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05.12.09 / Spannend wie ein Krimi / Hintergründe zu Zarenmord und Zarengrab

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-08 vom 05. Dezember 2009

Spannend wie ein Krimi
Hintergründe zu Zarenmord und Zarengrab

Wie konnte es dazu kommen, dass lange nach Lenins Oktoberrevolution 1917 und der Ermordung der Zarenfamilie immer wieder Leute auftauchten, die behaupteten, ein Kind des Zaren Nikolaus II. zu sein? Die Russlandexpertin Elisabeth Heresch berichtet in ihrem Buch „Zarenmord“ über den genauen Hergang des Sturzes des Zaren Nikolaus II., der Verschleppung der blaublütigen Familie nach Tobolsk und deren kaltblütiger Ermodung in Jekaterinburg.

Rückblickend erscheint es äußerst armselig, dass sich nach dem Sturz des Zaren kein Land dazu verpflichtet fühlte, dem Zaren und dessen Familie politisches Asyl zu gewähren, um diese vor den kommunistischen Revoluzzern zu schützen. So zog auch der englische König sein Angebot auf politisches Asyl kurzerhand zurück und besiegelte somit nicht nur das Ende der Zarendynastie, sondern wie Heresch anrührend darstellt, auch das Schicksal einer Familie. „Von verschiedenen Beratern, allen voran Premierminister Lloyd George, wird dem König vor Augen geführt, dass sich die Anwesenheit der russischen kaiserlichen Familie in England negativ auf die öffentliche Stimmung auswirken könnte …“

Und auch Kaiser Wilhelm II. schien den Tod der Zarenfamilie billigend in Kauf zu nehmen. „Die Getreide- und Öllieferungen Russlands werden von Deutschland dringend benötigt, und so verzichtet die kaiserliche Regierung nicht nur darauf, Ansprüche auf Herausgabe des Zaren zu stellen … Folglich fahren weiter russische Getreidezüge Richtung Deutschland, und russisches Gold bereichert die Deutsche Bank.“

Auszüge von Tagebuchaufzeichnungen von Zar Nikolaus II., Fotos vom Zaren, seiner Familie und dem 2004 gefundenen Grab der Familie geben dem Buch eine ganz individuelle Note. Elisabeth Heresch berichtet von der langen  Suche nach Beweisen des Mordes an den Romanows und nach der Grabstelle, dem Wiederauftauchen der verschwundenen Juwelen der Zarenfamilie und den aufwendigen Laboranalysen, die erst 2008 die letzten gefundenen Gebeine endgültig identifizierten.

Mit bislang unveröffentlichten Dokumenten des russischen Geheimdienstes ist es der Autorin gelungen, einige brisante Details der letzten Monate des Zaren und seiner Familie interessant darzustellen.        A. Ney

Elisabeth Heresch: „Zarenmord – Kriminalfall Jekaterinburg 1918 und die verschwundenen Juwelen der Romanows“, Herbig Verlag, München 2009, gebunden, 255 Seiten, 19,95 Euro


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