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09.01.10 / Rotlackierte National-Sozialisten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-10 vom 09. Januar 2010

Rotlackierte National-Sozialisten
von Hans-Jürgen Mahlitz

Kurt Schumacher, der erste Nachkriegsvorsitzende der SPD, hatte es schon immer gewusst: Kommunisten sind „rotlackierte Nazis“. Schon 1930, als linke und rechte Extremisten sich anschickten, den Weimarer Demokratieversuch zwischen sich zu zerreiben, warnte der Sozialdemokrat vor „proletarischen Hakenkreuzlern“, die „in Wirklichkeit rotlackierte Doppelausgaben der Nationalsozialisten“ seien.

Mit der griffigen Formel charakterisierte Schumacher die ideologische Verwandtschaft nationalsozialistischer und kommunistisch-sozialistischer Politik. Dass er damit auch in einem viel weitergehenden Sinne recht hatte, stellt sich erst jetzt heraus. Ein Großteil der DDR/SED-Eliten war tatsächlich nichts anderes als von braun auf rot „umlackiert“ – stramme Nationalsozialisten, die 1945 ruckzuck das eine Parteibuch gegen das andere austauschten und den Sozialismus à la Moskau mitgestalteten.

Der Weg vom Parteigenossen (alt) zum Genossen (neu) wurde ihnen leichtgemacht. Die in Moskau ge-schulte „Gruppe Ulbricht“ brauchte vor Ort willige Helfer. Und da wurde, wenn es um die braune Vergangenheit ging, eben nicht so genau hingeschaut. Mehr noch: Reumütige Alt-Nazis wurden von den neuen Parteifreunden direkt angewiesen, Mitgliedschaften in NSDAP oder SS zu verschweigen. Das hatte aus Sicht der Machthaber und Mauermörder gleich zwei nützliche Effekte. Man verfügte über ein Potential an Spitzenfunktionären, die erpressbar waren und so für übelste politische Schandtaten eingesetzt werden konnten. Und mit angeblich fleckenlos weißer Weste konnte man umso inbrünstiger die Staatsraison des Antifaschismus pflegen – Alt-Nazis in neuen Staatsämtern gab es ja nur beim Klassenfeind in Adenauers „Bä Är Dä“ (O-Ton Ulbricht).

Erstaunlicherweise gelang es den SED-Erben auch nach dem Ende der DDR, das antifaschistische Saubermann-Bild weiter zu polieren. Jetzt aber bestätigt ein Forschungsprojekt der Universität Jena (vorerst begrenzt auf Thüringen), dass dort fast 14 Prozent der SED-Spitzenfunktionäre zuvor aktive Nationalsozialisten waren. Das reichte bis in höchste Ämter; als Beispiel sei Hans Bentzien genannt, zeitweise DDR-Kulturminister und noch 1989/90 Generalintendant des DDR-Fernsehens.

Es geht hier nicht darum, Menschen das Recht auf Irrtum, Reue und Wandel abzusprechen. Die SED und ihre Fortsetzungspartei aber billigen dieses Recht nur denen zu, die sich schnell genug auf die politisch korrekte (also ihre) Seite geschlagen haben. Diese selektive Art der Vergangenheitsbewältigung ist heute genau so verkommen wie in den vier Jahrzehnten DDR-Antifaschismus – mit solchen Lügnern macht man keine Koalitionen.

Foto: 14 Prozent der SED-Spitzenfunktionäre in Thüringen waren einst aktive Nationalsozialisten, und selbst der SED-Gründer Walter Ulbricht persönlich hatte mit den Nazis paktiert: Hier 1931 in Berlin-Friedrichshain, beim von KPD und NSDAP gemeinsam organisierten BVG-Streik. Links im Vordergrund Josef Goebbels.


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