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09.01.10 / Alltag wird Geschichte / Verpackungsmuseum in Heidelberg zeigt Bekanntes und Exotisches

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-10 vom 09. Januar 2010

Alltag wird Geschichte
Verpackungsmuseum in Heidelberg zeigt Bekanntes und Exotisches

Die Geschichte der industriellen Warenverpackung ist zugleich auch eine Geschichte des Alltags im 19. und 20. Jahrhundert. Im Deutschen Verpackungsmuseum Heidelberg begegnet der Besucher immer wieder Marken, die man heute noch kennt. Wer mit etwas Zeit die Verpackungen betrachtet, geht mit einer Fülle von Eindrücken nach Hause. Hier wird die Biographie vieler großer Marken vorgestellt. Den historisch bedingten Wandel im Packungsbild traditionsreicher Marken veranschaulichen zum Beispiel Produkte wie Afri Cola, Bahlsen, Bärenmarke oder Erdal. Alte Kinder-Kaufmannsläden mit ihrer zeittypischen Bestückung vermitteln einen authentischen Eindruck von den Verpackungen der jeweiligen Epoche und stellen die Einführung der Selbstbedienung und die schrittweise Veränderung der Markenartikel optisch anschaulich dar. Dabei zeigt sich, dass sich die Verpackungen sowohl in Hinsicht auf die verwendeten Materialien als auch in ihrer Gestaltung verändert haben. Während heute die einfache Plastikpackung dominiert, gab es früher sehr viel mehr natürliche Materialien. So wurden Streichholzschachteln in Osteuropa noch bis vor kurzem aus dünnen Holzplatten zusammengesetzt, und statt PE-Folien gab es Zellglas und Pergamin. Kaufmannsläden aus verschiedenen Zeitabschnitten (um 1900, um 1915, um 1925, um 1935, um 1950 und von heute) machen den Besucher im wahrsten Sinne „spielerisch“ mit der Geschichte der Verpackung vertraut. Ebenso wie ihr geschichtlicher Werdegang werden dabei die vielfältigen Funktionen der Verpackung dargestellt. Unterschiedliche Ausstellungsbereiche präsentieren die Verpackung als Ergebnis ständigen Wandels. Künstlerische und technische Neuerungen beeinflussten zu jeder Zeit das Aussehen der Verpackungen. Exponate aus Unternehmensarchiven und Privatsammlungen wurden in Heidelberg ergänzend zusammengetragen, um in bislang nicht gezeigter Geschlossenheit jene Stationen zusammenzufügen, die gemeinsam von einer „Zeitreise“ durch die Geschichte der Verpackungsgestaltung erzählen. Manches blieb dabei im wesentlichen gleich, etwa viele Kosmetikdosen, anderes änderte sich weitgehend. Heute greift man gern wieder auf alte Gestaltungen zurück. Dabei ist besonders interessant, wie sich die Funktion der Verpackung vom Schutz hin zum Werbeträger und „Appetitmacher“ wandelte. Interessant ist in diesem Zusammenhang natürlich auch die Mogelpackung, die außen viel verspricht, dann jedoch nur wenig enthält.

Spektakulär sind besonders jene historischen Verpackungen, die eine ganze Geschichte erzählen können, wie etwa die Blechdose für „Titanic Cigarettes“, die eigens für den Bordverkauf an die Passagiere der „Titanic“ aufgelegt worden war. Die Katastrophe des Jahres 1912, als die „Titanic“ bei ihrer Jungfernfahrt unterging, beendete vorschnell auch den Erfolg dieses Markenprodukts.

Als um die Jahrhundertwende die Markenindustrie die Vorteile der Verpackung erkannte, die damals noch sehr aufwendig von Hand hergestellt werden musste, konnte der Bedarf an hochwertigen Verpackungslösungen nur mühsam befriedigt werden. Zu sehr steckte die Entwicklung geeigneter Verpackungen noch in den Kinderschuhen. Mit dem Einsatz der ersten industriellen Verpackungen nahm dann sehr bald eine Art von „Internationalisierung“ der Lebensführung ihren Anfang: Türkische, ägyptische oder amerikanische Zigaretten, Schweizer Schokolade, französischer Champagner, Brüsseler Pasteten — viele regionale oder nationale Spezialitäten waren erst jetzt in ihren verbesserten oder neu entwickelten Verpackungen auch in deutschen Geschäften zu bekommen. Mit sinkenden Preisen konnten sich diese Artikel von der luxuriösen „Festfreude“ für besondere Anlässe zur allgemeinen Bereicherung des Lebensalltags entwickeln. Heute sind damals sehr exklusive Waren zu vertrauten Begleitern unseres Lebens geworden. Alexander Glück

Das Deutsche Verpackungs-Museum e.V., Hauptstraße 22 (Innenhof), Heidelberg, ist mittwochs bis freitags von 13 bis 18 Uhr, am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet.


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