16.04.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
09.01.10 / Zurück zu den Wurzeln / Dominikanerpater Ockenfels erinnert die CDU an das C in ihrem Namen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-10 vom 09. Januar 2010

Zurück zu den Wurzeln
Dominikanerpater Ockenfels erinnert die CDU an das C in ihrem Namen

Die „Democrazia Christiana“ in Italien ist untergegangen. Wird die deutsche CDU das gleiche Schicksal erleiden? Diese Frage stellt der Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels in seinem neuen Buch „Das hohe C – Wohin steuert die CDU?“ Ockenfels gehört seinem Untersuchungsgegenstand seit 1966 als Parteimitglied an. Der konservative Kirchenmann ist das Gegenteil eines Gutmenschen. Als Chefredakteur der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“, als Geistlicher Berater des Bundes Katholischer Unternehmer und als Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Trier hält der Rheinländer, der auch eine Zigarre und einen guten Wein zu schätzen weiß, mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Duckmäusertum ist seine Sache nicht.

Viele überzeugte Katholiken haben mittlerweile ihre Probleme mit der Merkel-CDU. „Die Partei ist nicht mehr die, in die ich vor 37 Jahren eingetreten bin“, sagte beispielsweise der frühere sachsen-anhaltische Ministerpräsident Werner Münch anlässlich seines Austritts aus der Union. Die Gründe, warum sich Leute wie Münch von der CDU abwenden, liegen in der mangelhaften Wirtschaftsordnungspolitik, einer populistisch-machtbezogenen Personalpolitik und in der Vernachlässigung des Lebensschutzes, so Ockenfels. Das Fass zum Überlaufen brachte für Münch allerdings „die Art und Weise, wie die Parteivorsitzende das Oberhaupt unserer katholischen Kirche, den deutschen Papst Benedikt XVI., öffentlich diskreditiert und gedemütigt hat, obwohl es dafür keine Veranlassung gab“.

Ockenfels sieht die CDU von der Gefahr der Profillosigkeit und Traditionsvergessenheit bedroht. Diese „Tendenz des Relativismus“ zeichne sich auch in den CDU-Grundsatzprogrammen deutlich ab. Dass die Dominanz des Katholischen in der CDU schwinde, habe auch mit dem Übergang von der Bonner zur Berliner Republik zu tun. Ob in der neuen Hauptstadt alles zum Besseren gediehen ist, zweifelt der Autor massiv an. „Im Berliner Hexenkessel gedeihen Hektik, Hysterie und sterile Aufgeregtheit besser als im rheinisch-katholischen Klima“. Bei der derzeitigen protestantischen Kanzlerin kommt hinzu, dass sie als Diplomphysikerin, Doktorin im Fach Chemie und Politikern mehr mit der Sprache der Technik und der Macht als mit der Sprache der Religion vertraut sei.

Warum haben die „Männer“ nur ein solch großes Problem mit dem „Mädchen“ im Kanzleramt? Wird Angela Merkel strenger beurteilt als ihre männlichen Kollegen? Letztlich ist sie, wie Ockenfels belegt, selbst verantwortlich dafür, dass ihr ihre Kritiker einen Zick-Zack-Kurs vorwerfen. „Mal bin ich liberal, mal christlich-sozial, mal konservativ“ sagte sie gegenüber der „FAZ“. Verwaschener und unpräziser kann ein politisches Bekenntnis kaum ausfallen. Die Mehrheitsfähigkeit der Union könnte gefährdet sein, wenn sich weiterhin wesentlich stärker liberale Protestanten als konservative Katholiken mit dem Kurs der CDU anfreunden können.

„Die CDU sollte für Christen nicht nur als geringeres Übel in Erscheinung treten“, schreibt Ockenfels „seiner“ Partei ins Stammbuch. Kann es auf Dauer gut gehen, wenn die Partei Konrad Adenauers und Ludwig Erhards in Fragen des Lebensschutzes, der besonderen Würdigung von Ehe und Familie und in puncto Wirtschaftsordnungspolitik weiter schwächelt? Ockenfels geht der Frage nach und belegt, dass bei der Berücksichtigung hedonistischer Großstadtmilieus die Devise Alfred Dreggers „Zuerst kommt die Stammkundschaft, dann die Laufkundschaft“ vergessen wird und so die eigenen Stammwähler verprellt werden.

Am Ende spricht Ockenfels nicht nur katholischen Christen in der CDU aus der Seele, wenn er schreibt: „Die CDU sollte ihre eigene Begrenztheit und Irrtumsfähigkeit eingestehen und nicht versuchen, noch päpstlicher zu sein als der Papst. Vor allem sollten sich CDU-Bundeskanzlerinnen protes-tantischer Konfession nicht in katholisch-weltkirchliche Angelegenheiten einmischen und damit die Erinnerung an wilhelminische Übergriffe wachrufen.“ Irgendwann sind auch die Schmerzgrenzen der treuesten CDU-Anhänger erreicht. Nur: Wer legt die kluge Streitschrift des Dominikanerpaters Angela Merkel auf den Nachttisch? Ansgar Lange

Wolfgang Ockenfels: „Das hohe C – Wohin steuert die CDU?“, Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2009, 176 Seiten, 16,90 Euro


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren