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21.11.09 / Kochen mit Geschichte / Griechin verrät Familienrezepte

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 47-09 vom 21. November 2008

Kochen mit Geschichte
Griechin verrät Familienrezepte

Eine erfahrene, passionierte Geschichtenerzählerin ist die in München lebende, in Athen geborene Eleni Torossi. Es ist ein reines Vergnügen, ihre unterhaltsamen Plaudereien über ihre in Granada, Venedig und auf Korfu lebenden griechisch-deutsch-arabischen Tanten, Onkel und Cousinen zu lesen. Denn die Familie, obwohl weit verstreut lebend, hält zusammen und hält die Erinnerung an ihre Herkunft wach. Man trifft sich regelmäßig an verschiedenen Orten, genießt das seltene Beisammensein, nimmt gemeinsam am kulturellen Leben teil und – erfreut sich an erlesenen Speisen, mit denen die weiblichen Familienmitglieder den Rest der Familie regelmäßig überraschen. Rezepte der mittelmeerischen Küche stehen in diesem Buch von Eleni Torossi, die sich somit auch diesmal wieder mit einem interkulturellen Thema befasst, im Mittelpunkt. Doch auf die üblichen Farbfotos der zubereiteten Gerichte hat sie verzichtet. Statt dessen lässt sie den Leser ihres ausgefallenen Kochbuchs nach jeder Bekanntgabe eines Rezeptes – oder auch mehrerer nacheinander – an den Familientreffen in München, Spanien, Italien und Griechenland teilnehmen. Sie gibt dabei neben familiären Anekdoten auch solche über Pythagoras und Leonardo da Vinci zum Besten und nimmt den Leser mit auf die Suche nach griechischen Spuren in der Lagunenstadt.

So ist denn auch ihre griechische Herkunft der rote Faden dieses  empfehlenswerten Kochbuchs. Wie einst Odysseus, so sind auch Torossis Verwandte der elterlichen Generation aus Griechenland ausgewandert. „Die Spuren meiner Familie väterlicherseits sind seit über 2000 Jahren in Kappadokien zu finden, heute ein Teil der Türkei. Vor 200 Jahren zog mein Ururgroßvater Andronikos, ein frommer Mann und Lehrer der griechischen Sprache, vom kappadokischen Sinasos nach Istanbul. Mit der Zeit holte er seine ganze Sippe dorthin. Mein Urgroßvater Theofilos wurde zum Studieren nach Wien und Leipzig geschickt … Mein Großvater Georgios wurde 1918, gleich nach dem Ersten Weltkrieg, nach München geschickt, um an der Technischen Hochschule Maschinenbau zu studieren und diente nach seiner Rückkehr als Sekretär des Sultans im Topkapi-Palast. Er war sehr stolz auf seine drei Töchter, die in ihrer Jugend bekannt waren für ihre Eleganz, aber auch dafür, dass sie aus Goethes ‚Faust‘ zitieren konnten.“

Eleni Torossis Mutter Aspasia, die älteste der drei, zog 1954 nach Athen und heiratete dort Lukas, Torossis Vater. Die in Europa lebenden Nachkommen von Georgios haben eine Gemeinsamkeit: die Anhäufung kulinarischen Wissens. „Aus dem Osten brachten sie die exotischen Gewürze mit, aus dem Süden, dem großen Garten der Sonne, das Olivenöl, die Feigen und die heilenden Kräuter, und aus dem Westen die Kunst der Zubereitung köstlicher Mittelmeerfische.“

Sogar bis in die Antike wird der rote Faden zurückgesponnen. So erläutert Tante Pinelopi ihrer Nichte Eleni: „Man hat schon in der Antike Champignons mit verschiedenen Füllungen zubereitet, mit Hackfleisch, Kräutern und Frischkäse – sie schmecken einfach himmlisch!“              D. Jestrzemski

Eleni Torossi: „Warum Tante Iphigenia mir einen Koch schenkte – Geschichten meiner griechischen Familie“, LangenMüller, München 2009, geb., 250 Seiten, 14,95 Euro


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