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05.12.09 / Ein Rausch der Farben / Barbie und der Weihnachtsmann – Ein Treffen im Museum weckt Kindheitsträume

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-08 vom 05. Dezember 2009

Ein Rausch der Farben
Barbie und der Weihnachtsmann – Ein Treffen im Museum weckt Kindheitsträume

In knapp drei Wochen wird in den Wohnzimmern landauf, landab das Christfest gefeiert. Der Weihnachtsmann wird mit seinen Gaben freudig erwartet. Viele Mädchen haben einen Wunsch: Eine Barbiepuppe muss es sein. Eine Ausstellung in Hamburg widmet sich dem Phänomen Barbie, aber auch dem Gabenbringer im rot-weißen Mantel.

Urplötzlich war es aus mit der Beschaulichkeit. Eine Horde kleiner Mädchen hatte den Raum für Sonderausstellungen entdeckt. Es gab kein Halten mehr für sie, denn dort waren ganz besondere Schätze in Vitrinen aufgestellt. Die Fünf- bis Sechsjährigen, die ursprünglich eine interaktive Ausstellung zum Thema Piraten besuchen sollten, wurden wie magisch von den zierlichen, meist blonden Püppchen in den bunten schicken Kleidern angezogen. „Oh, die möchte ich haben“, „Und ich die, nein die…“ „Guck mal, die ist doch schön…“ Die Stimmen überschlugen sich fast und die Hände patschten gegen die vorher blitzblanken Scheiben, hinter denen sich die Objekte ihrer Träume befanden: Barbie-Puppen in allen Variationen. Nur mit Mühe konnten die Museumspädagogen die Mädels wieder auf den richtigen Pfad bringen. „Wir gehen jetzt erstmal zu den Piraten, später dann vielleicht zu Barbie.“

In seiner traditionellen Weih-nachtsausstellung zeigt das Altonaer Museum in Hamburg in diesem Jahr die Schau „Barbie und der Weihnachtsmann“. Das ungewöhnliche Paar ist ja so ungewöhnlich gar nicht, denn schließlich wird der Weih­nachtsmann auch zu diesem Fest wieder viele kleine und größere Mädchen glück-lich machen, wenn er eine neue Barbiepuppe unter den Weih-nachtsbaum legt.

Der Kulturhistoriker Torkild Hinrichsen vom Altonaer Museum erzählt in einem Buch aus dem Husum Verlag die Geschichte der beiden ungleichen Figuren. Zwei deutschen Zeichnern ist es zu verdanken, dass heute Barbie und der Weihnachtsmann so aussehen, wie man sie kennt. 1952 hatte der Karikaturist Reinhard Beuthien für die „Bild“-Zeitung das erste deutsche Nachkriegscartoon entwickelt und die langbeinige Lilli entworfen. Mit ihrem Pferdeschwanz ähnelte sie vielen jungen Frauen in der Bundesrepublik Deutschland. Bis zum 5. Januar 1961 erschien diese Zeichengeschichte. Zu Werbezwecken wurde 1955 sogar eine dreidimensionale Lilli entwickelt, eine Puppe in zwei Größen (30 und 19 Zentimeter hoch). Obwohl sie mit 12 beziehungsweise

7,70 D-Mark nicht gerade billig war, verkaufte sie sich von 1955 bis 1964 130000 Mal. Als Ruth Handler, die mit ihrem Mann Elliot eine Spielzeugfabrik in den USA betrieb, Lilli auf einer Europareise entdeckte und die Rechte für sie erwarb, war’s aus mit Lilli. Barbie war geboren. Allerdings mussten zuvor noch Designer Hand anlegen, bevor die Puppe auf den US-amerikanischen Markt kam. Am

9. März 1959 schlug dann die Geburtsstunde von Barbie. 300000 Käufer fanden sich im ersten Jahr. Bis heute wurden eine Milliarde Exemplare verkauft. Hinrichsen nennt für 2008 noch 329 Millionen Dollar Gewinn, den Mattel trotz Finanzkrise mit Barbie erzielte, zwölf Monate später erwartet man nur noch 176 Millionen Dollar.

Das Aussehen des Weihnachtsmanns mit seinem Rauschebart und roten Mantel ist auch einem deutschen Zeichner zu verdanken. Der aus Landau in der Pfalz in die USA eingewanderte Thomas Nast schuf bereits 1869 für „Harpers Weekly“ den gemütlichen Gabenbringer. 1930 dann erschien im „Ladies‘ Home Journal“ eine Anzeige der Firma Coca-Cola mit einem gezeichneten Weihnachtsmann, der dem von Nast sehr ähnelte und in etwa dem heute bekannten entspricht.

Die Besucher der Hamburger Ausstellung werden einen Rausch der Farben erleben – Barbie mit ihren oft exotischen Gewändern und der Gabenbringer in rotweiß. Da heißt es eintauchen in die unfassbare Fülle der Exponate und in eine Welt voller Träume und Wünsche.         Silke Osman

Torkild Hinrichsen: „Barbie und der Weihnachtsmann − Ein ungewöhnliches Paar“, Husum Verlag 2009, 72 Seiten, zahlreiche Abbildungen, broschiert, 6,95 Euro.

Die Ausstellung im Altonaer Museum ist bis zum 31. Januar 2010 dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, am Wochenende bis 18 Uhr zu sehen, Eintritt 6 / 3,50 Euro.

Foto: Verstehen sich gut: Barbie und der Weihnachtsmann


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