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09.01.10 / Adventstreffen der Jugend in Osterode / Heimatverbliebene und Heimatvertriebene haben gemeinsam die deutsche Kultur ein Stück weit besser kennengelernt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-10 vom 09. Januar 2010

Adventstreffen der Jugend in Osterode
Heimatverbliebene und Heimatvertriebene haben gemeinsam die deutsche Kultur ein Stück weit besser kennengelernt

Im mit Fahnen der ostdeutschen Provinzen und Spruchbändern geschmückten Saal des Osteroder Hotels Panorama fand sich am Donnerstag vor dem 1. Advent eine Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener noch etwas scheu zur abendlichen Eröffnungsrunde des diesjährigen Adventstreffens des Bundes Junges Ostpreußen (BJO) zusammen. Gleich zu Beginn wurde manch einem einiges an Mut abgefordert, denn der Veranstaltungsleiter und Bundesvorsitzende Stefan Hein verlangte, dass jeder sich vorstellte und erläuterte, wo­rin sein Interesse am Kennenlernen der deutschen Kultur begründet war. Dieses Interesse wurde auch sogleich bedient, indem die ersten deutschen Lieder gemeinsam erlernt wurden. Noch war die Beteiligung eher brav als begeistert, doch schon am nächsten Vormittag erscholl „Lasst uns froh und munter sein“ viel kraftvoller und lebendiger – man spürte die Freude am gemeinsamen Tun!

Im Anschluss benötigte der erfahrene Tanzleiter Gregor Swoboda all seine Energie, um den Neulingen die Grundschritte für Polka und Walzer sowie erste Volkstänze beizubringen. Mit Ernsthaftigkeit und Konzentration waren gerade auch ganz junge männliche Teilnehmer ihr Bestes bei diesen Übungen zu geben bereit.

Der Nachmittag begann mit einem gemeinsamen Spaziergang durch die Stadt, der auf einige wichtige Bauten aus der Vorkriegszeit aufmerksam machte. Beim Besuch des „Deutschen Hauses“ erfuhren die Jugendlichen beispielhaft, welche Aktivitäten und Möglichkeiten die Einrichtungen der örtlichen Deutschen Vereine bieten. So konnte hoffentlich eine Anregung gegeben werden, zukünftig deutsche Einrichtungen am eigenen Wohnort verstärkt zu nutzen.

Da man in der besonderen – glücklichen – Lage war, ab dem zweiten Tag über zwei Gesangsleiterinnen zu verfügen, wurde ein völlig neues Konzept ausprobiert, welches sich im Ergebnis als sehr produktiv erwies. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen aufgeteilt, welche im Verlauf des Wochenendes verschiedene Angebote im Wechsel wahrnahmen. Neben dem Einstudieren weiterer Tänze gab es zwei Singgruppen. In der einen lernte man eine ganze Reihe typischer deutscher Weihnachts- sowie ostpreußischer Lieder kennen, während in der anderen auf höherem musikalischen Niveau an ausgewählten Stücken gearbeitet wurde.

Am dritten Tag bestand die Möglichkeit, in Vorbereitung der Adventsfeier eine Aktivität aus dem Angebot, das neben Tanzen und Singen auch Plätzchenbacken und Basteln von Tischdekoration umfasste, auszuwählen. Erstaunlicherweise gab es einige Unermüdliche, die immer noch nicht genug vom Singen hatten und sich jetzt dem erhöhten Anspruch der Chorsätze stellten.

Diese bildeten dann auch den feierlichen Auftakt des Abends im mit Teilnehmern und Gästen vollbesetzten, festlich geschmückten Saal. Die ostpreußischen Lieder „Es dunkelt schon in der Heide“ und „Ännchen von Tharau“ erklangen mehrstimmig.

Darauf ergriff Kaplan André Schmeier das Wort und las eine zum Nachdenken anregende Geschichte über die Bedeutung des Advents vor, in der die möglichen Reaktionen unterschiedlicher Menschen bei einer tatsächlichen Ankunft des Heilands und der In-Aussicht-Stellung des Jüngsten Tages kritisch-humorig dargestellt wurden.

Auch Friedrich-Wilhelm Böld, der aus dem fernen Bayern, das die Veranstaltung finanziell unterstützte, die Grüße des Ministerpräsidenten übermittelt hatte, hielt eine Ansprache, in der er zum Ausdruck brachte, wie sehr er vom Treiben der Jugend beeindruckt und erfreut sei. Er äußerte den Wunsch und die feste Hoffnung, dass die Erlebnisse des Adventstreffens für alle Teilnehmer unvergesslich bleiben mögen.

Einen weiteren Höhepunkt stellte zweifellos die Tanzvorführung dar. Mit brennenden Kerzen in der Hand „schwebten“ die jungen Damen und Herren zu klassischer Musik gemäß einstudierter Choreographie durch den Saal – ein ästhetischer Genuss!

Irgendwann erschien als Überraschung sogar der leibhaftige Nikolaus und verteilte an alle Anwesenden Schokoladenweihnachtsmänner. Zwischendrin erklangen immer wieder spontan angestimmte Weihnachtslieder, und der unermüdliche Gregor brachte mit seinen ungewöhnlichen Spielen die teilnahmewilligen Paare geistig und körperlich auf Trab. In heiterer, angeregter Stimmung räumten schließlich alle den Saal, um wie schon am Vorabend in kleineren Grüppchen den schönen Tag ausklingen zu lassen.

Dass dieses Ausklingen bei vielen bis in die Morgenstunden gedauert haben musste, zeigte sich am darauffolgenden vierten Tag, dem 1. Advent, an der deutlichen Müdigkeit der Teilnehmer, die jedoch nicht geschont wurden. Fried­rich-Wilhelm Böld und Stefan Hein erläuterten die Strukturen der Landsmannschaft sowie des BJO, Sabina Wylengowski die der Deutschen Vereine in Ostpreußen selbst. Es wurden Fragen beantwortet und Anregungen gegeben, wie von der Bundesrepublik aus die Arbeit in der Heimat noch besser unterstützt werden kann. Beim abschließenden gemeinsamen Singen und Tanzen lachte die Freude vielen jungen Leuten auch nach drei anstrengenden Tagen aus dem Gesicht.

Die Ostpreußenhymne „Land der dunklen Wälder“ setzte den Schlusspunkt unter ein erstes Adventswochenende, das nicht nur reich an neu Erlerntem und neuen Eindrücken war, sondern vor allem auch reich an menschlichen Begegnungen, die sich im Verlaufe der Tage immer herzlicher gestalteten. Um so schwerer fiel allen der Abschied. Gerhild Haesner


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