19.04.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
05.12.09 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-08 vom 05. Dezember 2009

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,

liebe Familienfreunde,

da haben wir wieder einmal große Freude bereiten können. Einer Frau, die gar nicht erwartet hatte, dass so schnell und eingehend ihre Suchfrage beantwortet wurde, denn unsere Zeitung und damit die Ostpreußische Familie waren der Französin Camille Stein völlig unbekannt. Bis sie im Internet auf uns stieß und einen Versuch wagte. Ihre bis dahin nie geklärte Frage bezog sich auf den Geburtsort ihrer deutschstämmigen Mutter, den sie über keine für sie erreichbare Informationsquelle finden konnte. Aber wir, wenn auch erst nach einigen aufwendigen Recherchen, denn es handelte sich um einen kleinen Ort in Westpreußen, der nicht nur die Nationalität, sondern auch mehrfach den Namen gewechselt hatte: Brinsk im Kreis Stendal, auch Brinsker Buden, dann Brynsk, später Lagendorf, und jetzt wieder Brynsk – ja, da steigt man so schnell nicht durch. Als Frau Steins Mutter Franziska Janowski 1891 dort geboren wurde, gehörte Brinsk zum Regierungsbezirk Marienwerder und damit zum Deutschen Reich. Dies und noch mehr auch über eventuelle Vorfahren konnten wir ihr mitteilen und lösten damit eine große Überraschung bei der Französin aus, die sich fast überschwänglich bei uns bedankte. So aufschluss- und umfangreich sei sie noch nie informiert worden und zolle uns dafür großen Respekt. Das ehrt uns und lässt uns hoffen, dass wir noch zu weiteren Erfolgen in dieser Angelegenheit kommen, denn sie sucht nach ehemaligen Bewohnern von Brinsk und eventuellen Verwandten der dort ansässig gewesenen Familien Janowski und Zaporowski. Da wir den Schriftwechsel führen, lautet die Bitte, sich an uns zu wenden. Wäre schön, wenn wir ihr einige Zuschriften übermitteln könnten.

Und noch einmal große Freude, auch brieflich so bekundet. Von der Großnichte des masurischen Dichters Fritz Skowronnek, über dessen Grab auf dem Friedhof von Oranienburg wir berichtet hatten. Frau Ruth Scholz aus Bad Frankenhausen ist eine geborene Skowronnek, die beiden Schriftstellerbrüder Fritz und Richard sind ihre Großonkel. Allerdings weiß sie nicht viel über die Verwandtschaft, denn die 1932 in Königsberg geborene Tochter des aus Masuren stammenden Elternpaares – Vater wurde in Ostrokallen, Kreis Lyck geboren – lebte nach der Flucht in Thüringen und bekam erst nach der Wende Wissenswertes über die Familie zu erfahren. So auch durch einen ihr zugesandten Zeitungsausschnitt über das Grab ihres Großonkels Fritz auf dem Oranienburger Friedhof. Sie nahm Verbindung mit der Friedhofsverwaltung auf und wurde bei einem Besuch auf dem Friedhof auch bald fündig, denn ein großer Findling kennzeichnete damals das Grab, dessen Pflege, wie sie erfuhr, für 50 Jahre gesichert war. Aber diese Zeit ist ja nun abgelaufen, und deshalb bekundet Frau Scholz ihre Freude und Dankbarkeit, dass das Grab nun weiter von lieben Landsleuten gepflegt wird. Sie selber erhielt, nachdem der Eiserne Vorhang gefallen war, endlich Bücher und andere Veröffentlichungen ihrer Großonkel und hütet sie wie einen Schatz. Da sie anscheinend nur ein – auf einem Buchumschlag abgebildetes – Porträt von Richard Skowronnek besitzt, werde ich ihr Fotokopien von zwei Aufnahmen zusenden, die Fritz in einem Ruderboot auf dem Lycksee und das Geburtshaus der Brüder, die Försterei Schuiken, zeigen, entnommen dem Buch „Ostpreußische Literaturgeschichte“ von Helmut Motekat.

