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07.11.09 / Putin wirbt um Investoren / Einstieg ausländischer Firmen in den Energiesektor kein Tabu mehr

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 45-09 vom 07. November 2009

Putin wirbt um Investoren
Einstieg ausländischer Firmen in den Energiesektor kein Tabu mehr

Nachrichten über das gestiegene Interesse deutscher Firmen an Russland häufen sich. VW hat die Vollproduktion im russischen Werk Kaluga gestartet, Opel will Astra und Zafira in Königsberg fertigen lassen, MAN plant ein Werk für Lastkraftwagen, und Eon wird in die eigene Gasförderung in Sibirien einsteigen. Die beiden größten deutschen Banken Commerzbank und Deutsche Bank haben ein Auge auf das russische Privatkundengeschäft geworfen. Der Markt ist durch die steigende Zahl von Russen mit mittleren Einkommen für die Banker attraktiv geworden. Ein Grund für das wiedererwachte Interesse deutscher Investoren lässt sich auf die Einsicht der russischen Regierung zurückführen, dass die Zukunft mit einer ausschließlich vom Rohstoffexport abhängigen und vom Staat kontrollierten Wirtschaft nicht zu meistern ist. „So wie bislang können wir nicht weitermachen.“ Diese Warnung Dmitrij Medwedews richtet sich an die russischen Oligarchen. Gleichzeitig kündigte er ein großangelegtes Privatisierungsprogramm an, für das er von Putin Rückendeckung erhält.

Putin, während dessen Amtszeit als Präsident Staatskorporationen zur Kontrolle von Schlüsselunternehmen eingeführt worden waren, vollzieht eine Kehrtwende, indem er Privatisierungen zulässt und um ausländische Großkonzerne wirbt.

Erst kürzlich lud er 15 deutsche Wirtschaftsgrößen zu einem Empfang im Kreml ein. Neben Klaus Mangold, dem Vorsitzenden des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, waren die Vorstandsvorsitzenden wichtiger Konzerne wie Eon Ruhrgas, Siemens, Metro, Thyssen-Krupp und der Volkswagen AG, sowie Achim Kassow, Vorstandsmitglied der Commerzbank anwesend.

Putin lobte die Höhe deutscher Investitionen, die trotz Wirtschaftskrise von Januar bis April dieses Jahres um 36 Prozent gewachsen waren. Besonders in der Landwirtschaft, der Bauindustrie, dem Kraftfahrzeugbau und in der Hochtechnologie sind deutsche Unternehmen beteiligt. Es gebe aber auch Pläne für aussichtsreiche Großprojekte, so Putin. Er erklärte, dass vorhandene Arbeitsplätze auf beiden Seiten beibehalten und neue geschaffen würden. Gute Kooperationschancen bestünden im neuen Privatisierungsprogramm.

Klaus Mangold bekundete das Interesse deutscher Unternehmen an einer Modernisierung der russischen Wirtschaft und an der Entwicklung neuer Technologien. Laut Mangold haben deutsche Geschäftskreise vor einigen Monaten ein Investitionsprogramm für russische Unternehmen im Wert von 500 Millionen Euro vereinbart. Das Programm werde bereits in enger Kooperation der Banken beider Staaten umgesetzt.

Weniger optimistisch zeigen sich  Unternehmen, die bereits praktische Erfahrungen in Russland sammeln konnten. Viele klagen darüber, dass in der Krise die Drangsalierung seitens der Bürokratie und die Korruption zugenommen hätten. Ikea hat Neuinvestitionen eingestellt, der französische Handelsriese Carrefour zieht sich ganz zurück. Viele Details werden auf einer untergeordneten Ebene entschieden, deren Personal von der Notwendigkeit der Reformen nicht überzeugt scheint.        MRK


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