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09.01.10 / Verlernen wir das Denken? / »FAZ«-Herausgeber warnt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-10 vom 09. Januar 2010

Verlernen wir das Denken?
»FAZ«-Herausgeber warnt

Der „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher greift für seine Bücher immer Themen auf, die gesellschaftliche Entwicklungen aufzeigen und vor Fehlentwicklungen warnen. Ob „Das Methusalem-Komplott“, wo er die Folgen der alternden Gesellschaft anspricht, oder „Minimum – Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft“, immer trifft er einen wunden Punkt. Auch bei seinem aktuellen Titel „Payback“ ist dies der Fall.

Der Untertitel ist dann auch schon eine ziemlich präzise Inhaltsangabe: „Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen“. Schirrmacher, Jahrgang 1959, hat einen hohen Anspruch an seinen eigenen Intellekt, von dem er selten enttäuscht wurde. Doch in letzter Zeit stellt der Autor fest, dass er den neuen Medien nicht mehr optimal folgen kann beziehungsweise ihnen nicht mehr folgen will.

Ist der 50-Jährige in Zeiten von SMS, Facebook und Twitter einfach überfordert? Trauert er der guten alten Zeit hinterher, in der vor allem Zeitungen wie die des Autors die öffentliche Meinung weit stärker prägten als in Zeiten des omnipräsenten Internets? Doch auch wenn die letztere Vermutung nicht ganz aus der Luft gegriffen sein dürfte, sind Schirrmachers Bedenken bezüglich der Auswirkungen des Informationszeitalters auf das menschliche Denken durchaus berechtigt. In Zeiten, in denen fast jeder ein Navigationsgerät hat, manche ja sogar bereits im Handy integriert, verlässt sich der Mensch auf die Fremdbestimmung. Damit geht beispielsweise die Fähigkeit, sich räumlich selbst zu orientieren oder Karten zu lesen, Stück für Stück verloren. Ärzte blicken inzwischen mehr auf ihren Computerbildschirm als auf den Patienten vor sich, „copy and paste“, kopieren und einfügen, sei inzwischen selbst bei Krankenakten Gang und Gäbe und führe zu gefährlichen Verallgemeinerungen.

Anschaulich schildert der Autor, wie Computer dem Menschen das Denken abnehmen und er es sich auch allzu gerne abnehmen ließe. Immer mehr Internetseiten würden die Gewohnheiten des Benutzers speichern und darüber Schlüsse über beispielsweise sein Kaufverhalten ziehen. Wer bei amazon Bücher kauft, erhält gleich Empfehlungen für andere Titel, die Käufer vor ihm bestellt haben, die auch seine erworbenen Titel angeschafft haben. Auf diese Weise würde der Mensch schon im Kleinen in eine Richtung gelenkt, die sich durch Statistiken ergeben haben. Auch mache es die über das Internet hereinbrechende Informationsflut den Menschen immer schwerer, Wichtiges vom Unwichtigen zu trennen.

Schirrmacher beruft sich bei seinen Beispielen auf Wissenschaftler, Forschungen und Studien. Die angeführten Beispiele sind zum Teil erschreckend, manchmal aber auch ermüdend, doch sie belegen, dass der Autor sich keineswegs grundlos ereifert. Allerdings dürfte seine Sorge übertrieben sein, denn allein die Tatsache, dass „Payback“ seit Wochen auf der Bestseller-Liste des „Spiegels“ weit oben steht, zeigt, dass es noch genügend Menschen gibt, die sich nicht nur auf die Informationen aus dem Internet verlassen. Rebecca Bellano

Frank Schirrmacher: „Payback – Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen“, Blessing, München 2009, geb., 239 Seiten, 17,95 Euro


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