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06.02.10 / Klassiker der Filmkunst / Auf der 60. Berlinale wird Original von »Metropolis« gezeigt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-10 vom 06. Februar 2010

Klassiker der Filmkunst
Auf der 60. Berlinale wird Original von »Metropolis« gezeigt

Nimm zehn Tonnen Grausen, gieße ein Zehntel Sentimentalität darüber, koche es mit sozialem Empfinden auf und würze es mit Mystik nach Bedarf; verrühre das Ganze mit Mark (sieben Millionen) und du erhältst einen prima Kolossalfilm“, schrieb der „Simplicissimus“ 1927 verhöhnend nach der Premiere des Films „Metropolis“. Selbst der Regisseur Fritz Lang (1890–1976) soll später bekannt haben: „Ich mochte den Film nie wirklich gerne.“ Trotz der allseits vernichtenden Kritik gilt „Metropolis“ heute als ein Klassiker der expressionistischen Filmkunst. Auf der 60. Berlinale wird er nun nach mehr als 80 Jahren erstmals wieder in (fast) voller Länge gezeigt. Für alle, die in Berlin nicht dabei sein können, überträgt Arte den Film am 12. Februar ab 20.15 Uhr.

Die Geschichte, die Thea von Harbou, die Ehefrau des Regisseurs, schrieb, war in der Tat abenteuerlich: Der alleinige Herrscher über Metropolis, einer Stadt mit Hochhäusern, die von Arbeitern tagein, tagaus bewirtschaftet werden, ist Joh Fredersen, der Gründer der Stadt. Sein Widersacher ist sein ehemaliger Weggefährte, der Erfinder eines weiblichen Roboters Rotwang. Der Roboter wiegelt die Arbeiter zum Sturm auf die Maschinen auf. Bevor Metropolis vollkommen zerstört wird, versöhnen sich der Herrscher und die Arbeiter.

Noch abenteuerlicher als diese Geschichte ist die Geschichte des Films. Mit seinen drei Millionen Nettokosten brachte er die Ufa an den Rand des Ruins. Außerdem hatte Lang sich mit der Produktionsfirma überworfen. Obwohl 40 Kopien des Films gezogen waren, wurde „Metropolis“ nur in einem Berliner Kino gezeigt und bald wegen geringen Interesses wieder abgesetzt. Auch die um eine halbe Stunde gekürzte Fassung fand kein Publikum. Erst später interessierten sich Fachleute für die ursprüngliche Fassung. Und so war man froh, als vor zwei Jahren in Argentinien eine Originalfassung gefunden wurde. Mit allen technischen Finessen gelang es, den Film wieder herzustellen und auch die ursprüngliche Körnigkeit zu erhalten. Und so wird man dieses von Experten als cineastisches Meisterwerk gerühmte Epos in etwa so betrachten können wie die Zuschauer 1927 im Kino am Nollendorfplatz.       Os

Foto: Bei den Dreharbeiten: Brigitte Helm als Maria in den Katakomben von Metropolis.


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