Bleiben wir bei der Literatur. Herr Martin Hoffmann aus Beuren sucht den Titel eines Buches, das mir unbekannt ist, aber da können sicherlich unsere Leser helfen. Den Umschlag ziert ein Bild, das von W. Riemann gemalt ist. Es zeigt eine Dorfstraße in Nidden mit spielenden Kindern und einer Frau mit weißem Kopftuch. Ob die Geschichte – oder vielleicht mehrere – auf der Kurischen Nehrung spielt, wie man dem Titelbild nach vermuten kann, ist nicht bekannt. Herr Hoffmann erinnert sich aber an eine Stelle aus dem Text, die vielleicht weiter helfen könnte. Sie handelt von einer jungen Frau, die auf der Suche nach einem unbekannten Ort ist. Es könnte ein Dorf oder eine Straße sein, vielleicht auch das Haus einer Familie. Als sie beim Blick über eine ziemlich hohe Hecke einen Mann erblickt, der im dahinter liegenden Garten arbeitet, spricht sie ihn freundlich an mit der Frage, ob er ihr den Weg zu ihrem Ziel weisen könnte. Der Angesprochene ist auch gerne bereit, Auskunft zu geben und erklärt ihr freundlich mit einer richtungweisenden Handbewegung: „Na, reiten Sie am besten da weiter!“ Die junge Frau sieht erstaunt an sich herunter – wo ist das Pferd? Sie steht lediglich auf Schusters Rappen! Ihre körperliche Größe führte wohl zu diesem Irrtum. Eine nette Episode, an die sich vielleicht auch andere Leserinnen und Leser des Buches erinnern und damit den Titel nennen können. (Martin Hoffmann, Beurener Straße 6 in 72660 Beuren)

Das Vertrauen in unsere Ostpreußische Familie ist schon „grenzenlos“ im wahrsten Sinn des Wortes. Es führt nach Südafrika, wohin der gebürtige Memeler Siegfried Kittel 1953 auswanderte, zusammen mit seiner damals in Lüneburg lebenden Frau Margarete, die in Berlin geboren wurde, deren mütterliche Familie aus Deutsch Krone stammt. Und um diese Verwandtschaft geht es in der Suchfrage von Herrn Kittel, der endlich etwas Licht in die Herkunft seiner Frau bringen möchte – ein letzter Versuch, wie er schreibt. Das klingt nicht nur sehr kompliziert sondern ist es auch, zumal sich die Suche nicht auf unser – heimisches – Gebiet erstreckt, sondern auf das der damaligen Grenzmark Posen-Westpreußen. Frau Margarete Elisabeth Kittel wurde zwar am 26. April 1930 in der Universitäts-Klinik Berlin Mitte geboren, ihre ledige Mutter Martha Margarete Krens oder Kremz, * 15. Juni 1901, stammte aus Strahlenburg, Kreis Deutsch Krone. Dort dürfte sie auch in einer katholischen Kirche getauft worden sein. Als junges Mädchen ging sie nach Berlin, um im Haushalt zu arbeiten. Der leibliche Vater des Kindes, der Berliner Kaufmann Gerhard J. R. Wille, * 1890 in Berlin, hatte die Vaterschaft anerkannt. Die Mutter verstarb bereits 1938 in der privaten Heil- und Pflegeanstalt Ilten, Kreis Burgdorf. Das Kind wurde bis zu seinem zehnten Lebensjahr von Pflegeheim zu Pflegeheim geschickt, bis das Jugendamt Kreuzberg eine Pflegestelle in Pommern fand. Frau Gertrud Bruszkewitz aus Köslin nahm das heim- und heimatlose Kind in ihre Obhut. Mit ihrer Pflegemutter ging Margarete Krens (Kremz) 1945 auf die Flucht. Als drei Jahre später Siegfried Kittel seine spätere Frau kennenlernte, arbeitete die 18-Jährige in einer Lüneburger Kinderklinik. Von ihrer mütterlichen Familie weiß Frau Kittel so gut wie nichts, der einzige Nachweis ist eine Heiratsurkunde der Großeltern Michael Krenz (Kremz) und Anna geborene Raps vom 28. Januar 1900, ausgestellt vom Standesamt Tütz, Kreis Deutsch Krone. Die Großeltern väterlicherseits waren Hermann Emil Richard Wille und Elisabeth Wille geborene Mampe aus Berlin. Siegfried Kittel und seine Frau wären sehr glücklich, wenn sich jemand auf diesen letzten Versuch hin melden würde. Wir senden zuerst einmal herzliche Adventsgrüße nach Südafrika. (Siegfried Kittel, Unit 180 Wilro Park Ret.Vill. Pvt.Bag X 04, Wiro Park, 1731, South Africa, Tel/Fax 011/7687043, E-Mail: hskittel@absamail.co.za)

