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09.01.10 / Russki-Deutsch (49): Banja

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-10 vom 09. Januar 2010

Russki-Deutsch (49):
Banja
von Wolf Oschlies

Zu meinen Lieblingsbüchern gehört „Männergespräche in einer russischen Sauna“, eine bitterböse, dabei erzkomische Sowjetsatire, die dem Verfasser Efraim Sevela, geboren 1928 in Weißrussland, 1980 verdienten Bestsellerruhm einbrachte. In der russischen Originalausgabe ist der Ort der Gespräche eine „russkaja banja“, und der Teufel weiß, warum diese in der deutschen Ausgabe in eine „Sauna“ verwandelt wurde. Als ob Deutschen die Banja unbekannt wäre!

Zum Beweis ein Brief an Rilke, den großen Russland-Enthusiasten: „Was sich jetzt in Russland ereignet? Hier klirren die Fröste, die Bauern in den Dörfern liegen auf den Öfen und kriechen einmal in der Woche, am Sonnabend, herunter, um in der Banja zu schwitzen, sich nackt im Schnee zu wälzen, wieder in die Banja zu schlüpfen und dann von neuem auf den Ofen zu kriechen“.

„Banja“ war ein Drama von Wladimir Majakowskij betitelt, das 1930 als sein letztes Werk herauskam - eine Satire auf stalinistische Bürokraten, die in der Sowjet-union verboten wurde und dem Dichter so viele Misshelligkeiten einbrachte, dass er Selbstmord beging oder, wahrscheinlicher, ermordet wurde. In Deutschland erschien das Stück unter dem Titel „Das Schwitzbad“, seine Aufführung hatte 1959 in der DDR dasselbe Schicksal wie vordem in der Sowjetunion: Obwohl von dem Moskauer Regisseur Nikolaj Petrow inszeniert, wurde es sofort nach der Premiere abgesetzt.

Hat man es vielleicht auch wegen möglicher ehemaliger Kriegsgefangener im Publikum abgesetzt? Die haben in der Sowjetunion die „Banja“ sehr genau kennengelernt. Aus ihren Reihen wurde immer ein „Banschtschik“ ausgeguckt, also einer, der für die Banja verantwortlich war. Von den Mitgefangenen wurde er als „Planschtschik“ veralbert, was ja lautmalerisch auf seinen Job wies.

Die Kriegsgefangenen-Banja war gar keine, denn: „Eine russische Banja hatte mit einer in Deutschland üblichen Sauna eigentlich nur den heißen Innenraum gemeinsam. Der Rest war ein Zwischending von Ruheraum und Wohlfühloase. Vielleicht in Deutschland eine Marktlücke.“ Bitte üben: Russen gehen in die Banja wie Münchner in den Biergarten, mit Proviant und guten Getränken.


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