Kämpfe in Polen, erkannte man seine große soldatische Begabung, und so bekam er bald ein Bataillon im 223. Reserve-Infanterie-Regiment. Während der Kämpfe in den Karpaten wurde er verwundet, ging nach Heilung wieder auf kurze Zeit zurück zu den Kürassieren und erhielt dann 1916 eine sehr selbständige Stellung als Kommandeur des Kgl. Pr. Jägerbataillons Nr. 27, einer als hervorragend bekannten finnischen Einheit, die später nach 1918 den Grundstock der finnischen Armee bilden sollte. Als Führer des Detachements nahm er unter Graf v. der Goltz erfolgreich am finnischen Freiheitskrieg teil. Zurückgekehrt, wurde der so mannigfach bewährte Soldat 1918 Kommandeur des Kürassier-Regiments Graf Wrangel (Ostpreußen) Nr. 3, das damals Sicherungsaufgaben in der wichtigen Ukraine zu erfüllen hatte.

„Vor uns stand ein Offizier“, – so schildert einer der Offiziere den neuen Kommandeur – „der jeden mit seinem Blicke durchbohrte. Alles von ihm war bestechend, seine blendende äußere Erscheinung vor der Front wie im Sattel, seine sehr einfache Lebensführung – er aß wenig und schlief kaum – und nicht zuletzt sein unbeugsamer Wille.“ Unwillkürlich drängte sich der Vergleich auf mit dem ersten Kommandeur, des aus den Dragonern 1809 umformierten Regiments, den Grafen Wrangel. Er hatte in vielem mit ihm Ähnlichkeit und es wurde scherzhaft bemerkt, dass beide das gleiche, nicht immer lupenreine Deutsch sprachen. Und es gab beim Rückzug aus der Ukraine oft sogar ähnliche Lagen, wie sie das Regiment 1814 bei Etoges erlebt hatte. In der Ukraine waren die Kürassiere zur Bekämpfung der Partisanen eingesetzt, und Graf Hamilton sah bei Poltawa das Gefechtsfeld wieder, auf dem vor 200 Jahren sein Vorfahre unter Karl XII. gefochten hatte. Erforderten schon diese Kämpfe große Umsicht, so wurde die Lage nach dem 11. November noch weit schwieriger. Wie sollte das Regiment durch das von Parteien aufgewühlte Land den 2000 Kilometer langen Rück-marsch bis in seine ostpreußische Heimat zustande bringen? Aber dieser Rückmarsch zu Pferde anstelle des sehr fragwürdigen Bahntransportes quer durch das Land entsprach dem Willen aller. Es gab Überfälle und Zerreißproben, aber es gelang dem Kommandeur doch, seine Kürassiere nach fast zwei Monaten Marsch Ende Februar 1919 durch alle Revolutionen ohne große Verluste in voller Disziplin, mit dem Trompeterkorps und den Kesselpauken an der Spitze, in Königsberg einrücken zu lassen.

Nach Kriegsende kehrte Oberst Graf Hamilton mit vielen Auszeichnungen zu seiner schwedischen Leibgarde zu Pferde zurück und wurde 1921 Kommandeur des berühmten Husaren-Regiments „Smäland“. Nach der Neugliederung der schwedischen Armee nahm er zwar 1927 seinen Abschied, wurde aber noch oft in militärischen Fragen zu Rate gezogen. Am 11. August 1947, im 78. Lebensjahr, verstarb er auf dem Familienbesitz.     Walther Grosse


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