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05.12.09 / Kein Muezzin / Frankreich: Bürgerinitativen begehren auf

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-08 vom 05. Dezember 2009

Kein Muezzin
Frankreich: Bürgerinitativen begehren auf

Auch in Frankreich hat die Abstimmung gegen den Bau von Minaretten in der Schweiz Wellen geschlagen. Die Franzosen werden wohl ihre liberale Islam-Politik zumindest in diesem Punkt überdenken. In Frankreich ragen bereits zehn Minarette auf „Dom-Moscheen“, wie die großen Moscheen genannt werden, empor. Am höchsten ist dasjenige der großen Moschee in Paris, das bei 30 Metern gipfelt.

Bisher wurde Kritik gegen den Bau von Moscheen im Namen der Laizität, das heißt der Religionsneutralität des Staates, die in Frankreich gesetzlich verankert ist, laut. Doch immer öfter regt sich Widerstand. So hat im Januar eine Bürgerinitative die Einwohner von Bordeaux mit dem auf Tonband aufgenommenen Ruf eines Muezzins geweckt. „In einigen Monaten wird Sie hier jeden Morgen werktags, sonntags und an Feiertagen das süße Lied eines Muezzins aus dem Schlaf holen“, verkündeten Flugblätter.

Der Imam von Bordeaux, Tareq Oubrou, hat sofort gekontert: „In Frankreich ertönt dieser Ruf nur innerhalb des Gebäudes. Das Minarett entspringt nicht einer religiösen Pflicht und die künftige Moschee in Bordeaux hat keines vorgesehen.“ In der Tat ist diese Erfindung nicht auf den Propheten Mohammed zurückzuführen, sondern sie wurde am Ende des ersten Jahrhunderts der Hedschra ins Leben gerufen. Anstelle des Rufs hat die Moschee in Marseille vorgesehen, einen Lichtstrahl auszusenden, um die Gläubigen an die Gebetszeiten zu erinnern. 

„Niemand fordert einen Muezzin“, versichert die Regierung. Er wäre sowieso genauso wie die Kirchenglocken an die Weisungen der Bürgermeister gebunden. Diese sollen die Lautstärke bestimmen und die Maßnahmen treffen, die die Ruhe in ihrer Gemeinde sichern, das schreibt das Gesetz vor. Die aufgeregten Staatsbürger werden mit der Zusicherungen der Behörden beruhigt, dass Großmoscheen die Ausnahme blieben. Es gibt sonst derzeit in Frankreich 200 Bauprojekte von Kleinmoscheen in villenähnlichen Häusern – ohne Minarett. Dieses Modell gilt als „pragmatisch“ – politisch und finanziell. Offiziell gibt es in Frankreich 3,5 Millionen Moslems, sechs Prozent der Bevölkerung. Aber das statistische Institut INSEE schätzt ihre Zahl auf über vier Millionen. Jean-Paul Picaper


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