Drei Fragen hat uns Frau Renate Block aus Wyk auf Föhr gestellt, und eigentlich hätte ich sie selber beantworten können, aber sie führen zurück in unser altes Königsberg und werden deshalb in vielen Leserinnen und Lesern Erinnerungen wecken. Ihre eigenen will Frau Block jetzt aufzeichnen, denn „in dieser dunklen, aber besinnlichen Jahreszeit sprudeln sie wieder besonders!“ Sie gehen zurück in das Samland, denn ihre Familie wohnte in Neukuhren. Und wenn im Winter alles tief verschneit war, kam die Bahn nach Königsberg oft nicht durch. Das musste auch schon Renates Mutter in ihrer Jugendzeit erfahren, denn Hildegard Reinbacher, * 1910, besuchte das Rauschningsche Lyzeum. Die hierzu von Frau Block gestellte Fragen sind leicht zu beantworten: Emma Rauschning hatte die – von Maria Krause aus einer Privatschule zu dem am stärksten besuchten Lyzeum der Stadt aufgebaute – Mädchenschule übernommen. Viele Königsbergerinnen werden sich an das Haus in der Jägerhofstraße erinnern, die spätere „Helene-Lange-Mittelschule“, die dann in „Agnes-Miegel-Schule“ umbenannt wurde. Eine besonders herzliche Freundschaft entwickelte sich zwischen Hildegard Reinbacher und ihrer Mitschülerin Elly Naused, bei deren Mutter das Mädchen aus Neukuhren wohnte, wenn das ganze Samland „eingestiemt“ war. Frau Naused war trotz ihrer fünf Kinder als Hebamme tätig. Diese Freundschaft blieb bestehen, auch als die ehemaligen Schülerinnen schon längst verheiratet waren. So kann sich Renate Block noch gut an die Nausedsche Wohnung in der Brodbänkenstraße erinnern, vor allem, „weil der Blick aus den Fenstern auf ein großes Gebäude ging, auf dem oben so schöne Figuren waren! Was war das für ein Gebäude?“ Zweifellos das Kneip­höfische Rathaus mit den Sandsteinfiguren aus dem 17. Jahrhundert! Frage 2 also auch gelöst. Bleibt Frage 3: „Am Steindamm befand sich das große Lichtspielhaus Alhambra, war es auch ein Café?“ Aber ja, sogar das bekannteste und beliebteste Konzert-Café der Stadt. Ihre Erinnerungen haben Sie also nicht betrogen, liebe Frau Block, und sie haben mich auch sehr erheitert. Besonders die Sache mit den Windbeuteln: Wenn nämlich Renates Mutter ihre drei Kinder im Café „abgesetzt“ hatte, weil sie in Ruhe einkaufen wollte, warteten diese gut betreut von der Bedienung brav bei Kakao und Kuchen. Nun hatten die Windbeutel in Königsberg nicht gerade Miniformat, die Achtjährige saß hilflos vor dem Schmandberg in der harten Teighülle und wusste nicht, wie sie das Ding klein kriegen sollte, ohne es zu zermatschen. Die Aversion gegen das Gebäck blieb bestehen: Renate Block isst noch heute keine Windbeutel!

Heute kein Nachschrapselchen? Doch und noch einmal sind es die Kakelinskis. Die kannte auch Frau Philipp aus Hamburg, und deren Zuhause lag in Pillkallen. Also kann man dieses Kartoffelgebäck getrost dem nördlichen Ostpreußen zuordnen. Die Angaben von Frau Gertrud Bürge aus Bremen, die ihre Kakelinskis mit Anis würzte, haben in Frau Ingrid Nowakiewitsch Erinnerungen an die heimatliche Küche geweckt und damit an die „Graschelchen“. So hießen in ihrem Königsberger Zuhause die Gebilde, die ihre Mutter aus übrig gebliebenem Kartoffelbrei, mit Mehl und Milch vermengt, in der Pfanne goldbraun briet. „Und dann mit Zucker überstreut – das war das Beste“ schwärmt Frau Nowakiewitsch noch heute. Und mit viel Zucker machte auch Frau Bürges Großmutter „Klunkermus“ – „bei Oma schmeckte überhaupt alles viel besser“, erinnert sie sich noch heute. Ich glaube, da geht es vielen Leserinnen und Lesern genauso.

Eure Ruth Geede

Foto: Königsbergs Steindamm: Mit dem Alhambra-Haus und Ziemers Stehbierhalle Ecke Wagnerstraße


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren