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21.11.09 / Enttäuschte Kunden im Blick / Die Quirin Bank wirbt offensiv, doch die Kunden zögern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 47-09 vom 21. November 2008

Enttäuschte Kunden im Blick
Die Quirin Bank wirbt offensiv, doch die Kunden zögern

Lieber Herr Schäuble, was wir können, können Sie auch: Befreien Sie Bankkunden von Provisionen.“ Mit diesen Worten wirbt derzeit die Quirin Bank offensiv in Medien wie dem „Spiegel“ für seine Honorarberatung. Für 150 Euro Einmalhonorar will die Bank Kunden beispielsweise zum Thema Altersvorsorge unabhängig beraten. Wer sein Vermögen verwalten lassen wolle, solle bei diesem Institut davor sicher sein, dass der Berater ihm nur für die Bank provisionsträchtigen Fonds und Zertifikate verkauft. Dafür müssten allerdings 75 Euro monatlich pauschal gezahlt werden. Außerdem will die Bank 20 Prozent der realisierten Gewinne.

Seit der Bankenkrise ist die von Provisionen und somit Eigeninteresse geleitete Beratung der klassischen Banken in der Kritik. Und obwohl die Bankenkrise zahlreiche Fehlentwicklungen aufgezeigt hat, hat sich am Verdienstmodell der Privatbanken, der Sparkassen und Volksbanken nicht viel geändert. Doch wenngleich die Quirin Bank seit über einem Jahr in den Medien als löbliche Alternative gefeiert wird und Karl Matthäus Schmidt, der Vorstandsvorsitzende der 2006 von ihm gegründeten Bank, sich und seine Idee selbstbewusst vermarktet, wächst das junge Finanzinstitut nur durchschnittlich. Zum 30. Juni betrugen die Verluste 4,8 Millionen Euro und hatten sich somit gegenüber dem Vorjahreszeitraum hal-biert. Die Mitarbeiterzahl hat sich seit der Gründung mehr als verdoppelt: Inzwischen beraten rund 90 Vermögensberater die etwa 5000 Kunden. Doch angesichts des Medieneinsatzes ist der Erfolg doch eher lau.

Jörg Laser von der Hamburger Conrad Hinrich Donner Bank bestätigt zwar, dass sein Bankhaus seit der Umstellung auf die Honorarberatung vor sechs Jahren den Kundenstamm erweitern konnte, aber die kleine, feine Privatbank spricht auch gezielt eine gehobene Klientel an. Doch Laser ist überzeugt, dass die Honorarberatung durchaus eine „mögliche Alternative für das mittlere Privatkundengeschäft“ darstelle. Denn wenn man bedenke, dass manche klassischen Bankprodukte Ausgabeaufschläge von drei bis fünf Prozent hätten, zeige sich, dass durchaus Raum für ein Honorierungssystem vorhanden sei. Fünf Prozent Ausgabeaufschlag auf eine Anlagesumme von 50000 Euro sind 2500 Euro, also ein Betrag, für den man einen normalen Honorarberater gleich mehrere Tage beschäftigen könnte.

Trotzdem scheint die Honorarberatung nur für einen kleinen Kundenkreis infrage zu kommen. Umfragen haben ergeben, dass die direkt ausgewiesenen Beraterhonorare Kunden abschrecken. „Auch wenn dies möglicherweise zu einer Objektivierung der Beratung beitragen könnte, wie es oft als Vorteil herausgestellt wird, können wir uns aktuell nicht vorstellen, dass dies auf breite Akzeptanz bei den Kunden stößt“, meint auch die Postbank.

Derweil beklagt der Bundesverband der Verbraucherzentralen, dass es keine einheitliche Rechtsgrundlage für die Vermittlung von Finanzdienstleistungen gibt. Bei der Offenlegung von Provisionen wird die vorhandene Rechtsgrundlage hingegen nicht umgesetzt. Das führe dazu, dass der Druck auf die Banken, die Qualität ihrer Beratung zu verbessern, gering sei.         Bel


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