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21.11.09 / Lenker des Seehandels / Was treibt die deutsche Reeder-Elite an? − Bedeutung des Hamburger Hafen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 47-09 vom 21. November 2008

Lenker des Seehandels
Was treibt die deutsche Reeder-Elite an? − Bedeutung des Hamburger Hafen

Jedes Jahr Anfang November trifft sich alles, was weltweit in der Schiffsfahrtsbranche Rang und Namen hat, zum „Eisbein-Essen“ in Hamburg. Am diesjährigen Mahl nahmen rund 4500 Reeder, Makler und Schifffahrtskaufleute teil. Weitere 5000 Personen aus der Schifffahrt, die zum gleichen Zeitpunkt in der Stadt waren, wären gerne dabei gewesen, aber dafür reicht selbst der Platz im großen Congress-Centrum der Hansestadt (CCH) nicht.

Zwar wissen die meisten, dass Hamburg den zweitgrößten Hafen Europas beherbergt, aber nur wenige machen sich die Dimensionen dieses Geschäftes klar. In „Die Herren der Container – Deutschlands Reeder-Elite“ beschreibt Erik Lindner, wie rund um den Hafen 165000 Menschen im Hafen oder in Zulieferbetrieben für emsige Betriebsamkeit sorgen. Der größte Schiffsfinanzierer der Welt, die wegen unrühmlicher Spekulationsgeschäfte in die Schlagzeilen gekommene HSH-Nordbank, sitzt nicht ohne Grund in Hamburg. Seine Pleite würde teilweise den Welthandel zum Erliegen bringen. Im Verein mit einem Heer von Finanzmaklern, Reedern und anderen Kaufleuten bestellen sie alle einen großen Anteil der Flotte der Containerschiffe weltweit.

Rund 5000 dieser Container-Riesen befahren derzeit die Weltmeere. Bis zu 12000 Container passen auf ein Schiff. An die 6000 Lastwagen werden dann benötigt, um die Fracht an den richtigen Empfänger zu transportieren. Kaum einer weiß, dass jeder dritte dieser Riesen einem deutschen Eigner gehört und von Hamburg aus gemanagt wird.

Wer aber sind diese maßgeblichen Lenker des Seehandels? An der Spitze der maritimen Wertschöpfungskette, die derzeit eine schwere Krise durchmacht, rangiert und regiert, so Lindner, ein Dutzend deutscher Reeder, die im weltumspannenden Handelsnetz „Tonnage“ verchartern. Das bedeutet: Nicht Hapag-Lloyd oder andere berühmte Schifffahrtslinien sind die Eigner dieser Schiffe, sondern diskret und gewieft handelnde Männer, die von kleinen Büros mit vornehmer Adresse agieren. Die großen Schifffahrtsnamen mieten nur die großen Schiffe. Die Besitzer im Hintergrund sind Fonds und einige hanseatische Familien, die in den Elbvororten mit Blick auf den Fluss residieren.

Worauf die unternehmerische Strategie der alteingesessenen Hanseaten-Familien Rickmers, Döhle, Offen, Schulte, Schües, Leonhardt oder Kortüm gründet, erfährt der Leser in diesem spannenden Buch. Wer sind sie? Woher kommen sie? Welche Risiken müssen sie fürchten?

Erik Lindner, ein promovierter Historiker mit dem Spezialgebiet Unternehmensgeschichte, gelingt hier ein spannender Blick hinter die Kulissen der sonst so öffentlichkeitsscheuen deutschen Reeder-Elite. Da Lindner von 1999 bis 2007 das Unternehmensarchiv der Axel Springer AG leitete, verfügt er über Informationen, die sonst nur sehr wenige Autoren besitzen. Er kennt die Mechanismen der globalen Weltwirtschaft ebenso wie einzelne Schiffe aus eigener Anschauung. So beispielsweise die „Cosco Guangzhou“, der damals größte Containerfrachter der Welt, der im März 2006 am Terminal Tollerort gegenüber dem Hamburger Fischmarkt festmachte. Die Volksrepublik China und der kleine Stadtstaat Singapur sind heute die wichtigsten Container-Handelspartner der Hansestadt. Auf diese Weise versteht man, wie derzeit die riesigen Handelsströme der Weltwirtschaft fließen. Wer das Buch liest, schnuppert dabei also nicht nur salzige Seeluft, sondern auch den „Duft der großen weiten Welt“.        Hinrich E. Bues

Erik Lindner: „Die Herren der Container – Deutschlands Reeder-Elite“, Hoffmann und Campe, Hamburg, gebunden, 287 Seiten, 19,95 Euro


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