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05.12.09 / Russki-Deutsch (45): Subbotnik

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-08 vom 05. Dezember 2009

Russki-Deutsch (45):
Subbotnik
von Wolf Oschlies

Der Subbotnik leitet sich von „subbota“ (Sonnabend) ab und war von Lenin im Juni 1919 in einem Artikel geprägt worden – als Begriff für „freiwilligen“ Arbeitseinsatz am Wochenende. Der deutsche Wirtschaftswissenschaftler und Salonkommunist Alfons Goldschmid, der kein Wort Russisch sprach, hat ihn 1920 aus Moskau als „kommunistische Samstagsarbeit“ in die deutsche Sprache eingeschmuggelt. Erst drei Jahrzehnte später wurde dieser Arbeitseinsatz unter dem russischen Namen in der DDR reaktiviert, wobei das Prinzip der Freiwilligkeit nominell gewahrt blieb, doch galt er allgemein als „freiwilliges Muss“.

Bei den Menschen waren „Subbotniks“ höchst unbeliebt. Russen machten drastische Witze über den Subbotnik und seinen Erfinder Lenin. In der DDR war die Unlust am Subbotnik ein Dauerthema für Kabarettisten, wie in einem Dialog zwischen zwei „Thälmann-Pionieren“: „Übermorgen soll wieder Subbotnik sein.“ – „Ich weiß. Und ich bin auch schon am Überlegen.“ − „Worüber?“ – „Mit welchen Wehwehchen ich mich diesmal erfolgreich drücken kann.“

Nach der Wende wurde der „Subbotnik“ bei Mitteldeutschen zur spaßigen Schnapssorte – auf dem Flaschenetikett DDR-Geld und der Slogan „Freie Arbeit ohne Geld“. Anders war es bei Westdeutschen.

Von einer wahrhaft bizarren Neubedeutung des Wortes berichtete Rüdiger Bagger von der Hamburger Staatsanwaltschaft in „Spiegel-TV“: In den 1980er Jahren war es im Hamburger Rotlicht-Milieu zu einer Brutalisierung der Gepflogenheiten gekommen, die (vermutlich) durch das Auftauchen osteuropäischer Zuhälter eintrat: Zusammenschlagen von Prostituierten, Massenvergewaltigungen und ähnliches mehr, wofür der Sammelbegriff ,Subbotnik‘ stand. Details wurden 2001 bekannt, als man in Hamburg die russische Bordellchefin Natalja S. fasste. Die Presse berichtete: „Innerhalb eines Jahres hatte sie 40 Frauen nach Hamburg geschmuggelt und zur Prostitution gezwungen, und für die ,Erziehung‘ hatte sie extra sechs russische Aussiedler engagiert. Die vergewaltigten dann die Frauen, … ,Subbotnik‘ nannte Natalja das: freiwillige Arbeit ohne Bezahlung.“


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