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06.02.10 / Neuer Exportschlager / Weg von der Rohstoffabhängigkeit – Wege führen nach China

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-10 vom 06. Februar 2010

Neuer Exportschlager
Weg von der Rohstoffabhängigkeit – Wege führen nach China

Zweistellige Rückgänge in der Industrie- und Bauproduktion sorgten für den stärksten Einbruch des russischen Bruttoinlandsprodukts seit 15 Jahren. Der Kampf gegen die Inflation scheint verloren. 2009 lag die Inflationsrate mit 8,8 Prozent sechs mal höher als die der Europäischen Union (1,4 Prozent), für das laufende Jahr sagen Experten neun bis zehn Prozent voraus. Nicht nur die Wirtschaftskrise ist schuld daran, sondern die Ursachen liegen in der Wirtschaftsstruktur Russlands. Vor allem die Monopolisierung, das Fehlen von Konkurrenz und der staatliche Protektionismus verhindern eine positive Entwicklung. Weil der Staat einheimische Unternehmen durch Handelsbarrieren vor Konkurrenz schützt, ändern diese nichts an ihrer ineffizienten Produktion.

Der Plan Dmitrij Medwedews, die Abhängigkeit von Rohstoffen zu verringern und die Wirtschaft zu diversifizieren, indem Medizin, Energie- und Informationstechnologie, Weltraum- und Satellitentechnik staatlich gefördert und Privatunternehmen vermehrt zugelassen werden, ist nicht neu. Allerdings basieren die vom Präsidenten als wichtig erachteten Branchen auf der wissenschaftlichen Tradition der Sowjetunion. Weltraumtechnik und Kernenergie können den Nachholbedarf Russlands auf nahezu allen technischen Gebieten nicht wettmachen. Welche Branche der russischen Wirtschaft mit dem Ölsektor mithalten könnte, bleibt unklar.

Russische Politiker richten ihren Blick verstärkt nach Osten. Als Vorbild wird China gesehen, das als Billiglohnland mit noch ungesättigtem Markt Investoren anlockt. Gazprom wird seinen Export nach Asien ausdehnen und ab 2015 China jährlich mit 60 Milliarden Kubikmeter Gas versorgen. Weil Russland sich als Partner im Westen nicht angenommen fühlt, schielt die Regierung vermehrt in die entgegengesetzte Richtung. Die jüngste Schaffung einer Freihandelszone zwischen China und dem Verband Südostasiatischer Staaten (ASEAN) wird in Moskau mit viel Interesse beobachtet, da diese als drittgrößte Freihandelszone nach EU und Nafta für Russland eine Alternative zu den westlichen Märkten bietet.

Große Hoffnung liegt auf dem Export von Flugzeugen. Im vergangenen Jahr machte er die Hälfte aller russischen Exporte aus. Neuester Exportschlager soll der neue Tarnkappen-Jet T-50 werden, das Pendant zum amerikanischen Jagdflugzeug F-22 Raptor, das allerdings um einige Dutzend Millionen Dollar billiger ist. Die Weiterentwicklung des T-50 geschieht in Kooperation mit Indien. Sollten zunächst die russische und die indische Luftwaffe 350 bis 400 Maschinen dieses Typs kaufen, rechnen die Entwickler damit, dass bald auch arabische und andere asiatische Länder zu den Abnehmern zählen.             M. Rosenthal-Kappi

Foto: Mehr als nur Gas? Russische Wirtschaft sucht Alternativen.


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